Denkmalschutz: Wer sich für unser kulturelles Erbe einsetzt
Stand: 28.10.2026 • 12:04 Uhr
Nicht nur der Staat kümmert sich um Denkmalschutz. Auch Privatpersonen und Initiativen engagieren sich für den Erhalt von Kulturgütern. Das ruft Befürworter und Kritiker auf den Plan.
Von Susanne Fritz, WDR
So ein Gartenhaus haben nicht viele: 14 Meter hoch ist die Burgruine Wallrabenstein im hessischen Wörsbachtal. Das Bauwerk aus dem 14. Jahrhundert befindet sich in Privatbesitz und steht im Garten von Lauren und Dirk Liss, direkt neben ihrem Fachwerkhaus.
Das Ehepaar aus Hünstetten hat die Burg vor dem Verfall gerettet und aufwendig saniert - in Eigenleistung und mithilfe von Fördergeldern des Landes und der Deutschen Stiftung Denkmalschutz. Dafür wurden die Burgbesitzer in diesem Jahr mit dem "Deutschen Preis für Denkmalschutz" ausgezeichnet.
Lauren und Dirk Liss, Besitzer der Burg Wallrabenstein, zeigen anhand einer Rekonstruktionszeichnung von Burgenzeichner Wolfgang Braun, wie die Burganlage um 1450 ausgesehen haben könnte.
Neuer Glanz für ein Mauerhaus in Rheine
Insgesamt wurden zehn Preise vergeben. Auch der Verein "Historische Altstadt Rheine e.V." hat sich um den Denkmalschutz verdient gemacht. Er wurde für den Erhalt eines Mauerhauses aus dem 16. Jahrhundert ausgezeichnet. Darin lebten und arbeiteten Wollweber, Kleinhandwerker oder Schlachter eng zusammen, auch das Vieh war hier untergebracht. Der Verein hat über das Haus geforscht, Fördergelder eingeworben, die Restaurierung begleitet und sich überlegt, wie das Gebäude künftig genutzt werden kann.
"Unser Anliegen war, dass damit das Bild einer Stadtgeschichte kompletter wird, wenn man auch ein Haus der "kleinen Leute" mit einer 450-jährigen Geschichte präsentieren kann", sagt Vereinsmitglied Peter Rohlmann.
Bürgerschaftliches Engagement als "ideelles Fundament"
Der "Deutsche Preis für Denkmalschutz" ehrt den bürgerschaftlichen Einsatz für den Schutz, die Pflege und den dauerhaften Erhalt des deutschen Kulturerbes. Für Ulrike Wendland, Leiterin der Geschäftsstelle des "Deutschen Nationalkomitees für Denkmalschutz", das den Preis vergibt, sind die Bürger mit ihrem Engagement das "ideelle Fundament" des Denkmalschutzes in Deutschland. Schon seit dem 19. Jahrhundert bestimmten die Bürger mit, was für sie Kulturerbe ist und erhalten bleiben soll.
Deutsches Nationalkomitee für Denkmalschutz
Vergeben wird der Deutsche Preis für Denkmalschutz vom "Deutschen Nationalkomitee für Denkmalschutz". Das Gremium besteht aus Vertretern von Politik, Wirtschaft, Kirchen, kommunalen Spitzenverbänden, Medien und verschiedenen Organisationen, die sich mit Denkmalschutz befassen. Es hat die Aufgabe, den Denkmalschutz in Deutschland zu stärken.
Das Engagement der Bürger sei auch ein "extrem wichtiger Faktor" bei der Akquise von Geldern, meint die Denkmalschützerin. Geldgeber seien eher bereit zu helfen, wenn ein hohes bürgerschaftliches Engagement da sei. Zugleich steht nach Ansicht von Wendland der bürgerschaftliche Einsatz für die Akzeptanz des Denkmalschutzes in der deutschen Bevölkerung.
Es sind jedoch nur zu einem kleinen Teil Bürger, auf deren Betreiben hin potenzielle Denkmäler geprüft und schließlich ausgewiesen werden. Der größte Teil wird von Fachleuten der Landschaftsverbände oder Denkmalschutzbehörden ausgewählt. Sie untersuchen Gebäude, Gärten oder Brücken, erstellen Gutachten und sprechen fachliche Empfehlungen aus, ob ein Objekt die gesetzlichen Kriterien erfüllt. Die Kommunen, Städte oder Landkreise treffen dann die formelle Entscheidung und tragen die Objekte in die Denkmalliste ein.
Wirtschaftsfaktor und Klimaschutz
Die Ausgaben für Denkmalschutz sind schwer einzuschätzen. Ulrike Wendland meint, es sei derzeit nicht möglich, konkrete Zahlen zu nennen. Geld käme etwa von privaten Investoren, der EU, von Stiftungen und aus der Städtebauförderung. Insgesamt kämen dabei vermutlich Beträge in dreistelliger Millionenhöhe im Jahr zusammen. Zudem sei der Denkmalschutz ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. So werde beispielsweise traditionelles Handwerk beschäftigt.
Auch könnten Kompetenzen der Denkmalpflege für das moderne Bauen in Zeiten des Klimawandels genutzt werden. So zum Beispiel, wenn es um das Sanieren im Bestand gehe, meint Wendland. Dabei wird das bestehende Gebäude modernisiert, ohne es zu zerstören. Auf diese Weise sollen auch Ressourcen geschont werden. Statt neue Energie zu verbrauchen, werde die sogenannte "graue Energie" genutzt. Das ist die gesamte Energie, die für den Bau des Hauses ursprünglich verwendet wurde.
Kritik aus diversen Lagern
Trotzdem sind nicht alle vom Denkmalschutz begeistert. Immer wieder werden die Bemühungen als unzeitgemäß kritisiert - von Hauseigentümern, Investoren, aber auch Politikern.
So heißt es etwa im Koalitionsvertrag der hessischen Landesregierung zwischen CDU und SPD: "Denkmalgeschützte Gebäude sind identitätsbildendes Kulturgut. Das Denkmalschutzgesetz als Rechtsrahmen für den Erhalt dieser Gebäude ist nicht mehr zeitgemäß." Man wolle es daher "novellieren mit dem Ziel, es zu entbürokratisieren, es kommunal- und bürgerfreundlicher zu machen und die Nutzung, zum Beispiel erneuerbarer Energien, im Denkmal zu erleichtern."
Ulrike Wendland meint, es gehe in der Kritik oft um die Verwertbarkeit des Bodens. Denn in den Städten ist Baugrund wertvoll und Wohnungen sind knapp. Dort, wo ein denkmalgeschütztes Haus steht, könnten Investoren einen mehrgeschossigen neuen Gebäudekomplex errichten. Außerdem sei die denkmalgerechte Sanierung von Objekten teuer und dauere lange. Experten müssten das Objekt begutachten und Handwerker arbeiten länger auf Denkmalbaustellen. Hinzu komme, dass mit Denkmalschutz viele Auflagen verbunden seien, sagt Wendland.
Doch eines dürfe man auch nicht vergessen: Viele Bürger und Bürgerinnen schlendern gerne durch die historischen Altstädte von Bamberg, Dresden oder Zons. Und die meisten Touristen würden ohne die schön hergerichteten denkmalgeschützten Häuser ja gar nicht erst kommen.
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