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Friday, October 16, 2026

Hockey auf Plastik statt Eis – Warum immer mehr Städte auf Kunststoff-Eisfelder setzen

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Warum testet Bülach ZH ein synthetisches Eisfeld? Auslöser ist der Hagelschaden an der Eishalle Hirslen. Bis das Dach repariert ist, braucht die Stadt eine Übergangslösung. Gleichzeitig nutzt Bülach die drei Monate als Praxistest: Bewährt sich das Plastikeis bei Vereinen oder Schulen, könnte künftig etwa das Ausseneis ersetzt werden.

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  • Bild 1 von 3. Auf dem Parkplatz der Sportanlage Hirslen in Bülach entsteht für drei Monate ein künstliches Eisfeld aus Recycling-Plastik. Es dient als Übergangslösung, bis das beschädigte Dach der Eishalle repariert ist. Bildquelle: Green Hockey (ZVG).

    Schwarze Zeltstruktur mit leuchtendem Text, umgeben von bunten Herbstbäumen.
  • Bild 2 von 3. Gefahren wird nicht mit normalen Kufen, sondern mit sogenannten «Sharkblades»: feinen Stahlrollen, die unter gewöhnliche Schlittschuhe montiert werden. Laut dem Bülacher Stadtrat Daniel Ammann soll sich das Fahren damit zu rund 97 Prozent wie auf echtem Eis anfühlen. Bildquelle: Green Hockey (ZVG).

  • Bild 3 von 3. Bülach nutzt das Provisorium zugleich als Test für die Zukunft. «Wir sind eine Stadt mit dem Energielabel Gold», sagt Stadtrat Daniel Ammann. Deshalb wolle man gerade bei Eisflächen prüfen, «was für Möglichkeiten es gibt, um dort ökologischer unterwegs zu sein». Bildquelle: Green Hockey (ZVG).

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Warum sucht man überhaupt nach Alternativen zu echten Eisfeldern? Gekühlte Eisfelder brauchen Strom für die Kälteanlage und Wasser für Aufbau und Pflege – und das über Monate. Bei milden Temperaturen steigt der Energieaufwand zusätzlich. Die Gemeinden erhoffen sich davon weniger Strom- und Wasserverbrauch sowie teilweise eine ganzjährige Nutzung.

Wie funktioniert das Fahren auf Plastikeis? Viele klassische synthetische Bahnen bestehen aus Polyethylen-Platten, auf denen mit Schlittschuhkufen gefahren wird. In Bülach kommt ein anderes System zum Einsatz: Kleine Stahlrollen werden unter normale Schlittschuhe montiert. Entwickler Ricardo Signorell sagt, Rollen und Kunststoff seien aufeinander abgestimmt worden, um möglichst nahe an echtes Eis heranzukommen.

Wie viel Energie und Wasser lässt sich sparen? Der Hauptvorteil liegt auf der Hand: Kunststoffflächen müssen nicht gekühlt werden und benötigen kein Wasser für die Eisproduktion. Genau das macht sie für temporäre Flächen oder Standorte ohne Kälteanlage attraktiv. Wie gross die Einsparung konkret ausfällt, hängt aber stark von Grösse, Betriebsdauer und Vergleichsanlage ab.

Ist Plastikeis ökologischer? Je nach dem. Umweltorganisationen weisen darauf hin, dass Herstellung, Transport und Entsorgung der Kunststoffplatten ebenfalls Ressourcen benötigen. Hinzu kommt möglicher Kunststoffabrieb. Eine umfassende unabhängige Ökobilanz fehlt bislang, die echte, gekühlte und synthetische Eisbahnen über den gesamten Lebenszyklus direkt vergleicht.

Wie problematisch ist der Abrieb? Bei klassischen Kunststoffbahnen können scharfe Kufen feine Plastikpartikel lösen. Der WWF kritisierte in einem Bericht der «Luzerner Zeitung» deshalb das Risiko von Mikroplastik. Hersteller wie Glice geben an, den Abrieb technisch stark reduziert zu haben. Das Bülacher System arbeitet dagegen mit Rollen. Aus den bisher vorliegenden Angaben geht nicht hervor, wie viel Abrieb dabei tatsächlich entsteht.

Plastikeis schneidet beim laufenden Betrieb deutlich besser ab als eine gekühlte Eisfläche: Es benötigt weder Strom für die Kühlung noch Wasser für die Eisbereitung und kommt ohne Kältemittel aus. Nach Herstellerangaben von Glice verbraucht eine herkömmliche Eisbahn dagegen bis zu 840 Kilowattstunden Strom, 600 Liter Wasser und rund 415 Kilogramm CO₂-Äquivalent pro Quadratmeter und Jahr.

Für eine temporäre Fläche wie in Bülach kann dieser Unterschied erheblich sein: Eine gleich grosse gekühlte Eisfläche würde bei einer Betriebsdauer von 89 Tagen rechnerisch rund 52'000 Kilowattstunden Strom (etwa den Jahresbedarf von 13 bis 20 durchschnittlichen Vier-Personen-Haushalten), 37'000 Liter Wasser und etwa 26 Tonnen CO₂-Äquivalent benötigen. Diese Hochrechnung beruht jedoch auf Herstellerwerten und ist keine Messung der Anlage in Bülach.

Die Ökobilanz wird aber durch die Herstellung der Kunststoffplatten getrübt. Synthetisches Eis besteht in der Regel aus Polyethylen. Das ist ein Erdölprodukt. Dessen Produktion, Transport und spätere Entsorgung verursachen Emissionen. Glice beziffert den CO₂-Ausstoss für die Herstellung eines Quadratmeters auf rund 16 Kilogramm.

Kann Plastikeis echtes Eis im Sport ersetzen? Das ist die grösste offene Frage. Ein Zürcher Test von 2016 kam bei vielen Läuferinnen und Läufern schlecht an: Das Gleiten erforderte mehr Kraft und das Fahrgefühl überzeugte nicht. 2024 testete die Stadt eine weiterentwickelte Generation erneut. Das Sportamt betonte damals: Kunststoff müsse echtes Eis nicht zwingend ersetzen, könne aber zusätzliche Angebote ermöglichen.

Wo könnte Plastikeis sinnvoll sein? Besonders interessant sind Pop-up-Flächen, Schulen, Freizeitangebote oder Orte, an denen eine Kühlanlage zu teuer oder technisch schwierig wäre. Denkbar ist deshalb eher ein Nebeneinander – also echtes Eis dort, wo das präzise Fahrgefühl entscheidend ist, und Kunststoff dort, wo Energieverbrauch, flexible Standorte und ganzjährige Nutzung stärker ins Gewicht fallen. Bülach liefert dafür nun einen weiteren Praxistest.

Regionaljournal Zürich Schaffhausen, 15.10.2026, 6:30 Uhr ;  külc/bruc;swak;rama

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