Zeitungsmarkt – Ungewisse Zukunft für Frühzusteller in der Schweiz

Früh aufstehen für Zeitungsleser: In der Schweiz arbeiten mehrere Tausend Menschen in der Frühzustellung. Sie machen sich morgens in aller Früh auf den Weg, um abonnierte Zeitungen und andere Printprodukte pünktlich in die Briefkästen zu stecken. Doch mit den sinkenden Auflagen von gedruckten Zeitungen wird es auch schwieriger für Zeitungsverträgerinnen und -verträger. Das jüngste Beispiel: das Ende des Sonntagsblicks.
In der Schweiz ist eine Handvoll Unternehmen in der Frühzustellung aktiv, die wichtigsten hier im Überblick:
- Die Post-Tochter Presto ist mit 4400 Mitarbeitenden die grösste Firma im Bereich Frühzustellung. Sie unterhält sieben Standorte in der Deutschschweiz und der Romandie.
- Die Zustellfirmen des Verlags CH Media, namentlich die AZ Vertriebs AG und die VS Vertriebs GmbH, beschäftigen gemäss eigenen Angaben rund 1200 Verträgerinnen und Verträger in den Kantonen Aargau und Solothurn.
- Die Somedia Distribution, eine Tochterfirma des Südostschweizer Verlages Somedia, beschäftigt 400 Medienkuriere in Graubünden und Glarus.
- Die Schaffhauser Zustellorganisation Schazo beschäftigt 150 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.
Stellenabbau und neue Verträge: Seit Anfang September ist klar, dass es den «Sonntagsblick», die fast 60 Jahre alte Sonntagszeitung des Verlagshauses Ringier, nur noch bis Ende Jahr geben wird. Das trifft auch die Zeitungsverträgerinnen und -verträger: Bei Presto, dem grössten Frühzustellunternehmen der Schweiz, müssen voraussichtlich bis zu 70 Angestellte gehen. Fast 500 Personen werden einen neuen Vertrag erhalten, der entweder ein neues Einsatzgebiet oder ein neues Pensum vorsieht. Damit ist fast jeder Achte der insgesamt rund 4400 Mitarbeitenden vom Aus des «Sonntagsblicks» betroffen. Die Post, der Presto zu 100 Prozent gehört, bedauert die Einschnitte. «Für die Betroffenen ist das keine leichte Situation», sagt Post-Sprecher Stefan Dauner. Man führe derzeit ein Konsultationsverfahren durch.
Auswirkungen auf andere Zustellfirmen: Eine Umfrage bei den kleineren Zustellfirmen hat ergeben, dass das «Sonntagsblick»-Aus überall zu Veränderungen in der Frühzustellung führt. Da aus dem «Sonntagsblick» künftig eine Samstagszeitung namens «Blick fürs Wochenende» wird, wird sich ein Teil des Verteilvolumens auf den Samstag verschieben. Was mögliche Kündigungen angeht, so schliesst nur die Schaffhauser Schazo einen Stellenabbau aus. Für die CH-Media-Zustellfirmen teilt ein Sprecher mit: «Ziel ist es, den Personalbestand möglichst stabil zu halten.» Bei der Somedia-Distribution laufen gemäss eigenen Angaben noch Abklärungen dazu.
Die zwei verbleibenden Sonntagszeitungen «NZZ am Sonntag» und «Sonntagszeitung» werden beim Sonntag als Erscheinungstag bleiben, wie sie anlässlich der Ringier-Ankündigung zum Ende des «Sonntagsblicks» bekannt gaben. Dabei dürfte es für sie nun teurer werden: Die Kosten für Druck und Zustellung verteilen sich künftig auf weniger Zeitungsanbieter. Auch die Post bestätigt: Die Frühzustellung am Sonntag durch Presto werde es weiterhin geben.
Kleine Pensen, grosse Bedeutung: Zeitungsverträger arbeiten üblicherweise in kleinen Pensen zwischen 10 und 20 Prozent, entweder von Montag bis Samstag oder am Sonntag. Urs Zbinden von der Gewerkschaft Syndicom betont aber, dass es sich in den meisten Fällen nicht um einen blossen Nebenverdienst handle: «Es ist ein wichtiger Teil des Budgets. Es gibt viele Leute, die eine Rente beziehen oder bereits pensioniert sind und weiterarbeiten, einfach weil diese Rente nicht zum Leben reicht.» Daneben gebe es Verträgerinnen und Verträger, die mehrere Jobs haben, aus denen sich ihr Einkommen zusammensetze. Wenn da der Zustell-Anteil wegfalle, hätten diese Leute ein Problem, so Urs Zbinden.
Um die Presse- und Meinungsvielfalt zu erhalten, subventioniert der Bund die Zeitungszustellung. Im Moment geschieht dies nur bei der Zustellung durch die reguläre Post. Ab dem kommenden Jahr soll auch die Frühzustellung bezuschusst werden. Ob sich so der Trend der sinkenden Auflagen und damit auch der Rückgang bei der Frühzustellung aufhalten lässt, ist allerdings offen.
Schwierige Zukunftsaussichten: Die Auflagen gedruckter Zeitungen sinken – das spüren auch die Zustellfirmen. Bei Presto habe sich das in den letzten zehn Jahren mit einem Rückgang des Auftragsvolumens um rund 30 Prozent bemerkbar gemacht, sagt Post-Sprecher Stefan Dauner. «Deswegen passen wir uns laufend an und versuchen, unsere Prozesse so effizient wie möglich zu gestalten.» Das heisst einerseits: Zustelltouren und Abläufe so zu bündeln, dass keine Leerläufe entstehen. Aber es heisst auch, dass langfristig wohl weniger Zeitungsverträgerinnen und -verträger gebraucht werden. Davon geht auch Gewerkschafter Urs Zbinden aus: «Wir werden sicher in den nächsten Jahren einen noch stärkeren Rückgang erleben», so Zbinden. Ob die Frühzustellung als Beruf überleben wird, müsse die Zukunft zeigen.
KioskNews shows a cleaned-up reading view extracted from the publisher’s page — the original always lives on their site, not ours.