Kanada und mehrere Eishockey-Nationen erhöhen den Druck gegen Russlands Rückkehr zu internationalen Turnieren
Der Widerstand gegen Russlands Rückkehr auf die internationale Eishockey-Bühne wächst immer mehr. Jetzt hat der kanadische Premierminister Mark Carney kategorisch ausgeschlossen, dass eine russische Eishockey-Auswahl an der U20-Weltmeisterschaft am Jahresende in Kanada teilnehmen wird.
Damit stellte sich Carney klar gegen eine Entscheidung des Internationalen Sportgerichtshofes CAS, der eine Wiederzulassung russischer Teams an Eishockey-Turnieren genehmigt hatte.
Auch aus der Wirtschaft nimmt der Druck auf den Eishockey-Weltverband IIHF massiv zu. Der tschechische Autobauer Skoda droht damit, sein Hauptsponsoring der Männer-WM 2027, die in Deutschland stattfinden soll, zurückzuziehen.

Angesichts der andauernden russischen Aggression halte man eine Rückkehr der russischen Nationalmannschaft zur WM für unvereinbar mit den Werten, die man langfristig vertrete, sagte eine Skoda-Sprecherin der tschechischen Nachrichtenagentur CTK.
Keine Visa für russische Delegation?
Solange Russland und sein Verbündeter Belarus den "illegalen und ungerechtfertigten schrecklichen Krieg" gegen die Ukraine unterstützten, würden keine ihrer Athleten für ihre Länder in Kanada antreten, sagte Carney am Rande des Gipfeltreffens der Commonwealth-Staaten.
"Wenn Sie also insbesondere nach der Junioren-WM fragen - dort werden die Russen nicht sein ", fügte der kanadische Regierungschef hinzu.
Umsetzbar wäre dies durch die Verweigerung von Visa. Zuletzt hatten die Niederlande russischen Turnerinnen die Einreise für die Weltmeisterschaften in Rotterdam verwehrt.

Kanadas Eishockey-Verband dankte der Regierung in einer Mitteilung für die starke Position, die Sportler und Offizielle aus Russland und Belarus davon abhalte, unter ihren nationalen Symbolen an internationalen Sportveranstaltungen in Kanada teilzunehmen.
Eishockey-Weltverband vertagt Entscheidung
"Die IIHF hat die jüngsten Äußerungen wichtiger Akteure zu dieser Entscheidung zur Kenntnis genommen und analysiert derzeit sorgfältig die verschiedenen Szenarien, die sich aus dem CAS-Urteil ergeben", hieß es von Seiten des Eishockey-Weltverbands (IIHF) dazu.
Die IIHF hatte nach dem weitreichenden CAS-Spruch seit Beginn der Woche getagt und will erstmal die "weiteren Entwicklungen sowie deren Auswirkungen auf die betroffenen IIHF-Weltmeisterschaften weiterhin genau beobachten".
Zunächst halte die IIHF "an ihrer Ablehnung der Entscheidung des Internationalen Sportgerichtshofs fest". Wie sie dem CAS dargelegt habe, bringe "die sofortige Wiederaufnahme russischer Teams erhebliche praktische und sportliche Herausforderungen mit sich, darunter Visa- und Einreisebestimmungen, Sicherheitsvorkehrungen, logistische Einschränkungen und Konsequenzen für die Wettbewerbsformate - all dies noch verschärft durch den begrenzten verfügbaren Zeitraum, da einige Veranstaltungen bereits in wenigen Wochen stattfinden". Die Auswirkungen des CAS-Urteils seien "erheblich unterschätzt" worden.
Nordische Länder wollen nicht gegen Russland spielen
Die Junioren-WM findet vom 26. Dezember bis zum 5. Januar 2027 in Edmonton und Red Deer in der kanadischen Provinz Alberta statt. Zu den bislang zehn Teilnehmern zählt auch die deutsche U20-Auswahl, nicht aber die russische.
Zuvor hatten nach Eishockey-Weltmeister Finnland auch Schweden, Dänemark, Norwegen und Lettland angekündigt, nicht gegen Russland anzutreten. Der tschechische Verbandspräsident befürwortete ebenfalls einen Boykott.

Die finnische Stadt Turku hatte angekündigt, nicht mehr als Mitausrichter der für den Jahreswechsel 2027/2028 angesetzten U20-WM zur Verfügung zu stehen, wenn Russland teilnehmen sollte.
Männer-WM 2027 in Deutschland geplant
Die nächste Weltmeisterschaft der A-Mannschaften ist für den 13. bis 30. Mai 2027 in Deutschland geplant. Dafür wäre Russland spielberechtigt, nachdem der Sportgerichtshof CAS einer Berufung des russischen Eishockey-Verbandes gegen den Weltverband IIHF auf Wiederzulassung stattgegeben hatte. Der Deutsche Eishockey-Bund (DEB) prüft derzeit, ob er die WM ausrichten kann und beschäftigt sich eigenen Angaben zufolge auch mit der Option, sie zurückzugeben.
Die Bundesregierung hält sich in Visafragen in Bezug auf die WM in Düsseldorf, Gelsenkirchen und Mannheim anders als Kanada bislang zurück. Sie sehe die CAS-Entscheidung "sehr kritisch" und werde sich mit dem DEB "zeitnah austauschen", hatte ein Sprecher auf SID-Anfrage mitgeteilt und auf die "restriktive Visumpolitik gegenüber Russland" verwiesen: "In Einklang mit den EU-Leitlinien werden russischen Antragstellenden Visa für kurzfristige Aufenthalte nur unter sehr engen Voraussetzungen erteilt."
Seit Ende Februar 2022 war Russland aufgrund des Angriffskrieges gegen die Ukraine vom Weltverband von allen internationalen Turnieren und Weltmeisterschaften ausgeschlossen. Wenige Tage vor Kriegsbeginn verlor Russlands Auswahl das Olympia-Finale in Peking 1:2 gegen Finnland.
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