Alphabets Börsenwert stürzt um halbe Billion Dollar
Ein Achtel ihres Wertes haben Aktien des Google-Konzerns Alphabet am Donnerstag eingebüßt. Der Börsenwert des Datenkonzerns ist bei hohem Handelsvolumen um größenordnungsmäßig eine halbe Billion Dollar abgesackt. Es ist der größte Kursrutsch in der Geschichte des Unternehmens. Nicht nur gemessen am Börsenwert, sondern auch relativ: Das Minus von rund zwölfeinhalb Prozent übertrifft die Börsenkalamitäten der COVID19-Pandemie vom 16. März 2020 und sogar die Folgen der Finanzkrise mit dem Zusammenbruch Lehman Brothers' vom 29. September 2008.
Diesmal sind es nicht externe Faktoren, sondern Alphabets eigene Finanzzahlen, die die Börse verschreckt haben. Mittwochabend hat Alphabet die Zahlen für das dritte Quartal 2026 veröffentlicht. Der Umsatz ist im Jahresabstand um ein Viertel gestiegen, der Betriebsgewinn sogar um 30 Prozent; doch ist der Reingewinn um fast ein Viertel gefallen, der operative Cashflow um ein Achtel auf 42,3 Milliarden US-Dollar. Dieser Rückgang liegt insbesondere an angehäuftem Inventar, abbezahlten offenen Rechnungen und hohen Ausgaben für „other assets”, worunter sich Vorauszahlungen für langfristige Mieten sowie an Lieferanten und Dienstleister verbergen können: ein klassisches Bild für Investitionen in KI-Rechenzentren.
Dazu passen die Kosten für Anlagegüter, die sich in den 92 Tagen des dritten Quartals auf 51,3 Milliarden US-Dollar summiert haben – mehr als das Doppelte des gleichen Quartals vor einem Jahr. 51,3 Milliarden sind neun Milliarden mehr als der operative Cashflow, entsprechend negativ ist Alphabets freier Cashflow – das zweite Quartal in Folge, Tendenz steigend.
Verluste bei Aktien, steigende Zinsen
Gleichzeitig sind von Alphabet gehaltene Aktien und Anleihen im dritten Quartal um mehr als neun Milliarden US-Dollar gefallen. Zumindest ein Teil des Kursverfalls wurde realisiert, was 1,9 Milliarden US-Dollar Steuern spart, aber immer noch Verluste von an die sieben Milliarden US-Dollar bedeutet.
Parallel steigt Alphabets Zinsdienst. Im dritten Quartal 2025 zahlte der Konzern für seine Verhältnisse bescheidene 143 Millionen US-Dollar an Zinsen, im dritten Quartal 2026 schon fast das Siebenfache. Um die KI-Investitionen zu finanzieren, hat Alphabet alleine in dem Jahresviertel 29 Milliarden US-Dollar frische Schulden gemacht und neue Aktien gedruckt, deren Verkauf netto 12,4 Milliarden US-Dollar eingebracht hat – zusätzlich zu 40 Milliarden US-Dollar, die frische Aktien schon im Juni eingespielt haben.
KI-Kosten werden weiter steigen
Im laufenden Quartal wird das Management noch mehr für KI-Rechenzentren spendieren. Ein Ende der KI-Kostenflut ist also nicht in Sicht. Da verwundert es nicht, dass Anleger aussteigen und die Kurse fallen.
Zur Finanzierung plant das Management nicht nur weitere Schulden, sondern die Ausgabe noch mehr neuer Aktien. 27,6 Milliarden US-Dollar sollen sie einbringen. Und je niedriger die Kurse sind, umso mehr Aktien muss Alphabet drucken, umso geringer wird der Anteil jeder einzelnen Aktie am Konzern.
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