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Sunday, September 13, 2026

Vornamen in der Schweiz – Sag mir, wie du heisst – und ich sag dir, wer du bist

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Ein Blick auf die Klassenliste genügt und man hört den Zeitgeist. Wo früher noch Franziska, Patrick, Christian und Ruth standen, begegnen einem heute Noah, Mia, Leon oder Lea. Die Vornamen klingen anders: weicher, vokalreicher, kürzer. Namen, die fliessen, statt zu knacken.

Hinweise zur Methodik

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Die Grafiken in diesem Artikel basieren auf den Daten des Bundesamts für Statistik zu der lebenden Bevölkerung in der Schweiz 2025.

Um die Beliebtheit der Namen wiederzugeben, wurde ein Prozentsatz errechnet. Es leben beispielsweise 791 Frauen mit dem Jahrgang 1925 in der Schweiz. Davon heissen 38 Maria, was 4.8 Prozent entspricht.

Bei der Interpretation der älteren Jahrgänge ist allerdings Vorsicht geboten: Da die Auswertung ausschliesslich Personen berücksichtigt, die 2025 noch lebten, sind die älteren Jahrgänge deutlich kleiner als die jüngeren. Entsprechend sind die Ergebnisse für diese Jahrgänge weniger aussagekräftig. Verstorbene Personen werden in den Daten nicht mehr erfasst – auch wenn ihre Namen die Verteilung in der ursprünglichen Jahrgangsbevölkerung stark geprägt haben könnten.

Namen mit weniger als 0.003 Prozent Anteil an der Gesamtbevölkerung wurden ausgeblendet.

30 Jahre im Trend

«Im Trend liegen heute ein- und zweisilbige Namen mit A, E, I, L, M und N», erklärt die Sprachforscherin Simone Berchtold von der Uni Zürich. Für Eltern sei der Wohlklang bei der Namensfindung entscheidend. Gefragt sind das Sonore und Weiche – Buchstaben wie R, K, T, CH empfinde man oft als zu hart.

Was wir als wohlklingend empfinden, ändert sich im Laufe der Zeit. Denn Namenstrends verlaufen in Zyklen, ähnlich wie in der Mode. «Es gibt einen Anstieg, eine Kurve über etwa 30 bis 40 Jahre, in denen der Name beliebt ist, und dann den Abstieg», erklärt Berchtold.

Kommen Kurt und Ursula zurück?

Bedeutet das, dass auch Namen wie Ursula oder Kurt wiederkommen könnten? «Das kann natürlich sein, lässt sich aber nicht vorhersagen», so die Sprachforscherin.

Babynamen-Beraterin Andrea Horka ergänzt: «Nach 80 bis 100 Jahren kommen Namen wieder zurück – aber nicht alle.» Entscheidend sei, ob der Name ins aktuelle Klangmuster passe. Emma und Emil waren Anfang des 20. Jahrhunderts beliebt und kehren nun zurück, weil die Namen den momentanen «Wohlklang-Kriterien» entsprechen.

Spiegel der Gesellschaft

Insgesamt hat die Namensvielfalt stark zugenommen. So machten beliebte Namen der Babyboomer-Generation wie Ursula und Daniel fast 3 Prozent aller Frauen bzw. Männer ihres Jahrgangs aus. Die heutigen Trendnamen hingegen kommen kaum noch über die 1-Prozent-Marke.

Ein Name trägt Informationen in sich, zum Beispiel über Alter, Herkunft, Religionszugehörigkeit.

Auffällig ist auch der Trend zur Verniedlichung. Während man früher Theodor im Alltag «Theo» nannte, steht die Kurzform heute so im Pass. «Diese Namensformen widerspiegeln den hohen Stellenwert, den die Kindheit heute hat», so Sprachforscherin Berchtold. «Kinder werden nicht mehr als ‹kleine Erwachsene› behandelt, sondern erhalten mehr Gewicht in der Gesellschaft.»

Marke und Informationsträger

«Der Name ist wie eine Marke», sagt Andrea Horka. Entsprechend viele Gedanken stecken Eltern in die Namensfindung.

Doch sagt der Name tatsächlich etwas über den Träger oder die Trägerin aus? «Ein Name trägt Informationen in sich, zum Beispiel über das mögliche Alter, die Herkunft oder Religionszugehörigkeit», so Berchtold.

Vergleichende Balkendiagramme mit Eigenschaften für zwei Personen nebeneinander.
Legende: Die Universität Leipzig hat untersucht, welche Attribute mit gewissen Namen verbunden werden. Beispielsweise, wie alt, sympathisch oder gesellig eine Person mit dem Vornamen Florian oder Emma eingeschätzt wird. Universität Leipzig

Generell gebe der Vorname aber mehr über die Eltern preis als über das Kind: «Ich suche mir ja meinen Namen nicht aus», so Babynamen-Beraterin Horka. Die Wahl des Namens könne aber Hinweise geben, in welchem Umfeld sich die Eltern bewegen: «Namen sind Bubble-spezifisch» – was im einen Umfeld populär ist, ist im anderen out.

Stigmata werden weniger

Die Stigmatisierung von einzelnen Namen, wie Kevin oder Chantal, die als bildungsfern dargestellt wurden, nimmt jedoch ab. «Die Beispiele bleiben die gleichen. Das ist ein gutes Zeichen: Es kommen keine neuen Namen hinzu, die so stark stigmatisiert sind», sagt Andrea Horka.

Auch Sprachforscherin Simone Berchtold bestätigt diesen Eindruck. Zwar zeige die Forschung, dass fremd klingende Namen bei der Job- oder Wohnungssuche unbewusst benachteiligt werden – doch mit der steigenden Namensvielfalt verlieren solche Stigmata an Kraft: «Vorurteile haben mit einer gewissen Frequenz zu tun, damit sie sich überhaupt entwickeln können.»

Expertinnen

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Zwei Frauen nebeneinander, eine vor grauem Hintergrund und eine im Freien vor grünem Hintergrund.
Legende: Universität Bern / Babynamenconsulting.ch

Simone Berchtold Schiestl (links) ist Linguistin an den Universitäten Zürich und Bern. Sie beschäftigt sich mit Namen und deren Entwicklung und forscht unter anderem zu Familiennamen und Vornamen in der Schweiz.

Andrea Horka (rechts) ist Babynamen-Beraterin aus Zürich. Sie berät Eltern bei der Namenssuche, etwa wenn mehrere Muttersprachen berücksichtigt werden müssen oder die Suche nach dem passenden Namen ins Stocken gerät.

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