Razzia bei oppositionsnahem Sender Halk TV in der Türkei
Die türkische Polizei hat die Zentrale des oppositionsnahen TV-Senders Halk TV gestürmt und die Live-Übertragung gestoppt. Nach eigenen Angaben wurde der Sender unter Zwangsverwaltung gestellt.
14.10.2026 | 0:46 minIn der Türkei ist der oppositionsnahe Sender Halk TV durchsucht und nach eigenen Angaben unter Zwangsverwaltung gestellt worden. Demnach seien Hunderte Polizisten am Morgen in das Gebäude eingedrungen und hätten den eintreffenden Mitarbeitern den Zutritt zum Gebäude verwehrt, teilte der Sender auf seiner Webseite mit.
Im Zuge der Durchsuchung sei die Live-Übertragung unterbrochen und der Kanal unter Zwangsverwaltung gestellt worden, hieß es weiter.
In einem von Halk TV auf X geteilten Video ist Chefredakteur Suat Toktas zu sehen, der mit dem von den türkischen Behörden eingesetzten Verwalter spricht, um ihn davon zu überzeugen, die Live-Sendung nicht zu stoppen.
Was hier gerade passiert, ist gesetzwidrig.
Suat Toktas, Chefredakteur Halk TV
Durchsuchung Teil von Ermittlungen gegen Halk-TV-Vorstandschef
Grund für die Razzia sei die Entscheidung eines Strafgerichts, die Unternehmen von Halk-TV-Vorstandschef Cafer Mahiroglu zu beschlagnahmen, berichtete die oppositionsnahe Nachrichtenagentur Anka unter Berufung auf die Staatsanwaltschaft Istanbul. Im Rahmen der Ermittlungen wegen "Bestechung, Ausschreibungsbetrug und Geldwäsche" seien 17 Personen zur Fahndung ausgeschrieben und elf von ihnen festgenommen worden.
In der Türkei sind nach Festnahmen auf einer Demonstration mehr als hundert Menschen wieder auf freiem Fuß. Hintergrund des Protests waren Razzien gegen die LGBTQ-Community.
17.09.2026 | 0:26 minMahiroglu erklärte in einem Video auf X, alle Vorwürfe gegen ihn seien haltlos. Er sagte, die Justiz als Waffe zu verwenden, sei der größte Schaden, der der Türkei zugefügt werden könne.
Oppositionsführer Özgür Özel kritisiert Vorgehen der Behörden
Oppositionsführer Özgür Özel von der Yeni Parti erklärte auf X, die Partei stehe an der Seite von Halk TV, der Pressefreiheit sowie der Angestellten und ihrer Familien. Eine Polizeirazzia bei einem Fernsehsender im Morgengrauen und die Einsetzung eines Zwangsverwalters seien Maßnahmen, "wie sie nur Diktatoren ergreifen würden", schrieb Özel.
In der Türkei wurde Istanbuls abgesetzter Bürgermeister Imamoglu zu 25 Monaten Haft verurteilt. Er war der größte Rivale von Präsident Erdogan. Das Verfahren wurde neu aufgerollt.
12.09.2026 | 0:24 minDie türkische Journalistengewerkschaft TGS verurteilte das Vorgehen ebenfalls und bezeichnete die Entscheidung als "willkürlich". Die Presse sei frei und dürfe nicht zensiert werden, schrieb die Gewerkschaft auf X.
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