US-Sondergesandte Witkoff und Kushner zu Gesprächen in Moskau angekommen
Krieg gegen die Ukraine Witkoff und Kushner in Moskau - mit neuem Vorschlag im Gepäck
Stand: 05.09.2026 • 12:55 Uhr
Neuer Anlauf in den US-Vermittlungen zwischen Russland und der Ukraine: Die Sondergesandten Kushner und Witkoff sind in Moskau gelandet. Morgen geht es für Gespräche nach Kiew. Die gegenseitigen Angriffe gehen derweil weiter.
In die Verhandlungen über ein Ende des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine könnte unter Vermittlung der USA wieder Bewegung kommen. Die beiden US-Sondergesandten Steve Witkoff und Jared Kushner sind laut staatlichen russischen Nachrichtenagenturen in Moskau gelandet. Einem Insider zufolge werden sich die beiden mit dem russischen Präsidentenberater Kirill Dmitrijew treffen, berichtet die Nachrichtenagentur Reuters.
US-Präsident Donald Trump erklärte im Weißen Haus, dass Witkoff und Kushner einen Vorschlag mitbringen würden, um den Krieg zu beenden. Details nannte er allerdings nicht. "Wir haben sie dorthin geschickt, um zu prüfen, ob wir etwas erreichen können", sagte er.
Besuch in Kiew für morgen geplant
Die beiden Sondergesandten sollen dann am Sonntag nach Kiew weiterreisen, sagte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj. Es sei das erste Mal, dass die US-amerikanischen Vermittler die ukrainische Hauptstadt besuchten.
Unklar ist, wie groß die Chancen auf Erfolg sind. Der frühere ukrainische Außenminister Vadim Prystaiko ist wenig optimistisch. "Wir hätten sie hier schon früher erwartet. Doch derzeit gibt es eigentlich nicht viel zu besprechen", sagte der Politiker. "Russland hält an der Vorbedingung fest, annektierte ukrainische Gebiete als russisch anzuerkennen." Das sei für die Ukraine nicht hinnehmbar.
Prystaiko glaubt, dass Russland weiterhin auf Zeit spielt. "Die Russen könnten bereits auf die nächste US-Regierung setzen. Bis dahin müssen sie aber die jetzige bei Laune halten." Die Gespräche mit Witkoff und Kushner könnten dazu dienen.
Russische Angriffe auf Flughäfen - Tote in Region Dnipro
Derweil gehen die russischen Angriffe unvermindert weiter. Nach Angaben des ukrainischen Präsidenten wurden die Flughäfen Schuljany und Boryspil in der Hauptstadt beschossen. Selenskyj unterstellte, dass Moskau damit Unsicherheit vor der Anreise der US-Amerikaner verbreiten wolle. "Die russischen Treffer auf die Airports sind eine Reaktion auf die Diskussionen und die Vorbereitungen darauf, dass die US-Seite mit dem Flugzeug in die Ukraine kommen und am Kiewer Flughafen oder in Boryspil landen könnte", schrieb er. Die Ukraine werde ihre Drohnenangriffe zur Lähmung des russischen Flugverkehrs kommende Woche entsprechend ausrichten, drohte er.
Konfliktparteien als Quelle
Angaben der Konfliktparteien oder von Beobachtern zum Kriegsgeschehen können in der aktuellen Lage nicht unmittelbar von unabhängiger Stelle überprüft werden.
In der Ukraine ruht seit Beginn der russischen Großinvasion 2022 der zivile Flugverkehr. Für einen sicheren Flug Witkoffs nach Kiew wären ukrainische Erlaubnisse, aber auch russische Sicherheitsgarantien erforderlich.
Auch in der ostukrainischen Region Dnipro gab es einen russischen Angriff. Fünf Menschen seien bei dem Beschuss eines Stahlwerks getötet worden, teilte der Stahlproduzent Metinvest mit. Produktionsanlagen und Infrastruktur seien beschädigt worden, der gesamte Betrieb sei deshalb eingestellt worden. "Dies ist ein erneuter Angriff auf eine zivile Stahlproduktionsanlage von Metinvest und ein weiterer Beweis für Russlands systematische Angriffe auf die ukrainische Industrie", erklärt das Unternehmen. Das Stahlwerk Kamet produziere Roheisen und Stahl ausschließlich für zivile Zwecke.
Das russische Verteidigungsministerium erklärte, seine Truppen hätten zwei Betriebe angegriffen, die "wichtige Lieferanten von Metallprodukten für die ukrainische Rüstungsproduktion" seien.
Tote bei ukrainischen Angriffen in Luhansk
Russland meldete ebenfalls Angriffe, 53 ukrainische Drohnen seien abgeschossen worden. In der von Russland kontrollierten ukrainischen Region Luhansk wurden innerhalb von 24 Stunden fünf Menschen getötet, sagte Leonid Pasetschnik, der von Russland eingesetzte Gouverneur, in dem besetzten Gebiet. Fünf weitere Menschen seien verletzt worden.
Weder die ukrainischen noch die russischen Angaben zu den Opferzahlen lassen sich derzeit unabhängig überprüfen.
IAEA meldet Feuerpause rund um AKW Saporischschja
Einen Hoffnungsschimmer gibt es in der Region rund um das Atomkraftwerk Saporischschja. Während einer begrenzten lokalen Feuerpause soll die dringend benötigte Stromversorgung für das AKW wiederhergestellt werden, wie die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) in Wien bekannt gab. Das Kernkraftwerk und die Kühlsysteme der von Russland besetzten Anlage könnten innerhalb von Tagen von einem Blackout betroffen sein, warnte die IAEA auf der Plattform X. Innerhalb kurzer Zeit müsse entweder die Stromleitung repariert oder Diesel für Notstromgeneratoren geliefert werden, hieß es.
Das größte AKW Europas geriet bereits kurz nach Ausbruch des Ukraine-Kriegs unter russische Kontrolle. Die sechs Reaktoren sind abgeschaltet, doch die Anlage benötigt Strom, um das radioaktive Material zu kühlen und einen Atomunfall zu verhindern.
Die letzte verbliebene Leitung in das Kraftwerk wurde am 20. August bei Gefechten unterbrochen. Seitdem ist die Anlage auf Dieselgeneratoren angewiesen, doch der Treibstoff wird nach Angaben der IAEA knapp. Vor dem Konflikt verfügte das Kraftwerk über zehn externe Stromleitungen. IAEA-Chef Rafael Grossi kündigte an, dass die Reparaturarbeiten heute beginnen würden, nachdem Entminungsarbeiten durchgeführt worden seien. Grossi hatte zuvor bereits mehrmals begrenzte Waffenruhen für Reparaturarbeiten rund um das AKW ausgehandelt.
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