Rechenzentren im All: Google-Satellit mit vier KI-Beschleunigern vor dem Start
Google will kommende Woche einen ersten Satelliten mit KI-Beschleunigern an Bord ins All schießen, um herauszufinden, wie gut sie die in den harschen Bedingungen im Weltraum aushalten. Der Satellit gehört zum sogenannten „Project Suncatcher“, bei dem es Google darum geht, energiehungrige KI-Rechenzentren in den Weltraum zu verlegen. Dort könnten sie rund um die Uhr mit Solarstrom versorgt werden und nehmen auch keinen wertvollen Platz auf der Erdoberfläche mehr weg. An Bord des Satelliten sollen nun vier Tensor Processing Units (TPUs) „KI-Workloads“ ausführen, während die Verantwortlichen auf der Erde überprüfen, wie viele Fehler dabei etwa durch die intensive Strahlung im All entstehen. Auch das Kühlsystem soll unter Originalbedingungen getestet werden.
Immer nur 15 Minuten am Stück aktiv
Wie Google zur Bekanntmachung des geplanten Starts in Erinnerung ruft, produzieren KI-Beschleuniger viel Abwärme. Im Weltraum fehlt aber die Luft, um die abzuführen, „weshalb ein gänzlich anderer Ansatz bei der Kühlung von Elektronik“ erforderlich ist. Man arbeite deshalb an verschiedenen Ansätzen, „darunter eine Kombination aus Heatpipes und Kühlkörpern“. Die Bedingungen im Weltraum habe man simuliert, aber jetzt werde man sehen, wie sich das eingesetzte System bewähre. Google selbst nennt keine weiteren Details, die New York Times hat aber erfahren, dass die TPUs immer nur 15 Minuten am Stück arbeiten können, bevor sie zur Kühlung abgeschaltet werden müssen. Wie lang das dann dauert, schreibt die US-Zeitung nicht.
Als großer Vorteil der Stationierung von KI-Rechenzentren im Erdorbit wird immer die fast unendliche Menge an Sonnenenergie genannt, die dort fast rund um die Uhr zur Verfügung steht. Auch Google verweist jetzt darauf und erklärt, dass man dort bis zu achtmal so viel Sonnenenergie generieren könne wie am Erdboden. Eine konkrete Zahl gibt es wieder nur von der New York Times, laut der soll der Satellit ein Kilowatt liefern. Für die Tests der vier KI-Beschleuniger soll das ausreichen, von dem gigantischen Energiehunger tatsächlicher KI-Rechenzentren ist das aber um Größenordnungen entfernt. Auch den Namen des Satelliten gibt es lediglich bei der New York Times, Google nennt ihn demnach „MVP“. Im Sport ist das die englische Abkürzung für den „wertvollsten Spieler“.
Der Satellitenstart am 1. Oktober mit einer Falcon 9 von SpaceX solle der Auftakt für enorm ambitionierte Pläne sein, heißt es in der Bekanntmachung. Laut Google sollen Nachfolgesatelliten schon „dutzende TPUs“ an Bord haben und die Erde in Gruppen umkreisen. Miteinander kommunizieren sollen sie demnach über Laserverbindungen. Die Technik dafür existiere bereits, aber die besten Systeme seien für niedrige Bandbreiten über große Entfernungen optimiert. Hier benötige man aber sehr hohe Bandbreiten über extrem geringe Distanzen. Um die Verbindungen aufrechtzuerhalten, brauche es eine extrem große Präzision. Um zu testen, wie weit man dabei sei, sollen 2027 zwei weitere Testsatelliten gestartet werden.
„Höhepunkt des Wahnsinns“
Pläne für Rechenzentren im All treibt nicht nur Google voran, auch Amazon arbeitet daran. Am lautesten war zuletzt aber einmal mehr Elon Musk mit seiner Firma SpaceX. Der behauptet, dass der Erdorbit schon in wenigen Jahren der günstigste Ort für KI-Rechenzentren sein werde. Daran gibt es aber Zweifel. Anfang des Jahres hat Gartner die Pläne zerpflückt und bezeichnet sie als „Höhepunkt des Wahnsinns“. Neben den Transportkosten gebe es einen Flaschenhals bei den Übertragungsraten der Daten zurück zur Erde und Probleme bei der Kühlung der Hardware im Vakuum. Statt dem Traum von orbitalen Datenzentren nachzujagen, sollten sich die Akteure besser dem dringend nötigen Ausbau der Infrastruktur auf der Erde widmen. Der Empfehlung folgt Google nicht.
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