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Friday, October 9, 2026

So provoziert der neue Jaguar Type 01

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Riesig, schrill und über 1000 PS

So provoziert der neue Jaguar Type 01

Radikaler Bruch bei Jaguar: Der neue Type 01 ist gewaltig, provokant und komplett übermotorisiert. Vor allem aber ist der Luxus-Stromer ein klares Statement für die Zukunft der britischen Traditionsmarke.

Publiziert: vor 32 Minuten

  • Nach der Absatzkrise setzt Jaguar auf einen polarisierenden Elektro-GT.
  • Ab 165'000 Euro soll er neue Luxuskunden anziehen.
  • Die JEA-Plattform ermöglicht 1030 PS und über 700 km Reichweite.
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Ramon EggerFreier Mitarbeiter für Auto & Mobilität

Mehr als 5,2 Meter lang, nur 1,4 Meter hoch, eine endlose Haube, die Kabine weit nach hinten gerückt und darunter 23-Zoll-Räder. Man kann den Jaguar Type 01 schön finden oder nicht, das ist Geschmackssache. Auf jeden Fall ist er gewaltig. Anders als alles, was derzeit auf der Strasse fährt. Genau das will Jaguar. Managing Director Rawdon Glover sagt: «Gutes Design muss selbstbewusst genug sein, um zu polarisieren.»

Die Grösse, der Auftritt, diese Front – das Auto sei ein Mittelfinger an alle, stellte ein Journalistenkollege treffend fest. In erster Linie ist es das an die Kunden, die Dezenz und Eleganz an einem Jaguar geschätzt hatten. Dass man diese künftig kaum noch erreichen wird, ist sich auch Glover bewusst. Einfach die bisherige Kundschaft weiter zu bedienen, sei aber nicht langfristig tragfähig, sagt er. Mit dem Type 01 wolle man deshalb grossmehrheitlich neue Kunden gewinnen.

Radikaler Kurswechsel

Was auch dringend nötig ist: 2018 verkaufte Jaguar weltweit 180’833 Fahrzeuge – so viele wie nie zuvor. Kurz darauf kam die Krise, die Verkaufszahlen brachen innerhalb von drei Jahren um mehr als die Hälfte ein, der Jaguar-Land-Rover-Konzern rutschte tief in die roten Zahlen. Es folgte ein radikaler Kurswechsel: Eine elektrische Luxusmarke sollte Jaguar werden. «Profit over volume» war die Maxime – Gewinn vor Stückzahl. Wie das aussehen sollte, zeigte sich 2024: neuer Schriftzug, neue Bildsprache, neuer Auftritt und mit dem Type 00 ein neues Konzeptauto. «Copy nothing» lautete der Claim, angelehnt an ein Zitat von Jaguar-Gründer William Lyons (1901–1985). Keine Kopie, alles wird anders. Für die schrille Kampagne ohne Auto erntete Jaguar Spott – und auch für den Type 00 als kompletten Stilbruch gab es wenig Verständnis. Gäbe es den Ferrari Luce nicht, wäre es das kontroverseste Auto, das in den letzten Jahren vorgestellt wurde. Und Verständnis für den Type 00 als kompletten Stilbruch gab es wenig.

Aber Jaguar sei immer dann am erfolgreichsten gewesen, wenn man polarisieren konnte, meint Glover. Und führt dabei den XJS als Beispiel ins Feld, der Mitte der 1970er-Jahre die Rolle des E-Type einnehmen sollte – obwohl er optisch mit seinem Vorgänger gar nichts gemeinsam hatte. Es ist ein geschicktes Argument: Den Stilbruch zum eigenen Stilmittel erklären.

Wer sind die Kunden?

Die Frage bleibt: Wer soll dieses Auto kaufen? Jaguar zielt voll auf neues, zahlungskräftiges Publikum. In Grossbritannien beginnt die Preisliste bei 130’000 Pfund, in Deutschland bei 165’000 Euro. Beim Schweizer Importeur Emil Frey ist man noch nicht ganz so weit, dass man Preise nennen kann – es dürfte aber noch einmal etwas mehr sein. Das Preisniveau soll sich gegenüber früher deutlich steigern, dafür weniger Autos gebaut werden. Es ist die Logik jedes Luxusprodukts: Knappheit schafft Wert. Die Nachfrage soll die Produktionsmenge übersteigen. Damit wird auch verständlich, wieso der Type 01 gar nicht allen gefallen muss. Solange eine kleine Gruppe bereit ist, deutlich mehr zu bezahlen.

Jaguar: Made in Britain

Seit 1989 ist die britische Traditionsmarke Jaguar in ausländischen Händen, zuerst im amerikanischen Ford-Konzern, seit 2008 im indischen Tata-Konzern. An den britischen Wurzeln hält man aber fest: Auch der neue Type 01 wurde in England entwickelt. Gefertigt wird er ab 2027 in Solihull bei Birmingham, die Elektromotoren und Batteriepakete stammen aus Wolverhampton, die Karosseriebleche aus Halewood bei Liverpool.

Dies steht im Kontrast zur ebenfalls traditionsreichen britischen Marke Lotus. Seit deren Mehrheitsübernahme durch den chinesischen Geely-Konzern werden die Elektromodelle Eletre und Emeya in Wuhan gebaut, nur der Sportwagen Emira entsteht weiterhin in England.

Bemerkenswert sind die umfangreichen Investitionen angesichts der Krise bei Jaguar Land Rover. Erst im September kündigte man an, in den kommenden zwei Jahren weltweit rund 4000 Stellen abzubauen. Gleichzeitig hat JLR seit 2024 rund 11,5 Milliarden Pfund (12,7 Milliarden Franken) in die Entwicklung und Produktion der nächsten Fahrzeuggeneration investiert, ein Grossteil davon in Grossbritannien. Allein in Solihull wurden rund 9000 Mitarbeiter für den Bau von Elektroautos umgeschult.

Seit 1989 ist die britische Traditionsmarke Jaguar in ausländischen Händen, zuerst im amerikanischen Ford-Konzern, seit 2008 im indischen Tata-Konzern. An den britischen Wurzeln hält man aber fest: Auch der neue Type 01 wurde in England entwickelt. Gefertigt wird er ab 2027 in Solihull bei Birmingham, die Elektromotoren und Batteriepakete stammen aus Wolverhampton, die Karosseriebleche aus Halewood bei Liverpool.

Dies steht im Kontrast zur ebenfalls traditionsreichen britischen Marke Lotus. Seit deren Mehrheitsübernahme durch den chinesischen Geely-Konzern werden die Elektromodelle Eletre und Emeya in Wuhan gebaut, nur der Sportwagen Emira entsteht weiterhin in England.

Bemerkenswert sind die umfangreichen Investitionen angesichts der Krise bei Jaguar Land Rover. Erst im September kündigte man an, in den kommenden zwei Jahren weltweit rund 4000 Stellen abzubauen. Gleichzeitig hat JLR seit 2024 rund 11,5 Milliarden Pfund (12,7 Milliarden Franken) in die Entwicklung und Produktion der nächsten Fahrzeuggeneration investiert, ein Grossteil davon in Grossbritannien. Allein in Solihull wurden rund 9000 Mitarbeiter für den Bau von Elektroautos umgeschult.

Natürlich wäre ein Neustart im Luxussegment nicht möglich ohne vierstellige Leistungswerte: Drei Elektromotoren bekommt der Type 01, einen vorne, zwei hinten. Gemeinsam leisten sie bis zu 1030 PS (757 kW) und 1365 Nm. Von null auf 100 km/h vergehen 3,2 Sekunden, von 100 auf 180 km/h sind es 4,0 Sekunden. «Power in reserve» nennt Jaguar das. Leistungsreserve. Oder vielleicht auch Leistungsüberfluss, schliesslich ist der Type 01 kein Sportwagen, sondern ein Gran Turismo.

Und genau daran erinnert auch der Innenraum. Der Type 01 ist ein Fahrerauto. Klar, er hat vier Plätze, aber der Einstieg hinten ist eng, die Sitzflächen der beiden hinteren Einzelsitze etwas kurz geraten, das Raumgefühl deutlich beengter, als die 5,24 Meter Fahrzeuglänge vermuten lassen. Alles ist minimalistisch inszeniert, eine breite Mittelkonsole zieht sich durch das gesamte Fahrzeug. Nicht ganz zum neuen Luxusanspruch passen einige Details: Beim Einstieg fallen grossflächige Kunststoffteile auf, ebenso aussen an den Schürzen. Und dann ist da noch die Sache mit «copy nothing». Beim Lenkrad und den Lenkstockschaltern erkennt man deutliche Gemeinsamkeiten mit dem neuen Range Rover GT. Das ist innerhalb eines Konzerns weder ungewöhnlich noch problematisch – würde man nicht plakativ damit werben, «nichts zu kopieren».

Neue Technik, neue Plattform

Unter der Hülle wirkt der Anspruch glaubwürdiger. Keine bestehende Basis passte zu den Ideen der Designer – deshalb entwickelte Jaguar mit der «JEA» eine völlig neue Plattform. Mit der klaren Vorgabe: Die Technik muss sich dem Design anpassen, nicht umgekehrt. Beispielhaft zeigt sich das bei der Batterie, die um die Insassen herum aufgebaut wurde. Ein konventionelles Batteriepaket hätte den Type 01 laut Chief Engineer Jon Darlington rund 20 Zentimeter höher gemacht. Also wurden im Fussraum Wannen ausgespart, um die Sitzposition tief zu halten und ein Teil der Zellen und das Batteriemanagement stattdessen vor die Spritzwand verlegt. Das Ergebnis ist ein 118-kWh-Akku mit 850-Volt-Technik und einer Reichweite von über 700 Kilometern. Selbst bei konstantem Autobahntempo, so verspricht Jaguar, seien noch über 500 Kilometer möglich. Und an einer 350-kW-Schnellladesäule sollen sich die Akkus innerhalb von 22 Minuten von 10 auf 80 Prozent nachladen lassen.

Unkonventionell gehts auch bei der Karosserie weiter. Ein extrem komplexes, drei Meter langes Aluminium-Bauteil formt Dach, C-Säule und Kotflügel. In Simulationen galt es erst als unmöglich – die Ingenieure nannten es darum «The Impossible Panel». 1500 Arbeitsstunden stecken allein in diesem Teil.

Einen Wert betont Jaguar immer wieder: die knapp 90 Zentimeter Abstand zwischen Vorderachse und Innenraum. «Luxury Gap» nennt Jaguar das. Länge, die man sich leistet, obwohl man auf sie hätte verzichten können. Eine Absage an alle, die Kleinigkeiten wie Platzeffizienz priorisieren. Es ist ein Statement. Das vor allem zeigt, welche Kunden Jaguar künftig anzusprechen plant.

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