Gen Z regelt Berlin: Eine Bewegung formiert sich

In Berlin werden tausende Schüler:innen zum Gen-Z-Protest erwartet. Eine neu gegründete Initiative trifft dabei auf bestehende linksradikale Strukturen.
Foto: Stefan Bones/Ipon
Organisierung, Blockaden, Demonstrationen: Unter Berliner Jugendlichen regt sich seit einiger Zeit Widerstand gegen die deutsche Politik. Nach ersten Blockaden an verschiedenen Gymnasien will die Generation Z – Jugendliche und junge Erwachsene zwischen 14 und 30 Jahren – ihren Frust am kommenden Samstag auf die Straßen tragen.
Aufgerufen hat die neu gegründete Initiative Gen Z regelt zum Protest um 14 Uhr vor das Brandenburger Tor. Laut der Website haben sich bislang mehr als 8.000 Menschen dafür angemeldet. Berlin ist dabei nur eine von bundesweit mehr als 20 Städten, in denen junge Menschen an diesem Tag gegen Bildungskürzungen, Sozialabbau und die Wehrpflicht protestieren wollen.
Gen Z regelt ist eine bundesweite Initiative aus Einzelpersonen, die sich erst jüngst über soziale Medien zusammengefunden haben – sie trifft aber auf bestehende Strukturen vor allem aus dem linksradikalen, antiimperialistischen Spektrum, denen es in jüngerer Vergangenheit am ehesten gelang, junge Aktivist:innen anzuwerben. Es sind Gruppen wie Sozialismus von unten, Kommunistischer Aufbau oder Young Struggle, die sich schon seit Monaten die Proteste gegen die Wehrpflicht vorantreiben.
Noch aber ist kaum auszumachen, wer am Samstag das Heft des Handelns in der Hand haben wird. Denn während die linken Polit-Gruppen die Mobilisierung pushen – oftmals mit Posts, die auch von den offiziellen Kanälen von Gen Z regelt verbreitet werden –, erklärte am Montag ihr erster offizieller Sprecher, der Berliner Influencer Gianni Matheja, seinen Rückzug. In einem Statement begründete er dies damit, dass „unterschiedliche Gruppen“ unter dem Label zusammenkämen: „Einen gemeinsamen friedlichen Rahmen sehe ich unter diesen Umständen nicht mehr ausreichend abgesichert“, so Matheja.
Angemeldet für 10.000 Teilnehmer
Verwirrung gibt es auch bei der Polizei. Nachdem es zunächst gar keine Anmeldung für den Protest gegeben hatte, wurde eine erste Anmeldung zurückgezogen. Seit Dienstag aber ist wieder eine Kundgebung von Gen Z regelt angezeigt, so eine Polizeisprecherin zur taz. Unter dem Motto „Mehr Geld für Klima, Schulen, bezahlbares Leben für alle“ sind 10.000 Teilnehmer:innen angekündigt. Die Polizei spricht von Aufrufen „aus dem linken politischen Spektrum“, sagt aber auch: „Belastbare Erkenntnisse über gezielte extremistische Einflussnahme oder Steuerung der Gruppierung liegen uns derzeit nicht vor.“ Man werde mit etwa 1.000 Einsatzkräften vor Ort sein.
Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) in Berlin sprach gar schon von einer „Großdemolage“. Ihr Landeschef Stephan Weh warnte: „Wir müssen höllisch aufpassen, dass radikale Kräfte demokratischen Protest nicht wie in Frankreich für sich vereinnahmen, dafür nutzen, Gewaltfantasien auszuleben, die Versammlungsfreiheit zu missbrauchen und das Narrativ einer bürgerfeindlichen Polizei zu füttern.“ Ungünstig sei zudem der Termin, der auf die Halloweennacht falle, in der „auf unseren Straßen eh gern mit Pyrotechnik hantiert wird“.
Wie sich die Bewegung formt, ist seit wenigen Wochen zu beobachten. Die taz war dabei, als Mitte Oktober etwa 150 Schüler:innen und Studis im Konferenzraum des Redaktionsgebäudes der Jungen Welt zusammenkamen – zwei Tage nach der ersten Schulblockade in Berlin am französischen Gymnasium in Tiergarten.
Zu dem Treffen eingeladen hatten Gen Z regelt und die Neuköllner Jugendorganisation der Linkspartei nur wenige Stunden vorher auf Instagram. Eigentlich traf sich an diesem Abend die Initiative Schulstreik gegen die Wehrpflicht, die seit Dezember vergangenen Jahres vier Protesttage organisiert hat. Doch auf dem Podium hing dann eine Flagge mit der Aufschrift „GenZ regelt das – Berlin.“ Eine Schülerin aus Paris erklärte den Anwesenden, wie Schulblockaden ablaufen. Durch die Reihen gingen Flyer mit der Aufschrift „Der Funke aus Frankreich ist übergesprungen“, mit einer Schritt-für-Schritt-Erklärung für den Aufbau von Schulblockaden.
Zwei Tage später, am 16. Oktober, starteten die Berliner Jugendlichen eine weite Blockade am Andreas-Gymnasium in Friedrichshain. Zwischen 100 und 200 Schüler:innen sowie Unterstützer:innen aus linken Organisationen verbarrikadieren die Eingänge des Gebäudes von 7 Uhr morgens bis 13 Uhr. Neben Transparenten mit Aufschriften wie „Merz leck Eier“ war auch die Gen-Z-Fahne mit dem orangefarbenen Eichhörnchen zu sehen.
Noch ist unklar, welchen Charakter die Proteste am Samstag annehmen werden und wie viele bislang nicht politisierte oder organisierte Jugendliche sich daran beteiligen werden. Doch die Angst vor Gewalt ist vor allem Stimmungsmache. Auch wenn linksradikale Gruppen die Sehnsucht nach allem treibt, was nach Revolte klingt, blieben Randale bei Schülerprotesten bislang aus. Die Schulstreiks gegen die Wehrpflicht verliefen allesamt friedlich. Gen Z regelt will, dass das so bleibt. Auf der Website heißt es: „Unser Protest ist friedlich, ohne Ausnahme. Gewalt gegen Menschen oder Sachen widerspricht allem, wofür wir stehen.“
Jugendproteste am 31. Oktober Wer ist „Gen Z regelt“ und was wollen sie?
Die Initiative ruft bundesweit zu Demos auf. Obwohl sie Gewalt ausschließt, werden Verbote gefordert. Grüne Jugend und Linksjugend solidarisieren sich.
Von Amira Klute, Malte Steinmüller und Erik Peter
„Gen Z regelt“-Proteste Der Gesellschaft geben, was sie hören will
Kommentar von Amira Klute
„Gen Z regelt“ ruft zu deutschlandweiten Protesten auf. Gewalt lehnt die Organisation dabei ab. Das stützt zwar die herrschende Macht – ist aber taktisch klug.
Proteste von Schüler:innen Der Schulklassen-Kampf
Deutsche und französische Schüler:innen demonstrieren in Solidarität mit den französischen Protesten. Im November ist ein europäischer Aktionstag geplant.
Von Gabrielle Meton
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