Microsoft Office unter Linux testen: Bottles startet Experiment
Die Windows-Desktopanwendungen von Microsoft 365 lassen sich jetzt mit Bottles unter Linux testen. Dafür hat das Projekt einen Installer und eine experimentelle Version seines Wine-basierten Runners Soda bereitgestellt. Entwickler Mirko Brombin warnt allerdings ausdrücklich vor einem Einsatz im Alltag: Bislang hat er die Kombination nur auf seinem eigenen Laptop getestet. Ob sie auf anderen Systemen funktioniert, ist offen.
Brombin hatte den Test in mehreren X-Beiträgen angekündigt und wegen kurzfristiger Probleme noch einmal verschoben. Mit dem nun eröffneten Test will er Fehlerberichte sammeln. Der Installer allein reicht nicht aus: Er richtet unter anderem DLLs, Startskript und Wine-Einstellungen ein. Hinzu kommen laut Brombin Patches am Wine-basierten Runner sowie Änderungen an Bottles. Die Testanleitung und Liste bekannter Fehler stehen in einem GitHub-Issue des Projekts.
Experimenteller Runner und Click-to-Run
Für seinen eigenen Testaufbau verwendet Brombin Bottles als cpak-Paket und einen experimentellen Soda-Runner der Reihe 11.0. Tester sollen in Bottles Vorabversionen aktivieren, mit dem Runner eine neue „Software“-Bottle anlegen und dort einen der Installer für Microsoft 365 Business oder Enterprise auswählen. Eine aktuelle Flatpak-Testversion ist ebenfalls möglich; Brombin weist aber darauf hin, dass er zunächst nur den cpak-Aufbau selbst prüft.
Der Bottles-Installer enthält keine Office-Programmdateien. Er lädt Microsofts setup.exe über die Bottles-Abhängigkeit office-runtime; Office selbst kommt anschließend per Click-to-Run. Die veröffentlichte YAML-Datei des Bottles-Installers zeigt außerdem Anpassungen an DLLs und Wine-Einstellungen. Es handelt sich laut Brombin ausdrücklich nicht um eine modifizierte Office-Version. Nach einer Testphase benötigen Nutzer eine gültige Microsoft-365-Lizenz.
Bekannte Fehler, offene Tests
Die Liste der Einschränkungen ist zum Start lang. In Word fehlen teils Umrandungen von Bedienelementen oder Schriften erscheinen fehlerhaft. In Excel kann ein Klick die falsche Zelle auswählen; manche Funktionen bringen das Programm noch zum Absturz. Bei OneNote, Outlook und Tasks liegen Zeichenflächen über anderen Bedienelementen. Für Access, Teams und Publisher nennt Brombin noch keine Testergebnisse.
Wer Microsoft 365 mit Bottles unter Linux ausprobiert, soll Fehler mit einer genauen Beschreibung, Protokollen und Angaben zur Bottles-Installation im Issue melden. Pauschale Meldungen ohne Details helfen laut den dortigen Regeln nicht weiter. Aktuell sollte die Konfiguration explizit nicht produktiv eingesetzt werden.
Hintergrund: MS Office auf dem Linux-Desktop
Versuche, Microsoft Office über Wine unter Linux auszuführen, gibt es seit Jahren. Die Kompatibilität hängt jedoch von der jeweiligen Office-Version und ihren benötigten Windows-Funktionen ab. Auch mit Wine 9.0 stellte sich die anhaltende Frage nach einer vollständigen Office-Kompatibilität. Bottles verfolgt nun den Weg, die Windows-Anwendungen mit einem angepassten Wine-Runner direkt auf dem Linux-Desktop zu starten.
Ein anderer Ansatz ist WinBoat: Das Projekt stellt eine vollständige Windows-Umgebung bereit und integriert deren Programme per FreeRDP in den Linux-Desktop. Anders als beim Wine-basierten Bottles-Versuch läuft dabei weiterhin Windows im Hintergrund.
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