«Algen stanken sehr»: Verliert Mexiko Schweizer Feriengäste?

Ist das Ferienparadies Mexiko in Gefahr? Laut der «Financial Times» setzen der starke Peso, Sicherheitsbedenken und Algen den Badeorten zu. Am Flughafen Cancún sank die Zahl internationaler Flugpassagiere im September gegenüber dem Vorjahr um 11,8 Prozent.
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Leser Kevin verbrachte diesen Sommer zwei Wochen in Playa del Carmen. «Es stank schon sehr.» Die Marine habe täglich versucht, die Algen zu entfernen – ohne Erfolg. Weil er Tauchferien gebucht hatte und mit dem Boot hinausfuhr, traf ihn die Plage weniger stark. «Aber am Strand zu baden, war nicht sehr einladend.»
Warum gibt es in Mexiko so viele Algen – und woher kommen sie?
Die Algen stammen aus dem tropischen Atlantik, wo Sargassum (eine Gattung von Braunalgen) grosse schwimmende Ansammlungen bildet. Wind und Meeresströmungen treiben sie in die Karibik und an Mexikos Ostküste, etwa nach Cancún, Tulum und Playa del Carmen. Die Hauptsaison an diesen Badeorten dauert meist von April bis Oktober, besonders viele Algen gibt es oft zwischen Mai und August.
Wärme, Sonnenlicht und Nährstoffe fördern ihr Wachstum. Seit 2011 treten regelmässig grosse Mengen auf, die genauen Ursachen werden noch erforscht. Welche Strände betroffen sind, hängt von Strömungen, Wind und Wellen ab. Verrotten die Algen am Strand, entsteht Schwefelwasserstoff – daher der Geruch nach faulen Eiern.
«Teilweise 24 Stunden Maschinenlärm» in Playa del Carmen
Auch Leser Andy machte diesen Frühling unschöne Erfahrungen in Playa del Carmen. «Am Strand herrschte teilweise 24 Stunden Maschinenlärm, wie auf einer Baustelle.» Die Arbeiter seien mit dem Entfernen der Algenberge kaum nachgekommen. Spaziergänge und Baden seien teils unmöglich gewesen. Für Andy stimmt so das Preis-Leistungs-Verhältnis nicht mehr: «Ich habe mir bereits andere Ziele in der Karibik gesucht und auch gefunden.»
Leser Mario kam erst gerade nach Hause von seinen Ferien in Playa del Carmen und ist vom Strand enttäuscht: «Es hatte so viel Seegras im Wasser, dass das Meer braun statt blau war. Der Gestank war teilweise schlimm.»
Für Leser Frank überwiegt dagegen das Positive: Er würde immer wieder nach Mexiko reisen – «das Hotel hat den Strand täglich gereinigt und sein Bestes gegeben».
Schweizer wollen trotzdem nach Mexiko reisen
Hält das Schweizer Reisende davon ab, Mexiko-Ferien zu buchen? Bei Knecht Reisen bisher nicht. «Wir sind mit dem aktuellen Mexiko-Geschäft sehr zufrieden», sagt Mediensprecher Matthias Reimann gegenüber 20 Minuten. Der Buchungsstand liege etwas über dem Vorjahr.
Auch Tui Suisse stellt keinen Buchungseinbruch fest: «Die Hauptreisezeit für Mexiko beginnt jetzt. Die kommenden Wintermonate sind bereits gut gebucht», so Mediensprecherin Sonja Ptassek. Wie in den Vorjahren bleibe die Nachfrage hoch.
Verhaltener klingt Dertour Suisse. «Nach einem erfreulichen Jahresstart beobachteten wir in den vergangenen Wochen eine gewisse Zurückhaltung bei Neubuchungen für die kommenden Monate», sagt Sprecherin Janine Zimmerli. Das Interesse bleibe jedoch insgesamt hoch, besonders an individuellen Rundreisen.
Sind Algen ein No-go für Ferien in Mexiko?
Algen sind bei den Anbietern längst Teil der Beratung. Knecht Reisen steht im dauerhaften Austausch mit lokalen Agenturen und stützt seine Empfehlungen auf deren aktuelle Informationen. «Da sich die Situation kurzfristig verändern kann, sind langfristige Prognosen jedoch nur bedingt möglich», erklärt Reimann.
Bei Dertour Suisse sind neben Algen auch Preise und Sicherheit ein Thema. Da ihr Spezialist Dorado Latin Tours jedoch vor allem Rundreisen anbietet, verzichten Gäste wegen Algen selten ganz auf Mexiko. «Häufiger werden die Reisezeit, der Reiseverlauf oder die Hotelwahl angepasst», sagt Zimmerli.
Beschwerden wegen Algen habe Dertour Suisse dieses Jahr keine erhalten – laut Zimmerli auch dank frühzeitiger Information: «Wir sprechen das mögliche Algenaufkommen bereits im Beratungsgespräch an und weisen auch in unseren Offerten, Reiseunterlagen und Informationsdokumenten darauf hin.» Tui Suisse informiert im Beratungsgespräch und auf der Website ebenfalls über mögliche Beeinträchtigungen.
Strand voller Algen – bekomme ich Geld zurück?
Es kommt immer auf die Umstände an. «Aber grundsätzlich ist eine Algenplage ein Naturereignis, das zu keiner Rückerstattung berechtigt», erklärt Walter Kunz, Ombudsman der Schweizer Reisebranche. «Wenn aber bekannt ist, dass jedes Jahr an gewissen Stränden eine Algenplage wiederkehrend ist, dann erachten wir es als Pflicht, die Kunden während der Buchung darüber zu informieren.»
Auch die Europäische Reiseversicherung ERV zahlt bei einem Hotelstrand voller Algen oder Baggerlärm durch die Reinigung nicht: «Da es sich hier um keine versicherten Ereignisse handelt, übernimmt die ERV keine Kosten», sagt Sprecherin Alexandra Muheim.
Algen sorgen nicht immer für unschöne Überraschungen – dafür die Preise
Wie unterschiedlich Ferien an derselben Küste ausfallen können, zeigt die Reise von Leser Simon. Er übernachtete im Juni an der Playa Mujeres bei Cancún und hatte sich vorab zur Algenlage informiert. Tatsächlich habe es kaum Algen gegeben, Baden sei problemlos möglich gewesen.
Überrascht haben ihn dafür die hohen Preise, selbst an Souvenirständen. Leser Stefan findet die Preise sogar «definitiv teurer als in der Schweiz». Und Leser Frank zahlte «für einen Burger mit Pommes, Getränk und Trinkgeld fast 50 US-Dollar am Flughafen».
Auch Leser Mario war negativ überrascht von den happigen Preisen. «Für eine Kugel Glace im Cornet bezahlten wir zehn Franken.» Ob er nochmals nach Mexiko reisen würde, sei fraglich. «Unsere Erwartungen an die Strände und das Preis-Leistungs-Verhältnis wurden nicht erfüllt.»
Mexiko ist mehr als die Riviera Maya
Bei der Sicherheit zeichnen die Leserberichte ein weniger düsteres Bild: Simon und Kevin fühlten sich grundsätzlich sicher. Dertour Suisse betont, dass sich die Sicherheitslage je nach Region deutlich unterscheide. Entsprechend wichtig sei die Wahl der Reiseroute.
Diese Alternativen in Mexiko empfehlen die Reiseveranstalter
Knecht Reisen: Für Badeferien die Küste wechseln
Je nach Jahreszeit empfiehlt der Anbieter die Pazifikküste als Alternative zur algenbelasteten Karibikseite. «Als Badedestinationen eignen sich etwa Los Cabos auf der Halbinsel Baja California, Puerto Vallarta, Acapulco und Puerto Escondido», so Reimann.
Dertour Suisse: Den Strand zum Abschluss nehmen
«Eine Rundreise rückt Mexikos Kultur, Geschichte, Natur und Küche in den Mittelpunkt», sagt Zimmerli. Viele Gäste entscheiden sich laut Dertour Suisse für diese Reiseform und hängen einige Strandtage an.
Leser Peter reiste mit Kindern im Vorschulalter rund drei Monate durch verschiedene Bundesstaaten. Für ihn ist es «unmöglich, alles über einen Kamm zu scheren». Er empfiehlt Mexiko unbedingt weiter. Die touristische und teure Riviera Maya würde er allerdings eher auslassen: «Es gibt authentischere und gemütlichere Orte.»
Wären Algen am Strand ein Dealbreaker für dich beim Ferienbuchen? Verrat uns deine Meinung in den Kommentaren.
Laura Zygmunt (lmz) arbeitet seit 2022 für 20 Minuten. Sie ist Redaktorin im Ressort Lifestyle und schreibt über die Welt des Reisens.
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