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Monday, October 19, 2026

Biowaffen: Wie Krankheiten zur Waffe werden

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Künstliche Intelligenz könnte künftig auch für die Entwicklung biologischer Waffen missbraucht werden. Klingt nach Science-Fiction, beschäftigt inzwischen aber Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, Sicherheitsbehörden und internationale Organisationen.

Denn Fortschritte in der Biotechnologie ermöglichen es, Krankheitserreger immer genauer zu analysieren und zu verändern. Durch KI können Datenmengen schneller ausgewertet werden. Experten weisen deshalb darauf hin, dass moderne Technologien langfristig eben auch für die Entwicklung biologischer Waffen missbraucht werden könnten.

Auch Sicherheitsbehörden beobachten die Entwicklung mit Sorge. Der Chef des britischen Inlandsgeheimdienstes MI5, Ken McCallum, warnte im Oktober 2026 , dass Künstliche Intelligenz die Gefahr durch bestehende oder sogar neue Biowaffen künftig erhöhen könnte - auch in den Händen sogenannter nichtstaatlicher Akteure. 

Biowaffen: Gratwanderung zwischen Wissenschaft und Missbrauch

Wie aktuell die Debatte ist, zeigt ein Bericht des US-KI-Unternehmens Anthropic vom September 2026. Nach Angaben des Unternehmens wurden mehrere Versuche erkannt und blockiert, bei denen Forschende die KI Claude im Zusammenhang mit möglicher Biowaffenforschung nutzen wollten. Dem Bericht zufolge ging es unter anderem um Förderanträge für sogenannte Gain-of-Function-Forschung und um Projekte zur Untersuchung von Vogelgrippe-Varianten, die möglicherweise leichter auf Säugetiere übertragbar wären.

Anthropic betonte zugleich, dass solche Forschung sowohl der medizinischen Vorsorge als auch militärischen Zwecken dienen könne. Genau diese schwierige Trennung zwischen legitimer Wissenschaft und möglichem Missbrauch gilt als eines der größten Probleme bei der Kontrolle moderner Biotechnologien.

Was sind Biowaffen?

Die Sorge vor biologischen Waffen ist allerdings keineswegs neu. Als biologische Mittel kommen zahlreiche Krankheitserreger infrage, darunter Bakterien, Viren, Pilze oder bestimmte biologische Toxine.

Bekannte Beispiele sind Milzbrand (Anthrax), Pest, Pocken oder Botulinumtoxin. Anthrax gilt als einer der bekanntesten biologischen Kampfstoffe. Die widerstandsfähigen Sporen können über lange Zeit in der Umwelt überdauern und wurden auch in staatlichen Biowaffenprogrammen untersucht.

Milzbrand in der Tundra

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) und die Vereinten Nationen (UN, Office for Disarmament Affairs) definieren biologische Waffen als die gezielte Freisetzung solcher biologischer Stoffe zur Schädigung von Menschen, Tieren oder Pflanzen.

Zu einer Biowaffe gehören in der Regel zwei Komponenten: der biologische Wirkstoff selbst und ein System, um ihn zu verbreiten. Fachleute sprechen von einem "Agens", wie Viren oder Bakterien, und einem "Trägersystem" (Delivery Mechanism). Dazu zählen unter anderem Raketen, Sprühsysteme oder kontaminierte Lebensmittel.

Biowaffen gehören gemeinsam mit Atomwaffen und Chemiewaffen zur Gruppe der sogenannten ABC-Waffen. Sie werden oft auch zu den Massenvernichtungswaffen gezählt.

Worin unterscheiden sie sich von Chemiewaffen?

Der Unterschied zwischen Biowaffen und Chemiewaffen liegt in der Wirkungsweise. Chemiewaffen schädigen Menschen durch die giftige Wirkung chemischer Stoffe, wie Sarin oder Senfgas. Die Wirkung tritt oft innerhalb von Sekunden oder Minuten ein. Beispielhaft sind etwa die Giftgasangriffe mit Chlorgas und später Senfgas im Ersten Weltkrieg oder der Einsatz des Nervengifts Sarin im syrischen Bürgerkrieg.

Biowaffen hingegen verursachen Infektionskrankheiten. Ihre Wirkung kann erst nach Stunden, Tagen oder Wochen einsetzen. Einige Erreger können sich zudem von Mensch zu Mensch weiterverbreiten, was ihre Folgen schwer vorhersehbar macht.

Vereinfacht gesagt wirken Chemiewaffen über ihre unmittelbare Giftigkeit, während Biowaffen Krankheiten auslösen. Gerade die mögliche Verbreitung von Mensch zu Mensch macht biologische Waffen besonders schwer kalkulierbar.

Sind Biowaffen weltweit verboten?

Ja, Biowaffen sind international verboten. 1975 ist die Biowaffenkonvention in Kraft getreten (BWC, Biological Weapons Convention). Sie verbietet die Entwicklung, Herstellung, Lagerung, Weitergabe und Nutzung biologischer und toxinbasierter Waffen.

Die Konvention kann als Weiterentwicklung des Genfer Protokolls von 1925 gesehen werden, das nur den Einsatz von biologischen Kampfmitteln als Methode der Kriegsführung verbot. Dem Abkommen gehören 189 Staaten an. Einige Länder wie Ägypten, Syrien oder Israel haben den Vertrag nicht ratifiziert oder unterschrieben. Diejenigen, die die Konvention ratifiziert haben, verpflichten sich auch, alle Bestände, Produktionsanlagen und Transportmittel zu zerstören.

Chemiewaffen sind ebenfalls international verboten. Ihre Kontrolle gilt allerdings als deutlich weiter entwickelt. Die Chemiewaffenkonvention wird von der Organisation für das Verbot chemischer Waffen (OPCW) überwacht. Diese kann Inspektionen durchführen und die Vernichtung von Chemiewaffenbeständen kontrollieren.

Ein vergleichbares Kontrollsystem gibt es für Biowaffen bis heute nicht. Staaten fürchten, dass Inspektionen sensible Forschungsdaten aus Medizin, Pharmaindustrie oder Biotechnologie offenlegen könnten. Deshalb beruht die Kontrolle biologischer Waffen weitgehend auf Transparenz, freiwilligen Meldungen und internationalem Vertrauen.

Plakat des US Postal Service mit Belohnung für Anthrax-Hinweise
Eine Million Dollar für Hinweise: Die Anthrax-Anschläge von 2001 in den USA gelten als der bekannteste Fall modernen BioterrorismusBild: USPS/dpa/picture alliance

Dass das Verbot allein nicht reicht, um den Einsatz zu unterbinden, zeigt eines der bekanntesten Beispiele, das sich 2001 in den USA ereignete: Wenige Wochen nach den Anschlägen vom 11. September wurden Briefe mit Milzbrandsporen (Anthrax) verschickt. 22 Menschen infizierten sich, fünf starben.

Warum sind Biowaffen so schwer zu entdecken und zu kontrollieren?

Biowaffenprogramme aufzudecken ist deutlich schwieriger als die Kontrolle von Atom- oder Chemiewaffen. Viele Technologien, die für die Entwicklung biologischer Waffen genutzt werden können, haben auch zivile Anwendungen. Dieselben Laborgeräte, die bei der Impfstoff- oder Medikamentenentwicklung eingesetzt werden, könnten theoretisch auch für militärische Forschung genutzt werden.

Fachleute sprechen von einem "Dual-Use"-Problem: Forschung kann gleichzeitig friedlichen, medizinischen als auch militärischen Zwecken dienen.

Hinzu kommt, dass ein biologischer Angriff zunächst wie ein natürlicher Krankheitsausbruch aussehen kann. Ob ein Erreger absichtlich freigesetzt wurde oder auf natürlichem Wege entstanden ist, lässt sich oft erst nach aufwendigen Untersuchungen feststellen.

Vielleicht auch deshalb wurden biologische Waffen in der Geschichte immer wieder eingesetzt. Historische Berichtereichen von vergifteten Brunnen bis zum Einsatz von Leichen von Seuchenopfern bei Belagerungen. Wie wirksam solche Methoden tatsächlich waren, ist allerdings umstritten

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