Unter Druck, nicht zerbrochen: Die US-Beziehung zu Israel
Im Juni 2026 kommt es zu einem ungewöhnlich offenen Moment zwischen zwei Männern, die eigentlich als politische Verbündete gelten.
US-Präsident Donald Trump macht Israels Premier Benjamin Netanjahu klar, dass Israel seinen Kurs gegenüber Iran nicht allein bestimmen kann. Während Jerusalem den Druck auf Teheran nämlich aufrechterhalten will, setzt Trump auf Verhandlungen.
Der US-Präsident sagt der "Financial Times":
Ich gebe die Richtung vor. Nicht Netanjahu.
Donald Trump, US-Präsident
Noch vor wenigen Jahren wäre eine solche öffentliche Machtdemonstration kaum vorstellbar gewesen. Doch nicht erst seit dem Iran-Krieg, sondern seit dem Angriff der Hamas auf Israel und dem Krieg in Gaza ist eine Partnerschaft belastet, die lange als unerschütterlich galt.
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Warum die Unterstützung für Israel bröckelt
In Washington wächst die Kritik an Israels Vorgehen im Gazastreifen. Und auch in der Bevölkerung bröckelt die Unterstützung vor allem bei jüngeren Amerikanern. Der Nahost-Experte Aaron David Miller erklärt im Gespräch mit ZDFheute:
Israel ist in den Augen vieler US-Amerikaner vom David zum Goliath geworden.
Aaron David Miller, Nahost-Experte
Lange habe Israel in den USA als kleine Demokratie gegolten, die sich gegen feindliche Nachbarn verteidigen muss. Der Krieg in Gaza habe dieses Bild für viele Amerikaner verändert. Und in Washington werde Israels Politik vor allem unter den Demokraten kontrovers diskutiert.
Trump soll Israels Einschätzung zu Iran intern kritisiert haben, so USA-Korrespondentin Heike Slansky. Ein schneller Sieg sei ausgeblieben und Iran bestimme weiter die Verhandlungen.
28.07.2026 | 9:42 minNach Einschätzung des Experten, der zwischen 1978 und 2003 im US-Außenministerium als Analyst und Berater republikanischer und demokratischer Außenminister arbeitete, stehen heute drei Säulen der Beziehung unter Druck:
- die öffentliche Unterstützung für Israel
- der parteiübergreifende Rückhalt in Washington
- die traditionell israelfreundliche Haltung amerikanischer Präsidenten
Die Unterstützung für Israel sei damit stärker politisiert als früher. Zwar gibt es weiterhin Rückhalt in beiden Parteien. Doch die Lager driften auseinander, und die Debatte über Israels Kurs wird schärfer geführt als noch vor wenigen Jahren.
Im von Israel kontrollierten Gebiet Richtung Gaza-Stadt steht kein Haus mehr – unter den Trümmern bleiben nur einige enge Hamas-Tunnel zurück. Mit der israelischen Armee unterwegs in Gaza.
24.09.2026 | 4:33 minWarum die Beziehung dennoch nicht zerbrochen ist
"Die Beziehung steht unter größerem Stress, als ich ihn jemals erlebt habe", betont Miller. Doch wer darin bereits einen Bruch sieht, übersehe einen entscheidenden Punkt.
Trotz wachsender Spannungen bleiben die USA Israels wichtigster Verbündeter.
Aaron David Miller, Nahost-Experte
Auch militärisch. Washington liefert Waffen, unterstützt Israel auf internationaler Bühne und arbeitet eng mit den israelischen Geheimdiensten zusammen. Diese Zusammenarbeit sei "äußerst robust", so Miller.
Gerade im Sicherheitsbereich seien die Verbindungen enger als viele Kritiker wahrnehmen, bilanziert Miller, der ein Vierteljahrhundert im US-Außenministerium an Lösungen für den Nahostkonflikt arbeitete.
In Washington trifft US-Präsident Donald Trump heute Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu. Und "es gibt Spannungen", so ZDF-Korrespondent Elmar Theveßen.
28.07.2026 | 3:15 minUnd auch beim Thema Iran verfolgten beide Staaten trotz Meinungsverschiedenheiten im Kern dasselbe Ziel: Iran einzudämmen und seine nuklearen Ambitionen zu begrenzen. Für viele Entscheidungsträger in D.C. bleibe Israel deshalb ein unverzichtbarer Partner im Nahen Osten.
Und so steht die Beziehung zwischen den USA und Israel zwar unter erheblichem Druck, doch ihr Fundament trägt bislang weiter. Oder, wie Miller es formuliert: "Sie ist noch nicht zerbrochen".
Katharina Schuster ist Korrespondentin im ZDF-Studio in Washington D.C.
Über dieses Thema berichtete das gemeinsame Morgenmagazin von ARD und ZDF am 07.10.2026 ab 05:30 Uhr.
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