Happy in Thailand: «Ich empfinde das Leben hier als freier»


Darum gehts
- Der 22-jährige Berner Rechtsverteidiger Yannick Nussbaum spielt in der 2. thailändischen Liga für Nakhon Si United.
- Er gewann 2021 den Schweizer U18-Meistertitel mit YB und 2026 den Titel in der 3. thailändischen Liga mit Nara United.
- Beim ersten Training bei über 30 Grad lernte er: «Heiss» hat in Thailand eine völlig andere Bedeutung.
Nach Norwegen, Thailand, den USA und England ist jetzt erneut Thailand dran. Heute stellen wir in unserer Serie (mehr dazu in der Box unten) Yannick Nussbaum vor.
Der 22-jährige Rechtsverteidiger hat zwei Titel in seiner Karriere gewonnen: den Schweizer Meistertitel der U18 mit YB im Jahr 2021 und, fünf Jahre später, den Titel in der 3. thailändischen Liga mit Nara United.
Schweizer Kicker aus aller Welt
Es gibt nicht nur Granit Xhaka, Johan Manzambi und Co.: Nein, es gibt noch viel mehr! Rund 100 ingesamt. 20 Minuten stellt in einer Serie einige Schweizer Kicker vor, die niemand kennt.
Jeder Teil besteht aus den gleichen Fragen. So entsteht ein eindrückliches und intimes Bild von jenen Kickern, die abseits der grossen Öffentlichkeit ihr Geld verdienen.
- Teil 1: Loris Mettler in Norwegen
- Teil 2: Chitchanok Xaysensourinthone in Thailand
- Teil 3: Lyam MacKinnon in den USA
Ende Juli wurde er schliesslich zu Nakhon Si United transferiert, in die zweithöchste lokale Liga, in eine Stadt ganz im Süden des Landes, fast an der malaysischen Grenze.
Ist das Gras auf den Fussballplätzen im Ausland Ihrer Erfahrung nach grüner als in der Schweiz?
Meine Auslandserfahrung hat mir gezeigt: Das Gras ist nicht unbedingt grüner, aber definitiv anders. An der Schweiz schätze ich besonders die gute Ausbildung, die Disziplin und den Ehrgeiz, die einem von klein auf vermittelt werden.
In Thailand habe ich gelernt, dass Fussball auch mit einer anderen Mentalität und Kultur funktionieren kann. Gerade diese Unterschiede machen die Erfahrung für mich so wertvoll. Man lernt, sich anzupassen, Neues zu akzeptieren und den eigenen Horizont zu erweitern.
Was haben Sie über die Fussballkultur in Thailand gelernt?
Ich würde nicht sagen, dass Fussball in Thailand einen höheren Stellenwert hat als in der Schweiz. Aber die Aufmerksamkeit und das Ansehen, das ein Club geniesst, sind hier definitiv grösser. Viele Menschen interessieren sich für den Club, unabhängig von Alter oder Geschlecht. Als Fussballer hat man deshalb auch abseits des Platzes einen anderen Status.
Gleichzeitig empfinde ich das Leben hier als freier. Man macht sich weniger Sorgen und hat mehr Raum, das Leben zu geniessen. Man lebt nicht einfach, man lebt wirklich.
Hat diese Erfahrung in Ihnen den Wunsch geweckt, nach Ihrer Karriere in Thailand zu bleiben?
Thailand ist ein wunderschönes Land, und ich fühle mich hier sehr wohl. Ob ich nach meiner Karriere hierbleiben möchte, weiss ich noch nicht. Es ist aber eine Möglichkeit, die ich mir gut vorstellen kann.

Was hat Sie in den ersten Wochen am meisten überrascht?
Ehrlich gesagt hat mich vieles überrascht: die völlig andere Kultur, die unglaubliche Freundlichkeit der Menschen und natürlich meine erste Erfahrung als Profifussballer. Es war auch das erste Mal, dass ich ganz allein lebte.
Dazu kamen die Hitze und die teilweise sehr frühen Trainingszeiten. Training um sieben Uhr morgens ist hier keine Seltenheit. Die Kommunikation ist dadurch manchmal schwieriger. Genau das ist aber das Schöne am Fussball: Auch wenn man nicht dieselbe Sprache spricht, versteht man sich auf dem Platz. Egal, woher man kommt, diese Sprache des Fussballs verstehen alle.
Muss ein Fussballer mindestens einmal im Ausland spielen, um sich sportlich und persönlich weiterzuentwickeln?
Absolut. Eine neue Kultur und einen anderen Fussballstil kennenzulernen und dabei die eigene Komfortzone zu verlassen, ist unglaublich bereichernd. Man entwickelt sich nicht nur als Fussballer weiter, sondern auch als Mensch. Man wird selbstständiger, lernt, mit neuen Situationen umzugehen, und gewinnt eine andere Perspektive auf Fussball und das Leben.
Erzählen Sie eine lustige Anekdote …
Ich werde meine erste Trainingseinheit bei dieser Hitze wohl nicht so schnell vergessen. Ich dachte, ich sei körperlich in guter Verfassung. Nach dem ersten Training bei über 30 Grad musste ich meine Meinung allerdings revidieren. Seitdem weiss ich: «Heiss» hat in Thailand eine ganz andere Bedeutung.
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Robin Carrel (rca) ist Journalist und Leiter der Sportredaktion bei 20 minutes, wo er seit 2011 tätig ist. Er arbeitet ausserdem für lematin.ch.
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