Kauczinskis Kniffe in Sandhausen greifen: Von der Schießbude zum Bollwerk
Der SV Sandhausen kommt nach dem schwachen Start immer besser in Fahrt, hat sich unter Markus Kauczinksi defensiv stark verbessert. Zuletzt erfuhr dies Kickers Offenbach am eigenen Leib.

"Eine Respektsperson": Sandhausen Trainer Markus Kauczinksi IMAGO/foto2press
Markus Kauczinksi war verschnupft. Die Nase war zu, doch das Herz offen. "Die erste Halbzeit war das Beste, was ich bislang hier erlebt habe", sagte der Trainer des SV Sandhausen nach dem 1:0-Sieg gegen Kickers Offenbach. Es war bei drei Unentschieden der vierte Sieg des 56-jährigen Fußballlehrers. Als er Anfang September kam, stand Sandhausen mit vier Punkten aus fünf Spielen auf dem drittletzten Platz. Jetzt werden die Kurpfälzer ihrem Ruf als einer der Aufstiegsfavoriten gerecht.
Kauczinski betätigte die richtigen Hebel. Er stellte von Vierer- auf Fünferkette um mit Kapitän Marco Kehl-Gomez als Stabilisator. Er rückte die Köpfe zu Recht. "Der Trainer ist ruhig und souverän. Eine Respektsperson", sagt Mert Tesdelen.
Der 27-jährige Deutsch-Türke schoss gegen Offenbach das Tor des Abends. Zuvor traf er beim 3:1-Sieg beim FSV Frankfurt zweimal. "Mert Tesdelen ist der gefährlichste Angreifer der Regionalliga Südwest", adelte OFC-Trainer Mark Zimmermann den Linksaußen. Kollege Kauczinski ist auch von den menschlichen Qualitäten überzeugt. Er sagt: "Mert ist ein feiner Junge." Für Drittliga-Aufsteiger SG Sonnenhof Großaspach erzielte der gelernte Kfz-Mechatroniker 36 Tore in drei Spielzeiten.
Mit David Mamutovic und Arianit Ferati versteht sich der mittlerweile viermalige Torschütze blind. Ein Trio, das an das Magische Dreieck des VfB Stuttgart in den Neunzigern denken lässt. "Wir sind immer in der Lage, ein Tor zu schießen, wichtig ist, dass die Null steht", meint Tesdelen.
Zimmermann lobt SVS-Defensive
Vor dem Trainerwechsel war der SV Sandhausen die Schießbude der Liga. Das hat sich radikal geändert. Torwart Arthur Lyska, der Lukas Schneller ablöste und ein starker Rückhalt ist, musste in sieben Spielen nur sechs Gegentore hinnehmen. "Die wenigen Chancen, die du gegen Sandhausen bekommst, musst du nutzen", stellte OFC-Coach Zimmermann fest. Ein schöneres Kompliment kann es nicht geben für eine Defensive, die mit 15 Gegentoren in den ersten fünf Spielen in die Saison startete.
"Aus einem Bauchgefühl heraus, habe ich mich für den SV Sandhausen entschieden. Ich bin ein Bauchmensch", verrät Kauczinski. Nicht nur die 45 Autominuten vom Wohnort in Stutensee dürften ausschlaggebend gewesen sein, bei den Gesprächen konnte Sportdirektor Anthony Loviso mit genau 32 Argumenten überzeugen.
Der Kader des SV Sandhausen ist prominent besetzt. Beim Sieg gegen Offenbach fehlten zehn Spieler. Alle mit Potenzial zur Stammkraft, darunter auch der ehemalige Drittliga-Torjäger Felix Lohkemper und Freistoß-Spezialist Niklas Tarnat.
Der 28-jährige Sohn des früheren Nationalspielers Michael Tarnat traf beim 1:0-Sieg im April gegen die SG Barockstadt Fulda-Lehnerz. Es war der bislang einzige Heimsieg in diesem Jahr. Fast sechs Monate mussten die Fans warten, ehe sie wieder jubeln konnten. Bemerkenswert: Im Kalenderjahr 2026 stehen 13 Punkten in den Heimspielen 28 Punkte in fremdem Stadien gegenüber. Auswärts gibt es mehr Räume. Zimmermann lobte Sandhausen für sein starkes Umschaltspiel. Kauczinski betonte, dass er auch Ballbesitz-Fußball, wie er von Vorgänger Olaf Janßen präferiert wurde, in seinem Repertoire habe.
"Es ist nur eine Momentaufnahme", sagt Kauczinski. Es ist wie im Märchen, meinen andere. Der Zauberer aus Gelsenkirchen hat ein hässliches Entlein in einen stolzen Schwan verwandelt.
KioskNews shows a cleaned-up reading view extracted from the publisher’s page — the original always lives on their site, not ours.