Tod nach Horror-Tackling: Kann der Fouler-Goalie bestraft werden?

- Der spanische Fussballprofi Jesús de Miguel (30) von CD Teneriffa ist nach einem Zusammenprall mit Goalie Jesús Owono gestorben.
- Der Stürmer erlitt gegen den FC Andorra Kopfverletzungen und musste auf dem Weg ins Spital wiederbelebt werden.
- Die Mordkommission der Nationalpolizei in Santa Cruz de Tenerife untersucht die Umstände.
- Anwalt Fabian Teichmann hält einen tragischen Spielunfall für naheliegend, sein Urteil ist aber vorläufig.
Der spanische Fussballprofi Jesús de Miguel von CD Teneriffa ist nach einem Horror-Foul und einem Herzstillstand gestorben. «Es gibt keine tröstenden Worte; nichts kann diese unermessliche Trauer lindern», teilte der Zweitligist mit. De Miguel sei im Alter von 30 Jahren um 8.00 Uhr gestorben.
Der Stürmer hatte bei einem heftigen Zusammenprall mit Goalie Jesús Owono vom FC Andorra offensichtlich Verletzungen am Kopf erlitten und sich zunächst vor Schmerzen gekrümmt. Auf dem Weg ins Krankenhaus hätten Rettungskräfte den Fussballer dann wiederbeleben müssen, hiess es in einer ersten Mitteilung zum Zustand. Zu diesem Zeitpunkt atmete de Miguel selbstständig, war aber bewusstlos.
Goalie Jesús Owono erhält viel Hass
Während die Trauer um den Fussball-Profi gross ist und der Spanier seine Partnerin María und die gemeinsame Tochter Carla, die im Juni 2025 geboren wurde, hinterlässt, stellt sich die Frage: Was passiert mit dem Goalie Jesús Owono, der Rot kassierte? Droht ihm nun auch zivilrechtlich Ungemach? Schliesslich ermittelt die Nationalpolizei in Santa Cruz de Tenerife wegen fahrlässiger Tötung.
Der Torhüter wird auf Social Media scharf kritisiert. Es kursiert auch ein Video, in dem zu sehen ist, wie Owono sich mit dem Publikum anlegte, genau in dem Moment, als De Miguel bewusstlos abtransportiert wurde. Der Tenor vieler Fans: Wie kann Owono nur?
Der Journalist Iván Álvarez berichtete derweil, dass Owono, der auch Nationaltorhüter von Äquatorialguinea ist, «von der Situation sehr betroffen ist» und dass der Goalie beabsichtige, sich zunächst privat zu entschuldigen, bevor er öffentliche Erklärungen abgebe.
«Der Fussballplatz ist kein rechtsfreier Raum»
Rechtsanwalt Fabian Teichmann erklärt gegenüber 20 Minuten, dass der Tod von Jesús de Miguel auch strafrechtlich aufgearbeitet werden kann. «Der Fussballplatz ist kein rechtsfreier Raum», sagt er. Dass sich der Zusammenprall während eines Spiels ereignete, schliesse Abklärungen nicht aus. Eine Untersuchung bedeute allerdings noch keinen Tatverdacht gegen Goalie Jesús Owono.
Für eine strafrechtliche Verantwortung reicht der tragische Ausgang allein nicht. Nach Teichmanns Einschätzung müsste geklärt werden, ob Owono bei seiner Aktion das Risiko, das zu einem Fussballspiel gehört, deutlich überschritt. Dabei komme es unter anderem darauf an, ob er eine realistische Chance hatte, den Ball zu spielen, wie kontrolliert er in den Zweikampf ging und ob er die Kollision hätte vermeiden können.
Owono wurde für die Aktion des Feldes verwiesen. Die Entscheidung des Schiedsrichters ist für Teichmann ein wichtiges Indiz, beantwortet die strafrechtliche Frage aber nicht. «Eine rote Karte allein begründet noch keine Strafbarkeit», sagt der Anwalt. Im Strafrecht gehe es darum, ob Owono eine Sorgfaltspflicht verletzte, ob die Folgen vorhersehbar und vermeidbar waren und ob gerade diese Pflichtverletzung zum Tod von de Miguel führte. Ein regelwidriges Foul und eine strafbare Handlung sind damit nicht automatisch dasselbe.
War es eine vorsätzliche Tötung?
Spanien unterscheidet bei der fahrlässigen Tötung zwischen grober und weniger grober Fahrlässigkeit. Bei grober Fahrlässigkeit sieht das Gesetz eine Freiheitsstrafe von einem bis zu vier Jahren vor, bei weniger grober Fahrlässigkeit eine Geldstrafe. Welche der beiden Kategorien überhaupt infrage kommen könnte, lässt sich anhand der bisher bekannten Informationen nicht beurteilen.
Eine wichtige Rolle dürften laut Teichmann die Videoaufnahmen und die medizinischen Befunde spielen. Die Bilder können helfen, Owonos Laufweg, seine Körperhaltung und mögliche Ausweichmöglichkeiten zu beurteilen. Ein rechtsmedizinisches Gutachten müsste klären, welche Verletzungen der Zusammenprall verursachte und wie sie mit dem späteren Tod zusammenhängen. Auch der Schiedsrichterbericht kann für die Rekonstruktion wichtig sein, bindet ein Strafgericht aber nicht.
Teichmann hält nach dem, was bislang öffentlich bekannt ist, einen tragischen Spielunfall für naheliegend. Seine Einschätzung ist ausdrücklich vorläufig: Erst die Auswertung der Bilder und die medizinischen Ergebnisse könnten eine belastbare Antwort liefern. Eine vorsätzliche Tötung erscheine angesichts der Spielsituation fernliegend, so Teichmann.
Trauerst du oder trauert jemand, den du kennst?
Hier findest du Hilfe:
Seelsorge.net, Angebot der reformierten und katholischen Kirchen
Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147
Pro Senectute, Beratung älterer Menschen in schwierigen Lebenssituationen
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Nils Hänggi (nih) ist seit 2019 bei 20 Minuten. Er ist Sportredaktor und Teil des Social Responsibility Boards. Er schreibt oft übers Thema Fussball.
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