TV-Skandal in Dänemark: Komiker erlebt reale Variante der „Truman-Show“

Vier Monate lang glaubte der Komiker Rasmus Wallbridge, sein Traum vom eigenen Film würde wahr. Aber alles war ein groß angelegtes TV-Experiment.
Foto: Julia Wäschenbach/dpa
Für den dänischen Komiker Rasmus Wallbridge wirkte es wie die Erfüllung seines langen Traums: ein eigener Film. Doch das angebliche Filmprojekt gab es nicht, Wallbridge wurde mit vorwiegend versteckter Kamera gefilmt und auf die Weise heimlich zum Hauptdarsteller einer Serie gemacht, die seinen Namen im Titel trägt.
Die „Truman-Show“ lässt recht freundlich grüßen: In jenem Spielfilm von 1998 versteht der von Jim Carrey gespielte Truman Burbank nach und nach, dass sein Leben in Wirklichkeit eine von Schauspielern bevölkerte Fernseh-Inszenierung ist.
In der dänischen Wirklichkeit von heute waren 149 Menschen in das Projekt „Alle lieben Rasmus“ eingeweiht, teils enge Vertraute des Komikers. Sie handelten nach Drehbuch, filmten ihn heimlich – nur Wallbridge selbst ging davon aus, dass er sich in seinem echten Leben befinde.
Ob man es Prank nennt oder versteckte Kamera: Der Sender TV2 trieb das alte Konzept, Menschen zum Vergnügen der Zuschauer vor laufenden Kameras hinters Licht zu führen, offenkundig auf eine neue Spitze. Mit dem Ergebnis, dass dem als Comedy klassierten Projekt seit der Veröffentlichung am 26. Oktober massive Empörung entgegenschlug: „Erwachsenen-Mobbing“, „Gaslighting“ und „psychische Folter“, lauteten die Vorwürfe der Kritiker.
Ist noch ein Prank?
Der Sender TV2 zog die Serie am Samstag schließlich zurück, fünf Tage nach der Veröffentlichung. Er kündigte zudem eine Untersuchung an. Die Produktionsfirma Drive erklärte schriftlich gegenüber dem dänischen Rundfunk DR, sie habe Wallbridge eine „aufrichtige Entschuldigung“ übermittelt. Medien berichten zudem, dass auch mehrere der teilnehmenden Schauspieler sich nun reumütig gegenüber dem unfreiwilligen Hauptdarsteller zeigten.
Die Debatte erreichte gar die dänische Premierministerin: „Diese ganze ziemlich unglückliche Angelegenheit sollte zum Nachdenken darüber anregen, was man als publizistisches Medium veröffentlichen will“, sagte Sozialdemokratin Mette Fredriksen laut Medienberichten am Dienstag vor dem Parlament, wo sie bei einer regulären Fragestunde auf den Skandal angesprochen wurde.
Ob es überhaupt ein Prank sei, wenn das Opfer keinen Grund – und also keine Chance – hat, misstrauisch zu werden? Das bezweifelte eine Expertin gegenüber dem DR. Signe Søndergaard Moore promoviert in Kopenhagen zur dänischen Stand-up-Szene. Sie meint, durch das Mitwirken enger Vertrauter und das Gewicht prominenter teilnehmender Schauspieler sei bei „Alle lieben Rasmus“ ein Machtgefälle entstanden. Ein gelungener Prank müsse aber von gleichwertigen Voraussetzungen ausgehen.
Rasmus Wallbridge selbst hält sich mit Äußerungen zur Angelegenheit zurück, gibt keine Interviews. Am Wochenende schrieb er auf Instagram lediglich, er sei derzeit nicht bereit, an der Debatte teilzunehmen. „Ich verstehe sehr gut, dass es Neugier und Fragen gibt“, erklärte er, „aber nach Rücksprache mit meinem engsten Umfeld habe ich entschieden, mich voll auf die Arbeit an meiner kommenden Show zu konzentrieren.“
Wallbridge erfuhr laut dänischen Medien am Ende zwar die Wahrheit und gab seine Zustimmung zur Veröffentlichung – doch in der anschließenden Debatte wurde angezweifelt, dass er eine Alternative gehabt habe. TV2 sagte der Nachrichtenagentur Ritzau, man habe sich viel Mühe gegeben klarzustellen, dass die Nichtausstrahlung eine reelle Möglichkeit sei. Medienkritiker meinten hingegen, der Druck sei nach vier Monaten Arbeit für den Komiker zu groß gewesen, einfach Nein zu sagen und sich gegen eine so große Produktion zu stellen.
Wallbridge verfolgt mittlerweile seinem Kerngeschäft weiter. Bei einem Testauftritt in Hanstholm am Dienstag sei mit stehenden Ovationen auf der Bühne empfangen worden, bevor der erste Scherz gemacht war, berichtete einer der Gäste gegenüber DR. Demnach klagte der Stand-up-Komiker dann über eine harte Woche: Sein Fußballverein habe verloren.
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