Nachfolger von Windows: Staatskanzlei Kiel stellt auf Linux um
Schleswig-Holstein geht bei der Migration der öffentlichen Verwaltung auf quelloffene Software den nächsten, symbolisch wichtigen Schritt. Die Kieler Staatskanzlei hat nach eigenen Angaben den Wechsel des Betriebssystems von Microsoft Windows auf Linux weitgehend abgeschlossen. Über 200 Beschäftigte arbeiten demnach dort mittlerweile mit dem freien Betriebssystem. Digitalisierungsminister Dirk Schrödter (CDU) gab die Umstellung am Samstag im Rahmen der 24. Kieler Open Source und Linux Tage bekannt. Dabei unterstrich er das Ziel der Landesregierung, die digitale Souveränität des Bundeslandes konsequent auszubauen.
Der Umstieg in der Regierungszentrale gilt als Pionierprojekt für die gesamte Landesverwaltung. Wo es technisch umsetzbar ist, kommt in der Staatskanzlei bereits flächendeckend Linux zum Einsatz. Ein lückenloser Wechsel sei zum jetzigen Zeitpunkt dort aber noch nicht möglich gewesen, heißt es aus Kiel. Rund 20 Arbeitsplätze würden vorerst weiterhin mit Windows betrieben. Auf diesen bestehen spezifische technische Abhängigkeiten etwa aufgrund spezialisierter Fachverfahren, für die es kurzfristig keine kompatiblen Alternativen gegeben habe. Am Beseitigen dieser verbliebenen Hürden wird laut dem Digitalressort bereits gearbeitet, um auch diese Rechner schrittweise zu migrieren.
Damit der Übergang im Arbeitsalltag reibungslos gelingt, hat das Land stark auf Schulungs- und Begleitmaßnahmen für die Beschäftigten gesetzt. Neben Informationsveranstaltungen vor Ort und im digitalen Format stellte die Verwaltung Lernvideos bereit. Sie organisierte laut einer Mitteilung ferner Fachpersonal für direkte Unterstützung an den Arbeitsplätzen und richtete interne Linux-Foren ein. Die Staatskanzlei soll bei dieser Transformation als Vorreiter fungiert. Die detaillierte Planung für das anschließende Ausrollen von Linux in den übrigen Ministerien und nachgelagerten Landesbehörden läuft derzeit auf Hochtouren.
Support über Dataport und Gonicus
Um einen reibungslosen Betrieb und die geplante Skalierung auf die gesamte Landesverwaltung abzusichern, hat das Land auch die Vergabe für den technischen Linux-Support abgeschlossen. Der öffentliche IT-Dienstleister Dataport wird dafür künftig mit dem deutschen Open-Source-Spezialisten Gonicus zusammenarbeiten. Dieser Support-Vertrag soll nicht nur die Stabilität der IT-Infrastruktur sichern, sondern auch die Basis dafür schaffen, dass Linux in größerem Maßstab flächendeckend in allen Behörden des Landes eingesetzt werden kann.
Der aktuelle Umstieg reiht sich in die umfassende Strategie für Open Source und offene Innovation Schleswig-Holsteins ein, mit der das Land Abhängigkeiten von proprietären Softwareherstellern systematisch reduzieren will. Bereits in den vergangenen Monaten tauschte die Verwaltung wesentliche Bausteine der IT-Landschaft aus. So folgte nach der Umstellung der Bürosoftware auf LibreOffice unter anderem die Migration der E-Mail-Infrastruktur von Microsoft Exchange und Outlook auf Open-Xchange sowie die Migration der Videokonferenzsysteme auf die quelloffene Lösung OpenTalk.
In den kommenden Etappen stehen weitere Komponenten des digitalen Arbeitsplatzes an. Geplant ist die vollständige Einführung der Kollaborationsplattform Nextcloud, die Nutzung des Verzeichnisdienstes Univention Nubus sowie der Wechsel der Telefonie-Infrastruktur auf die Open-Source-Lösung Oskar. Mit der schrittweisen Ablösung proprietärer Software verfolgt das Land das Ziel, die Kontrolle über die eigene digitale Infrastruktur zurückzugewinnen und langfristig Datensicherheit sowie Souveränität zu gewährleisten.
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