Daily MaverickRESET AGENDA: Bad news for Mkhwanazi’s naysayers as Cachalia backs him to head HawksESPN DeportesCristiano Ronaldo metió tres goles en 15 minutos con Al-Nassr y se acerca a los 1000The Jerusalem PostMajority of opposition voters back Eisenkot-led government with Arab party Ra'am - pollESPN🏀 The 100 best players in men's college basketball right nowZDF heuteEntdecken Sie das ZDF-NachrichtenstudioSRF NewsKriegsmaterialgesetz – SP reicht Beschwerde gegen Abstimmungsbüchlein einABC News'Star Trek,' 'X-Men' star Patrick Stewart dies at 86Straits Times SportGermany’s Alexander Zverev becomes tennis world No. 1Aitnewsمعضلة أنثروبيك المالية.. نمو بلا توقف أو خسائر فادحةDeadlineAmazon Shares Fall After Q3 Results Miss Wall Street Forecasts As Big Tech Market Rout ContinuesRai NewsTG2 Post del 29/10/2026BBC News BrasilÍcone de 'X-Men' e 'Star Trek', ator Patrick Stewart morre aos 86 anos
The Daily Newsstand · Free, Always
Thursday, October 29, 2026

Eralps „Spiegel“-Interview: Ein Offenbarungseid – und eine Chance

Translate
Barbara Junge

Eralps Kommunikationspanne mit dem „Spiegel“ ist ein peinlicher Fauxpas. Jetzt muss sie die Gelegenheit nutzen, Hamas-nahen Kräften den Kampf anzusagen.

K eine Angst!, will man Elif Eralp zurufen. Keine Angst, Befürchtungen um die persönliche Sicherheit auszusprechen. Keine Angst, Hamas-unterstützende Strukturen in Berlin zu benennen. Keine Angst, entschiedene Politik gegen Antisemitismus und Hamas-Sympathisanten zur Maxime des Regierens zu machen. Keine Angst, nach einem Fehler weiterzumachen. Keine Angst, dem Einfluss des Nahostkonflikts auf die Berliner Politik endlich Einhalt zu gebieten.

Die Furcht einer potenziellen künftigen Regierenden Bürgermeisterin der Hauptstadt vor einem Hamas-Freund oder der Hamas-nahen Szene ist beileibe keine Bagatelle. Wenn Eralp in einer (vom Spiegel gegen ihren Willen veröffentlichten) internen Anmerkung schreibt, die Erwähnung von Ibrahim Ibrahim bringe sie und ihre Familie in Gefahr, dann drückt sie damit unfreiwillig öffentlich aus, was auch viele andere in der Stadt spüren: Diese Szene ist zu einer informellen Kraft in Berlin geworden und diskreditiert zugleich die Solidarität mit Palästina, mit den Pa­läs­ti­nen­se­r*in­nen und jene, die sich für ein friedliches Nebeneinander einsetzen.

Niemand sollte Angst haben müssen, dies auszusprechen.

Das Logo der taz: Weißer Schriftzung t a z und weiße Tatze auf rotem Grund.

Als Politikerin indes, die möglicherweise bald für die Sicherheit in der Stadt Verantwortung trägt, sollte Elif Eralp ein solcher Fauxpas nicht passieren. Dieser Umgang mit interner Kommunikation ist nicht nur unprofessionell. Die Handhabung und das Bekenntnis sind zusammengenommen ein politischer Offenbarungseid. Zu Recht stellt sich die Frage, wie diese Frau, die selbst Furcht vor jenen Strukturen hat, als Bürgermeisterin unerschrocken gegen dieselben vorgehen soll. Die Berliner Linke schafft es ja nicht einmal, parteiinterne rote Linien auch als solche zu handhaben.

Und nun? Es bleibt nur die Flucht nach vorne. „Keine Angst“, dichtet der Sänger Danger Dan. „Steh auf, wenn Du am Boden liegst“, singt die Band Die Toten Hosen. Wenn es jemandem zuzutrauen ist, nach solch einem Fehler wieder aufzustehen, dann wohl der kämpferischen Elif Eralp, die im Wahlkampf ein so gutes Gespür für das politische Momentum hatte.

Sie muss allerdings – und hat jetzt die Chance –, sie muss schnell dazulernen und diesen Strukturen auch gegen den Widerstand aus Teilen ihrer eigenen Partei angstfrei und überzeugend den Kampf ansagen. Selbst wenn es sie Zustimmung bei ihrer Wäh­le­r*in­nen­schaft kostet.

Es geht schließlich um Größeres als nur um ein politisches Amt. Jetzt muss sich zeigen, ob sich eine moderne, aufgeklärte Linke von autoritären Kräften einschüchtern lässt. Elif Eralp sollte nicht bereit sein, eine rot-grün-rote Koalition und eine soziale Politik in Berlin am Nahostkonflikt scheitern zu lassen.

Barbara Junge Chefredakteurin

taz-Chefredakteurin, Initiatorin der taz-Klima-Offensive und des taz Klimahubs. Ehemals US-Korrespondentin des Tagesspiegel in Washington.

View the original on taz →

KioskNews shows a cleaned-up reading view extracted from the publisher’s page — the original always lives on their site, not ours.