Frankreich: Mehrere Festnahmen bei neuen Protesten
Rund 70.000 Sicherheitskräfte sollen in Frankreich neue Gewalt und Plünderungen verhindern. In Paris bleiben mehrere Museen geschlossen.
24.10.2026 | 0:21 minZu Beginn des Protesttages in Frankreich haben die Behörden zahlreiche Kontrollen durchgeführt und mindestens 135 Menschen festgenommen. Nach Angaben des französischen Innenministers Laurent Nuñez kam es in der ersten Tageshälfte zu keinen größeren Zwischenfällen.
In der Region Paris gab es nach Angaben des Ministers mehr als 1.000 Kontrollen. Dabei seien viele gefährliche Gegenstände sichergestellt worden - Boule-Kugeln, Schleudern und auch eine Softair-Waffe. Die Kontrollen seien "extrem produktiv", sagte Nuñez. Man bleibe äußerst vorsichtig und sei noch weit vom Ende des Tages entfernt.
Neue Proteste in Frankreich: Massives Polizei-Aufgebot
Vor Beginn der großen Demonstrationszüge, wie etwa in Paris, die am Nachmittag starteten, habe man 35.000 Menschen im öffentlichen Raum gezählt, führte der Minister weiter aus. Am vergangenen Samstag seien es zu der Zeit 60.000 Personen gewesen. Nuñez wies darauf hin, dass es ein deutlich verstärktes Polizeiaufgebot gebe. Zuvor hatte er den Einsatz von 70.000 Beamten auf den Straßen angekündigt. Premierminister Sébastien Lecornu hatte am Freitagabend gesagt, dass die Bedrohungslage weiterhin hoch sei. Er verwies dabei auf "Linksextreme" und "Kriminalität".
Den seit Wochen für eine bessere Ausstattung von Schulen demonstrierenden jungen Leuten haben sich weitere Gruppen angeschlossen, unter anderem um gegen zu hohe Lebenshaltungskosten zu demonstrieren. Wegen befürchteter Ausschreitungen und Plünderungen, wie sie am vergangenen Wochenende am Rande der Kundgebungen registriert wurden, gab es in mehreren Städten Versammlungsverbote für bestimmte Zonen sowie Ausgangssperren.
Die Gewaltexzesse in Frankreich haben viele Ursachen. Die Bildungsmisere, der Frust der Vorstadtjugend und linke Kapitalismuskritiker. Eine explosive Mischung auf der Straße.
22.10.2026 | 3:38 minAusgangssperren und Demonstrationsverbote
Erlaubt würden Kundgebungen, die von den Organisatoren mit einem Ordnungsdienst begleitet werden, "und unter der Voraussetzung, dass sie natürlich nicht an Orten stattfinden, an denen es zu Plünderungen, Störungen der öffentlichen Ordnung und Ähnlichem kommen könnte", hatte der Innenminister angekündigt.
In Marseille genehmigte die Präfektur ausnahmsweise eine Gewerkschaftsdemo, nachdem sie zunächst alle Versammlungen verboten hatte. In Lyon waren Demonstrationen in weiten Teilen der Innenstadt verboten. Die Polizei setzte Tränengas ein, um etwa 150 Demonstranten auseinanderzutreiben, die trotz des Verbots eine Straße blockieren wollten. In Nizza, wo laut Präfektur alle Versammlungen verboten sind, wurden Polizeikräfte, Gendarmen und Spezialeinheiten im Stadtzentrum eingesetzt.
Die Frage nach Lösungen nach den gewaltvollen Protesten in Frankreich wird sich im Wahlkampf stellen, sagt Jacob Ross von der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik.
19.10.2026 | 7:02 minStreit um Demonstrationsrouten
Für Empörung seitens der Gewerkschaften sorgte, dass der von ihnen angemeldete Demonstrationszug in Paris von der Präfektur an den Rand der Stadt verlegt wurde. Eigentlich sollte die Demonstration, die auf Initiative des Gewerkschaftsverbands CGT organisiert wurde, sich zwischen dem zentralen Platz der Bastille und dem Platz der Nation bewegen. Das Verwaltungsgericht bestätigte jedoch in einer Eilentscheidung die Route der Präfektur.
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Ein besonderes Augenmerk in der angespannten Lage im Land lag auf der Stadt Orléans, wo am Wochenende der Parteitag des rechtsnationalen Rassemblement National (RN) stattfindet. Laut Präfektur fanden sich dort zur Mittagszeit 11.000 Menschen ein, um dagegen zu protestieren. 3.000 Sicherheits- und Rettungskräfte seien demnach am Wochenende mobilisiert.
Die angespannte Lage in Frankreich wurde am Freitag durch eine Gewalttat weiter angeheizt, bei der ein Zusammenhang mit den Sozialprotesten und Unruhen im Land aber nicht direkt erkennbar war. Ein Mann hatte in Gemeinden bei Paris aus einem Auto mit einer automatischen Waffe geschossen. Ein Mensch kam dabei ums Leben, fünf weitere wurden verletzt. Der Mann wurde kurze Zeit später festgenommen. Auch Personen aus seinem familiären und freundschaftlichen Umfeld kamen in Polizeigewahrsam. Präsident Emmanuel Macron sprach von einem "rassistischen Terroranschlag".
Quelle: dpa, AFP
Über dieses Thema berichteten mehrere Sendungen, darunter ZDFheute Xpress am 24.10.2026 um 15:10 Uhr.
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