Warum die Börsen so nervös auf die US-Midterms reagieren
Nachdem sich Demokraten für strengere Auflagen beim Bau von KI-Rechenzentren ausgesprochen haben, sacken die Kurse einiger Tech-Giganten nach den Midterms ab.
05.11.2026 | 1:30 minAls "blauen Tsunami" bezeichnen viele Kommentatoren in den USA den Erdrutschsieg der Demokraten bei den Midterms am Dienstag. Eben dieser Tsunami sorgt in den Tagen nach der Wahl für ordentlich Chaos an den Börsen weltweit. Kurz nach der Wahl zogen die Märkte an. Der deutsche Leitindex Dax erreichte zwischenzeitlich einen neuen Rekord, getrieben von der Hoffnung auf einen Politikwechsel. Auch die Hoffnung auf ein Ende des Iran-Kriegs hellte die wirtschaftliche Stimmung auf.
Doch mittlerweile überwiegt die Nervosität der Märkte, vor allem aus Sorge um die US-Tech-Konzerne. Während der Dax vergleichsweise moderate Verluste verzeichnet, erlitt der US-Technologie-Index Nasdaq 100 am Donnerstag den stärksten Tagesverlust seit dem Corona-Crash im März 2020. Der Chiphersteller und KI-Riese Nvidia sackte zwischenzeitlich sogar um rund neun Prozent ab.
Die Demokraten haben bei den Kongresswahlen die Kontrolle über beide Parlamentskammern gewonnen. Die Machtverschiebung stellt beide Parteien vor Fragen.
06.11.2026 | 2:35 minDemokraten könnten KI-Ausbau bremsen
Hintergrund ist laut Jochen Stanzl, Chefmarktanalyst der Consorsbank, "die Angst vor einem KI-Ausbaustopp durch die Demokraten". Denn ebenso wie wachsende Teile der Bevölkerung stehen auch viele Demokraten KI und dem Ausbau von Rechenzentren kritisch gegenüber. Das besorgt die Investoren, die ein Ende der Rallye befürchten.
Ob diese Sorgen berechtigt sind, ist politisch hingegen fraglich. Robert Halver, Leiter der Kapitalmarktanalyse der Baader Bank, glaubt nicht, dass KI und der Bau von Rechenzentren deutlich stärker reguliert werden:
Auch die Demokraten wissen, dass gerade an Rechenzentren kein Weg vorbeiführt und dass die Chinesen alles daransetzen, Amerika bei der KI zu überflügeln.
Robert Halver, Leiter Kapitalmarktanalyse der Baader Bank
Dazu kommt, dass US-Präsident Donald Trump ein Bundesgesetz zum Ausbaustopp möglicherweise per Veto verhindern könnte.
Mit ihrer neugewonnenen Kongressmehrheit müssten die Demokraten die Republikaner zur Rechenschaft ziehen, sagt der Politikberater Julius van der Laar. Das wolle die Basis sehen.
06.11.2026 | 3:40 minMärkte werden nervöser wegen KI-Boom
Trotzdem fallen die Reaktionen an den Börsen deutlich aus, denn "die Nerven der Anleger im KI-Sektor lagen schon vor den Zwischenwahlen blank", meint Chefanalyst Stanzl. Allein die Aussicht, dass der KI-Ausbau verlangsamt werden könnte, erhöhe die Angst der Anleger, dass der Höhepunkt des KI-Booms erreicht sei.
Ein Ende der KI-Korrektur ist dabei noch nicht abzusehen
Jochen Stanzl, Chefmarktanalyst der Consorsbank
Die Börsen-Kolumnistin der Londoner "Financial Times", Katie Martin, geht noch weiter und meint: "Langsam wird es geradezu absurd." Allein, dass sich in letzter Zeit ständig die Frage nach einem Platzen der Blase stelle, sei ein Warnsignal. Dazu kämen die hohe Verschuldung der KI-Konzerne und die Unklarheit darüber, ob künftige Profite die aktuell massiven Ausgaben rechtfertigen könnten. Dass die KI-Unternehmen darüber hinaus auch noch gegenseitig ineinander investieren, nährt für sie weitere Zweifel an der Nachhaltigkeit des Booms.
Bei den Midterms in den USA hat die Demokratische Partei die Mehrheit im Repräsentantenhaus und im Senat geholt. Wie Wählerinnen und Wähler reagieren.
05.11.2026 | 1:43 minKI-Investitionen könnten sich auszahlen
Analyst Robert Halver sieht die Lage weniger brenzlig und hält die aktuelle Korrektur für notwendig, um eine Normalität in den KI-Sektor zu bringen. Er unterstreicht, dass "KI keine vage Vorstellung oder Illusion mehr ist, sondern die Realität".
Entsprechend würden auch die massiven Investitionen in die Technologie der gesamten Wirtschaft Effizienzverbesserungen bescheren und Rechenzentren gebraucht werden.
Besonnenheit für Anleger zentral
An der Börse haben insbesondere Anleger, die in Welt-ETFs investiert sind, die Kursverluste zu spüren bekommen, da die großen Technologie-Unternehmen teils einen erheblichen Teil des Portfolios ausmachen. Laut Experten sollten Anleger, die breit investiert sind und nicht einen zu großen Teil ihres Geldes in Technologie-Aktien investiert haben, besonnen bleiben.
Wie bereits bei Rücksetzern in den vergangenen Wochen und Monaten wirft auch dieses Beben die Frage auf, ob der Hype um Künstliche Intelligenz in echte Wertschöpfung und nachhaltiges Wachstum oder ein großes Platzen der Blase mündet. Sicher beantworten können das wahrscheinlich nicht mal die Chefs der KI-Pioniere OpenAI und Anthropic, geschweige denn ihre mächtigen KI-Modelle.
Politik | maybrit illner
:Wird Trump noch gefährlicher?Gäste: Die Außenpolitiker Norbert Röttgen (CDU) und Jan van Aken (Die Linke), US-General a.D. Ben Hodges, Militärexperte Frank Sauer und Souad Mekhennet, Expertin für internationale Sicherheit.
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Über dieses Thema berichtete das ZDF im heute journal am 05.11.2026 ab 21:45 Uhr.
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