Mercedes hat noch größere Probleme im chinesischen Markt
Probleme im chinesischen Markt Wie stark Mercedes im Kerngeschäft schwächelt
Stand: 28.10.2026 • 12:58 Uhr
Mercedes hat im dritten Quartal in seiner Autosparte operativ deutlich weniger verdient. Vor allem das schlechte China-Geschäft setzt dem Konzern zu. Die Strategie für den weltgrößten Automarkt will er nun überdenken.
Mercedes-Benz bekommt die Krise auf dem chinesischen Automarkt immer stärker zu spüren. Die bereinigte Umsatzrendite im Kerngeschäft, der Pkw-Sparte, sank im dritten Quartal auf 2,5 Prozent, nach 4,8 Prozent im Vorjahreszeitraum. Das teilte der Stuttgarter Autobauer heute mit. Gründe seien das rückläufige China-Geschäft und die Ausgaben für neue Produkte.
Der operative Gewinn der Autosparte fiel auf 560 Millionen Euro und damit auf weniger als die Hälfte des Vorjahreswertes. In China lieferte Mercedes zwischen Juli und September 86.800 Fahrzeuge aus. Das sind 31 Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Die Marktbedingungen seien im Laufe des Jahres "noch herausfordernder geworden, insbesondere in China", erklärte Vorstandschef Ola Källenius.
Jahresprognose gesenkt
Bereits am Dienstag hatte Mercedes-Benz angesichts der Schwierigkeiten in China seine Erwartungen für das Gesamtjahr 2026 gesenkt. Der Konzern rechnet nun mit einer bereinigten Umsatzrendite der Pkw-Sparte von zwei bis drei Prozent. Bislang hatte Mercedes drei bis fünf Prozent in Aussicht gestellt. Beim Vorsteuergewinn erwartet der Autobauer inzwischen ein Ergebnis auf Vorjahresniveau, statt einer prognostizierten Verbesserung.
"Neben dem zunehmend herausfordernden Marktumfeld in China erwartet die Mercedes-Benz Group höhere Kosten im vierten Quartal, inklusive höherer Materialkosten", hieß es vom Unternehmen. Schon bei der Vorlage der Halbjahreszahlen im Juli hatte Mercedes seine Umsatzprognose wegen der Probleme in China nach unten korrigiert. Im zweiten Quartal war der Absatz auf dem chinesischen Markt um 30 Prozent eingebrochen.
China-Strategie steht infrage
Angesichts der anhaltenden Absatzschwäche will Mercedes seine Positionierung in China überprüfen. Das Land werde als größter Automarkt der Welt eine Säule der Strategie des Premiumherstellers bleiben, sagte Källenius. Allerdings entwickle sich der Markt schlechter als erwartet, auch im Luxussegment. "Das Verhalten des Marktes war schwer zu begreifen", sagte der Konzernchef. Über die konkreten Pläne wolle Mercedes Anfang kommenden Jahres berichten.
Finanzchef Harald Wilhelm erklärte, das Unternehmen wolle unabhängiger von China als Gewinnquelle werden. Denn die deutschen Autobauer stehen in der Volksrepublik unter erheblichem Druck. Die Konsumstimmung ist weiterhin schwach. Zugleich konkurrieren Konzerne aus Europa mit chinesischen Herstellern, die Elektroautos häufig deutlich günstiger anbieten. Auch in Europa wächst die Konkurrenz aus China. Mercedes wolle ihr mit attraktiven Fahrzeugen begegnen, sagte Källenius: "Wir werden den Stier bei den Hörnern packen und unser Spiel spielen."
Elektroautos legen deutlich zu
Trotz der Probleme in China verwies Källenius auf positive Entwicklungen in anderen Märkten. So verzeichnete Mercedes nach eigenen Angaben anhaltendes Absatzwachstum in Europa und den USA. Auch die Verkäufe reiner Elektroautos entwickelten sich dort positiv.
Im dritten Quartal stieg der Absatz vollelektrischer Fahrzeuge im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 52 Prozent auf mehr als 78.000 Einheiten. "Unsere neuen Modelle kommen bei unseren Kundinnen und Kunden an", so Källenius.
Transporter und Finanzdienstleistungen stützen Ergebnis
Neben der Entwicklung neuer Modelle und einer konsequenten Kostenkontrolle helfen Mercedes auch andere Geschäftsbereiche, die Belastungen abzufedern. "Konsequente Kostendisziplin und starke Ergebnisbeiträge von Mercedes-Benz Vans und Mercedes-Benz Financial Services helfen uns, den Gegenwind abzufedern", sagte der Konzernchef.
Das Transporter-Geschäft erzielte im dritten Quartal einen operativen Gewinn von 397 Millionen Euro. Die Umsatzrendite lag bei 9,4 Prozent. Auch die Finanzdienstleistungen entwickelten sich positiv. Der operative Gewinn des Bereichs stieg auf 445 Millionen Euro.
Das Konzernergebnis hat sich so einschließlich Sonderfaktoren von Juli bis September mehr als verdoppelt auf 1,77 Milliarden Euro. Das bereinigte Konzern-Ebit, bei dem zum Beispiel der Restrukturierungsaufwand und andere Einmaleffekte nicht berücksichtigt wurden, ging dennoch um 15 Prozent auf 1,78 Milliarden Euro zurück.
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