Zwei Vorschläge des Bundesrats – Frühfranzösisch-Pflicht: So reagieren Verbände und Parteien

- Der Bundesrat will im Sprachengesetz festschreiben, dass eine zweite Landessprache bereits in der Primarschule unterrichtet werden muss.
- Heute Montag endet die Vernehmlassungsfrist für Parteien und Organisationen zu den beiden Vorschlägen des Bundesrates.
- SVP und FDP lehnen beide Vorschläge ab. SP, Mitte sowie der Lehrpersonenverband sind für den abgeschwächten und die Grünen für den strikten Vorschlag.
In beiden Vorschlägen verlangt der Bundesrat, dass eine zweite Landessprache bereits in der Primarschule unterrichtet werden muss. Damit wäre der frühe Französischunterricht quasi gesetzlich festgeschrieben. Der Bundesrat reagiert damit auf Bestrebungen in verschiedenen Deutschschweizer Kantonen, das Frühfranzösisch abzuschaffen. In einigen davon hat das Parlament dies schon beschlossen.
Der erste Vorschlag sieht vor, dass eine zweite Landessprache spätestens ab der dritten und Englisch spätestens ab der fünften Primarschulstufe unterrichtet werden soll. So handhaben es viele Kantone bereits heute gemäss einer Abmachung. Die zweite Variante gäbe den Kantonen mehr Spielraum in der Umsetzung. Sie wären dann lediglich verpflichtet, mit dem Unterricht einer zweiten Landessprache in der Primarschule zu beginnen.
Bürgerlich-Rechts dagegen, Mitte-Links dafür
SVP und FDP lehnen beide Varianten ab. Die Bildungshoheit liege bei den Kantonen, sagt FDP-Nationalrätin Bettina Balmer. «Ich glaube, dass wir uns jetzt primär einmal auf die Muttersprache konzentrieren müssen und nicht zwingend in allen Kantonen bereits in der Primarschule eine Zweitsprache einführen müssen.» Eine Fremdsprache früher zu lernen, sei nicht immer besser.
Dem widerspricht Grünen-Nationalrätin Katharina Prelicz-Huber. «Je früher man mit den Kindern beginnt, je spielerischer können sie auch Sprachen lernen. Also nehmen wir doch das auch ernst.» Die Grünen sprechen sich für die erste, striktere Variante aus.
Lehrpersonen-Dachverband für abgeschwächte Variante
Für die zweite Variante, die den Kantonen mehr Spielraum lässt, sprechen sich dagegen SP und Mitte aus. Auch der Dachverband der Lehrerinnen und Lehrer Schweiz bevorzugt diesen Weg, wie deren Leiter Pädagogik Beat Schwendimann sagt.
Einige kantonale Lehrpersonenverbände würden sich zwar einen späteren Französischunterricht erst ab der Oberstufe wünschen. Eine solche Variante habe der Bundesrat jedoch nicht angeboten. «Deswegen haben wir als Dachverband, als staatspolitischen Kompromiss uns für Variante zwei entschieden.» Diese gehe nicht ganz so weit, wie von manchen unseren Kantonalsektionen gewünscht, aber gebe den Kantonen mehr Spielraum, um den Fremdsprachenunterricht umzusetzen, so Schwendimann.
Mit seinem Vorschlag für diese Gesetzesanpassung will der Bundesrat auch Druck auf die Deutschschweizer Kantone machen. Er würde die geplante Änderung des Sprachengesetzes abbrechen, sollten die Kantone von ihren Plänen absehen, das Frühfranzösisch abzuschaffen.
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