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Saturday, October 10, 2026

Hinrichtung im Livestream? Darüber streiten die USA

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US-Präsident Trump hat die Hinrichtung des Fort-Hood-Amokläufers Nidal Hasan genehmigt. Der frühere Militärpsychiater hatte 2009 in Texas 13 Menschen getötet und Dutzende weitere verletzt.

06.10.2026 | 0:30 min

Wenige Tage nach der gescheiterten Hinrichtung der zum Tode verurteilten Christa Pike sorgt die Todesstrafe in den USA bereits für die nächste Kontroverse. Auslöser ist die Ankündigung von US-Verteidigungsminister Pete Hegseth, die Hinrichtung des Fort-Hood-Attentäters Nidal Hasan am 3. Dezember öffentlich - möglicherweise sogar per Livestream - zu zeigen.

US-Präsident Donald Trump entzog sich der Verantwortung. Er habe die Militärhinrichtung genehmigt, sei aber nicht an der Entscheidung für einen Livestream beteiligt gewesen, sagte er am Freitagabend. Trump fügte hinzu: "Ich nehme an, sie wollen, dass es als Beispiel dient, und das kann ich sehr gut nachvollziehen." Auch Vizepräsident JD Vance distanzierte sich. Er erklärte: "Wenn es live übertragen wird, werde ich es mir nicht anschauen."

US-Kongress zieht Vergleich zu Methoden repressiver Regime

Widerstand gegen die Pläne kommt aus beiden Parteien. Der demokratische Senator Chris Murphy zeigte sich im US-Sender CNN entsetzt:

Das ist widerlich. Was ahmt er (Pete Hegseth) nach? Hinrichtungen durch den Islamischen Staat?

Chris Murphy, demokratischer Senator

"Öffentliche Hinrichtungen sind mittelalterlich." Sie gehörten zu den Praktiken, die die USA sonst an Terrorgruppen verurteilten, argumentierte Murphy.

Christa Pike sollte am 30. September im US-Bundesstaat Tennessee hingerichtet werden. Die Verabreichung des tödlichen Mittels führte allerdings nicht zum Tod - sie überlebte zwei Giftspritzen.

01.10.2026 | 1:28 min

Doch auch unter Republikanern stößt die Idee auf Skepsis. Der Kongressabgeordnete Austin Scott sagte, er unterstütze zwar Hasans Hinrichtung, aber eine Live-Übertragung erinnere an das Vorgehen der Terrororganisation Islamischer Staat. Und auch der Trump-kritische Senator Thom Tillis erklärte, dies sei etwas, "was unterdrückerische Diktaturen wie Iran oder Afghanistan machen".

Amerika ist besser als das.

Austin Scott, republikanischer Kongressabgeordneter

UN-Menschenrechtskommissar: grausamer und unmenschlicher Völkerrechtsverstoß

Auch international stößt das Vorhaben auf Ablehnung. UN-Menschenrechtskommissar Volker Türk erklärte, eine öffentliche Hinrichtung sei eine grausame, unmenschliche, erniedrigende Behandlung und verstoße gegen das Verbot von Folter.

Mit einer öffentlichen Hinrichtung würden sich die USA einer Praxis annähern, die heute weltweit fast ausschließlich in autoritär regierten Staaten vorkommt. Im vergangenen Jahr gab es laut Amnesty International weltweit nur 17 dokumentierte öffentliche Exekutionen, alle in Afghanistan und Iran. In den USA fand die letzte öffentliche Hinrichtung 1936 statt.

Eine gescheiterte Hinrichtung im US-Bundesstaat Tennessee hat eine neue Debatte über die Todesstrafe ausgelöst.

02.10.2026 | 1:37 min

Hasan kann das Todesurteil anfechten

Obwohl die Militärjustiz und der US-Präsident die Todesstrafe bestätigt haben, steht Hasan das verfassungsmäßige Recht zu, das Urteil über eine Habeas-Corpus-Petition vor zivilen US-Bundesgerichten anzufechten. Damit könnte er einen gerichtlichen Vollstreckungsaufschub erreichen, da verfassungsrechtliche Einwände gegen das Verfahren oder die geplante Live-Übertragung bis hin zum Supreme Court geprüft werden können.

Dass dieser Klageweg Exekutionen über viele Jahre blockieren kann, zeigt der Fall des Militär-Todeskandidaten Ronald Gray, dessen Hinrichtung bereits 2008 von Präsident George Bush gebilligt wurde und bis heute aussteht.

In Tennessee soll keine weitere Hinrichtung in diesem Jahr vollzogen werden. USA-Korrespondent David Sauer erklärt bei ZDFheute live, wie auf den Fall entlang der Parteilinien geblickt wird.

02.10.2026 | 12:17 min

Jura-Professorin: Live-Übertragung ist Chance für mehr Transparenz

Die Rechtswissenschaftlerin Deborah Denno von der Fordham University gehört zu den wenigen Stimmen, die einer möglichen Live-Übertragung etwas abgewinnen können. Die Expertin für Hinrichtungsmethoden argumentiert, die Übertragung könne ein Maß an Transparenz schaffen, das es nie zuvor gegeben habe.

Mehr als die Hälfte der Amerikaner unterstütze weiterhin die Todesstrafe. Und wer diese befürworte, sollte sich auch mit der praktischen Umsetzung auseinandersetzen, so Denno.

Ich glaube, dass das womöglich eine gute Idee sein könnte, weil es transparent wäre und sich die Öffentlichkeit voll und ganz dessen bewusst wäre, dass es passiert.

Deborah Denno, Expertin für Hinrichtungsmethoden, Fordham University

Denno verwies außerdem darauf, dass eine Altersbeschränkung für Zuschauer der Hinrichtung diskutiert werden müsse.

Nach der gescheiterten Hinrichtung von Christa Pike würden ihre Anwälte nach Gründen suchen, die Exekution kein weiteres Mal durchzuführen, erklärt Jurist Jürgen Rodegra bei ZDFheute live.

02.10.2026 | 14:28 min

Öffentliche Meinung zu Todesstrafe gespalten

Auch unter den US-Bürgern ist die Todesstrafe kontrovers. Umfragen des Meinungsforschungsinstituts Gallup zufolge befürworten 52 Prozent der Amerikaner die Todesstrafe für wegen Mordes verurteilte Täter. 39 Prozent halten sie für moralisch nicht vertretbar. Eine Umfrage des Pew Research Center kam zuletzt auf 66 Prozent Zustimmung.

Gleichzeitig äußern 59 Prozent Zweifel an einer abschreckenden Wirkung, und fast drei Viertel befürchten, dass Unschuldige hingerichtet werden könnten. Als Pew im April 2001 nach der TV-Übertragung einer Hinrichtung fragte, lehnten dies 73 Prozent der Befragten ab.

Ob die Hinrichtung Nidal Hasans tatsächlich am 3. Dezember per Livestream übertragen wird, ist noch offen. Die Debatte darüber offenbart jedoch, wie tief die USA in der Frage der Todesstrafe gespalten sind und wie schwer sich die Grenze zwischen Transparenz und öffentlicher Inszenierung staatlicher Gewalt ziehen lässt.

Anne Sophie Feil ist Reporterin im ZDF-Studio Washington, D.C.

Quelle: Mit Material von AFP, AP, dpa und Reuters

Über dieses Thema berichtete ZDFheute Xpress am 06.10.2026 um 11:50 Uhr.

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