Verdacht auf Geldwäscherei – Der wilde Westen der Schweizer Barbershops

Wie kann es sein, dass viele Barbershops so wenig Kundschaft haben und trotzdem weiter existieren? Ein Team vom Westschweizer Radio und Fernsehen (RTS) nahm zwei Salons in Lausanne unter die Lupe.
Der erste Barbershop bietet ultratiefe Preise an, zwischen 25 und 27 Franken pro Haarschnitt. Er befindet sich in einer Strasse mit bescheidenem Mietzins. Die Ergebnisse nach einer Woche Beobachtung: Drei Coiffeure waren während elf Stunden ohne Unterbrechung anwesend. Trotzdem verbrachten sie ihre Zeit wartend auf einer Terrasse vor dem Salon. Im Schnitt hatte der Barbershop weniger als zehn Kunden pro angestellter Person und Tag.
Der zweite überwachte Betrieb befindet sich in einer schönen Strasse im Zentrum von Lausanne. Der riesige Salon existiert seit 2021. Die Preise für einen Haarschnitt sind etwas höher, liegen aber im Durchschnitt. Nach einer Testwoche lautete das Ergebnis: An einem Wochentag kamen nur acht Kunden, an den anderen Tagen im Schnitt zwischen 15 und 20 Kundinnen pro Angestellte.
Die Analyse eines Experten
Damien Ojetti, Präsident des Verbands Coiffure Suisse, interpretiert die Zahlen des ersten Salons so: «Gemäss meiner Berechnung bräuchte es in dieser Konfiguration etwa 16 Kunden pro Mitarbeiter, um rentabel zu sein.» Mit nur zehn Kunden pro Mitarbeiter müsste dieser Salon jeden Tag grosse Verluste erleiden. Trotzdem ist er seit 2018 geöffnet.
Wie die RTS-Journalisten bei ihrer Recherche vorgingen:
Der zweite Barbershop ist viel schwieriger zu interpretieren. Die Ergebnisse variieren von einem Tag zum anderen. Wegen seiner Lage an einer sehr frequentierten Strasse von Lausanne hat er höhere Fixkosten und müsste auf Hochtouren laufen, um nicht Konkurs zu gehen. Mit der beobachteten Kundschaft kann dieser zweite Barbershop knapp überleben. Er existiert jedoch seit 2021.
Keiner der beiden überwachten Barbershops wollte gegenüber RTS Stellung nehmen. Namen werden hier keine genannt, weil die Testergebnisse begrenzt aussagekräftig sind und nur die offizielle Buchhaltung Unregelmässigkeiten beweisen oder diese widerlegen kann.
Aufschlussreiche Steuererklärungen
Gemäss der Steuerveranlagung des Waadtländer Steueramts deklariert der erste Barbershop, als Einzelfirma, kaum 30'000 Franken jährliches Einkommen für seinen Chef. Der zweite deklariert als GmbH einen jährlichen Verlust von 40'000 Franken. RTS hat die Veranlagungsentscheide weiterer Waadtländer Barbershops konsultiert. Das Bild ist identisch: Sie deklarieren sehr tiefe Einkommen oder sogar Verluste. Trotzdem sind Konkurse selten.
Laurent Crevoisier von der Gewerkschaft Syna Jura hat dafür eine Erklärung: Gewisse Salons kompensierten den Kundenmangel, indem sie ihre Mitarbeiter ausbeuteten. Kontrollen durch die paritätische Arbeitgeber-Gewerkschafts-Kommission seien selten. Wenn sie stattfänden, sei das Resultat meist dasselbe. «91 Prozent der Kontrollen haben Verletzungen des Gesamtarbeitsvertrags festgestellt», berichtet Crevoisier.
Die Bundespolizei warnt seit Jahren vor dem Risiko, dass Barbershops durch kriminelle Organisationen infiltriert werden. Gemäss Mélanie Lourenço, Sprecherin der Bundespolizei, nimmt die Zahl der Barbershops weiter zu. Es gebe starken Grund zur Befürchtung, dass diese Betriebe als Tarnung für illegale Aktivitäten im Zusammenhang mit der organisierten Kriminalität dienen könnten.
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Trotz des zweifelhaften Rufs mancher Barbershops landen in der Schweiz selten Fälle vor Gericht. Zwei Barbershops der Kette W* in Lausanne und in Genf sind jetzt aber Gegenstand einer Untersuchung wegen Geldwäscherei. Das berichtet das Westschweizer Radio und Fernsehen (RTS).
Dabei geht es um 156'680 Euro sowie 250'260 Franken, die im Februar 2021 am Genfer Zoll in einem Auto sichergestellt wurden. Die Polizei kam zum Schluss, dass das Geld teilweise aus Drogenhandel stammte. In Gerichtsdokumenten heisst es: «Die Gesellschaft W* Barbershop (..) wurde einzig und allein mit dem Ziel betrieben, Geld aus Drogenhandel zu waschen (…), um eine legale Herkunft der Gelder vorzutäuschen, aber auch um dieses Geld auf Schweizer Bankkonten einzahlen zu können oder um die hohen Gewinne und den Lebensstil der Beschuldigten zu rechtfertigen.»
Den Beschuldigten drohen mehrere Jahre Haft. Sie bestreiten die Vorwürfe. Für sie gilt die Unschuldsvermutung. Der Prozess dürfte noch vor Ende des Jahres stattfinden.
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