"Ausbeuterische Ideen": Topligen erhöhen Druck auf Infantino
Die vier mächtigsten Fußball-Ligen Europas halten den Druck auf Gianni Infantino mit deftiger Kritik hoch - fordern den umstrittenen Präsidenten des Weltverbandes FIFA aber nicht aktiv zum Rücktritt auf.
"Die langjährigen Grundlagen des Fußballs wurden in den letzten Jahren durch ein grundlegendes Führungsproblem bedroht, da der FIFA-Präsident ausbeuterische Ideen aktiv gefördert hat, anstatt sie zu verhindern", teilten die Bundesliga, die Serie A, La Liga und die Premier League in einem gemeinsamen Brief mit.
FIFA-Präsident Gianni Infantino galt als unangreifbar. Doch ein gescheitertes Milliardenprojekt ohne frühe Einbindung wichtiger Gremien entfacht einen Machtkampf, der ihn das Amt kosten könnte.
17.09.2026 | 11:40 minInfantinos Name wird in dem zweiseitigen Schreiben, das von den Ligabossen Marc Lenz (Deutschland), Javier Tebas (Spanien), Luigi De Siervo (Italien) und Richard Masters (England) unterzeichnet wurde, nicht genannt. An wen sich die unmissverständliche Botschaft richtet, wird dennoch deutlich.
Kritik an "unerbittlichem Expansionismus"
"Wir erheben gemeinsam unsere Stimme, als Gründungsmitglieder der Europäischen Ligen und der Weltliga-Vereinigung, weil wir verstehen, wie sich der unerbittliche Expansionismus der FIFA auf alle auswirkt", heißt es in dem Schreiben. Es trägt den Titel: "Um den Fußball zu vereinen, muss sich die FIFA reformieren."
Infantino war nach einem Vorstoß zur Vermarktung der WM-Rechte durch externe Investoren im Sommer massiv unter Druck geraten. Auch sein Führungsstil ist von Teilen der Fußball-Welt scharf kritisiert worden. Er hatte darauf zuletzt reagiert und seinen Gegnern erstmals Gespräche über mögliche Reformen in der FIFA angeboten.
Die Ligen geben sich damit nicht zufrieden. Oberflächliche Prozessänderungen seien nicht genug, teilten sie mit. "Eine grundlegende Reform der Führungsstrukturen ist unerlässlich, um klare verfassungsrechtliche Grenzen innerhalb der FIFA wiederherzustellen", hieß es. Die vier Ligabosse nahmen in dem Brief nicht nur Bezug auf das gescheiterte Investorenprojekt, sondern auch auf die auf Anruf von US-Präsident Donald Trump zurückgenommene Rot-Sperre von Stürmer Folarin Balogun bei der WM.
Drei klare Ansagen der Ligen an die FIFA
Infantino hatte eine unabhängige externe Überprüfung der FIFA-Governance sowie Konsultationen über eine Stärkung der Entscheidungsprozesse angeboten, einschließlich der Rolle des Präsidenten. Der 56-Jährige machte gleichzeitig klar, dass er die FIFA weiter anführen will. Von einem Verzicht auf eine Kandidatur für eine vierte Amtszeit beim Kongress im März 2027 ist nicht die Rede. Diesen wollen seine Kritiker um UEFA-Präsident Aleksandar Ceferin.
Nach heftigem Gegenwind hat FIFA-Präsident Gianni Infantino bei seinen Investorenplänen für die Fußball-WM die Reißleine gezogen. Der UEFA reicht das aber offensichtlich nicht.
01.08.2026 | 1:15 minDie Ligen fordern explizit drei Punkte von der FIFA-Führung:
- echte Mitsprache für betroffene Interessengruppen bei Entscheidungen,
- die Sicherstellung evidenzbasierter Entscheidungsfindung,
- und den Schutz der FIFA als Hüter des Fußballs vor den kommerziellen Interessen.
Der am 18. März in Rabat (Marokko) gewählte Präsident soll innerhalb von 100 Tagen eine unabhängige Kommission einrichten und innerhalb von sechs Monaten einen öffentlichen Bericht vorlegen.
Gegenkandidat zu Infantino ist nicht in Sicht
Stand jetzt ist Infantino der einzige Kandidat, der im kommenden Jahr antritt. Die UEFA und die Fußball-Verbände aus Nord- und Mittelamerika verfolgen zwar seit mehreren Wochen einen harten Oppositionskurs gegen Infantino. Einen Gegenkandidaten für die Präsidentschaftswahlen haben sie aber bislang nicht benennen können.
Wahl des neuen Präsidenten
:FIFA: Gianni Infantino tritt im März anAm Samstag hielt er sich noch bedeckt, am Sonntag folgt eine klare Ansage: Gianni Infantino werde bei der Präsidenten-Wahl im März wieder antreten, erklärte eine FIFA-Sprecherin.
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In diesem Zusammenhang überrascht es, dass die Ligen auf eine öffentliche Rücktrittsforderung gegen Infantino verzichteten. Denn Konsens ist diese Haltung bei einigen europäischen Vertretern längst. "Er sollte weg. Ohne Wenn und Aber", sagte der einflussreiche DFB-Vizepräsident Hans-Joachim Watzke jüngst über Infantino. Präsident Bernd Neuendorf äußerte sich ähnlich. Selbst der spanische Liga-Chef Tebas hat Infantinos Rücktritt bereits im August offensiv gefordert. "Das Problem ist ein Modell der Verbandsführung, das Macht konzentriert, Kontrollmechanismen schwächt und diejenigen an den Rand drängt, die von den Entscheidungen unmittelbar betroffen sind", wetterte Tebas damals.
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Quelle: dpa
Das ZDF berichtete am 17. September um 21 Uhr in der Sendung "frontal" über das Thema.
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