Q&A zur Lebenszufriedenheit – Warum wir oft unzufrieden sind, obwohl es uns gut geht

Im Expertenchat haben Fachleute Fragen dazu beantwortet, was Menschen zufrieden macht – und was dem oft im Weg steht. Die wichtigsten Erkenntnisse.
Glück hängt nicht nur von dem ab, was wir besitzen
Machen materielle Dinge wirklich glücklich? Laut Reto Odermatt durchaus, allerdings oft nur für begrenzte Zeit. Er ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Center for Research in Economics and Well-Being der Universität Basel. Menschen gewöhnten sich relativ schnell an neue Anschaffungen, wodurch deren Einfluss auf das Glücksgefühl wieder abnehme.
Die Forschung zeigt, dass bereits kleine Dinge die Zufriedenheit steigern können: ein Spaziergang in der Natur oder ein gutes Gespräch mit Freunden.
Entscheidend sei oft weniger, was man besitzt, sondern was man erlebt. «So zeigt die Forschung beispielsweise, dass uns Erlebniskäufe im Durchschnitt glücklicher machen als materielle Käufe.»
Viele Träume scheitern an Grenzen
Was tun, wenn wichtige Lebensträume unerreichbar erscheinen? Reto Odermatt räumt ein, dass Menschen oft durch gesellschaftliche und finanzielle Rahmenbedingungen eingeschränkt seien, «das kann verständlicherweise frustrieren».
Gleichzeitig blieben meist kleinere oder grössere Handlungsspielräume. Die Forschung zeige, dass bereits einfache Dinge wie ein Spaziergang in der Natur oder ein gutes Gespräch mit Freunden die Zufriedenheit steigern können. Es könne deshalb hilfreich sein, sich auf jene Bereiche zu konzentrieren, die sich tatsächlich beeinflussen lassen.
Der Vergleich mit anderen macht oft unglücklich
Wie lernt man, zwischen eigenen Wünschen und gesellschaftlich geprägten Erwartungen zu unterscheiden, lautet eine Frage aus der Community.
Wir vergleichen uns vor allem nach oben, was uns unglücklich macht.
Laut Holger Herz liegt ein Teil der Antwort darin, «dass wir unser Glück nicht absolut, sondern relativ bewerten». Er ist Professor für Verhaltens- und Organisationsökonomik am Departement für Volkswirtschaftslehre an der Universität Freiburg. Ob man mit seinem Leben zufrieden sei, hänge stark davon ab, womit man es vergleiche.
Dieses Phänomen sei nicht neu. «Früher war es das grössere Auto des Nachbarn, heute ist es die Weltreise oder das Luxusleben einer Influencerin.» Problematisch sei, «dass wir uns vor allem nach oben vergleichen, was uns unglücklich macht».
Social Media verstärke diesen Effekt zusätzlich, weil dort eine «stark gefilterte Auswahl» sichtbar sei: die erfolgreichsten Menschen und von ihnen meist nur die besten Momente. Studien belegen zudem, dass der Verzicht auf Social Media oder den Internetzugang mit unserem Smartphone die Zufriedenheit steigere.
Herz empfiehlt deshalb, sich diese Verzerrung bewusst zu machen und die eigene Situation mit einer realistischeren Vergleichsgruppe einzuordnen. «Wer sich am tatsächlichen Durchschnitt von Gleichaltrigen orientiert, stellt oft fest, dass er gar nicht so weit hinterherhinkt.» Zudem könne man, einen Teil der Bildschirmzeit durch etwas ersetzen, das einem guttut.
Ziele können motivieren – aber auch enttäuschen
Ziele wirkten verhaltensökonomisch wie ein Referenzpunkt, erklärt Herz. «Wer sein Ziel verfehlt, erlebt das als Verlust.» Dies wiederum wirke motivierend, da man Enttäuschungen vermeiden wolle. «Somit dient die Zielsetzung der Selbstmotivation.»
Für die Lebenszufriedenheit könnten Ziele also durchaus wichtig sein, «da sie Motivation, Orientierung und Sinn geben». Unrealistische und somit unerreichbare Ziele bewirkten jedoch auch das Gegenteil.
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