Real schreibt Fuß-Gedichte: Mbappé und Güler machen die Welt ein wenig schöner

Von David Bedürftig
19.10.2026 | 19:02 Uhr
Zwei absolute Traumtore in einem Spiel gibt es selten: Arda Güler und Kylian Mbappé übertreffen sich beim Sieg von Real Madrid gegenseitig in Eleganz und Schönheit. Nun soll der FC Barcelona zittern.
Kriege, Krisen, teure Preise: Die Welt meint es dieser Tage nicht gut mit vielerlei Menschen. Natürlich können Fußballer kein Leid verschwinden lassen oder katastrophale Lagen beenden. Doch manchem zaubern sie in schweren Zeiten ein Lächeln in Gesicht. So geschehen am Sonntagabend, als die Weltstars Kylian Mbappé und Arda Güler mit zwei Gedichten von Toren Real Madrid zum Sieg schossen - und die Welt zumindest für den Moment ein wenig schöner machten.
Der Begriff Traumtor wird heutzutage durchaus inflationär benutzt. Doch als Güler in der 30. Minute den Ball vom linken Strafraumeck mit einer einzigen und so wunderschönen wie zärtlichen Berührung seines linken Fußes in den rechten oberen Winkel des Tores beförderte, konnte sich niemand über diese Bezeichnung beschweren. Gülers Dosenöffner beim 4:1-Heimsieg gegen den FC Sevilla war ein gestreicheltes Geschoss - auch wenn mehr Oxymoron eigentlich nicht geht.
Güler-Magie eben. Für solche Momente schaut man Fußball. Der Youngster besitzt den wohl besten linken Fuß Madrids seit Mesut Özil und ist mit seinen 21 Jahren vielleicht schon der wichtigste Mittelfeldspieler in der Mannschaft von José Mourinho. Wie vor Jahren bereits prognostiziert zieht der junge Türke endlich die Fäden im Real-Spiel, zwei Tore und drei Vorlagen hat er in diesem Jahr in neun Partien gesammelt.
Mbappés 360-Grad-Pirouette
Mourinho sprach im Anschluss von einem "sehr guten Spiel, einem großartigen Spiel von Real Madrid". Viele Spieler hatte er "individuell auf einem hohen Niveau" agieren sehen. "Wir haben es von der ersten bis zur letzten Minute kontrolliert und Qualitätstore erzielt", so der Chefcoach.
Dass nur seine Mitspieler "Qualitätstore" schießen, würde Weltstar Kylian Mbappé aber niemals durchgehen lassen. Und so setzte der Franzose nur sieben Minuten nach Gülers Treffer noch einen drauf: Einen für sich schon eleganten Hackenpass von Jude Bellingham ließ Mbappé alt aussehen, als er die Kugel an der Strafraumkante mit links in einer 360-Grad-Pirouette aus dem Zauberlexikon annahm und damit zwei Gegenspieler ausstiegen ließ. Mit zwei weiteren Ballberührungen tanzte der Stürmer den Torhüter aus und schob lässig vor den komplett ausflippenden Fans in Weiß ein. Eine unfassbare Aneinanderreihung von Kunst, Eleganz und Tempo. Chapeau!
"Wahnsinn, einfach nur Wahnsinn", sprudelte es aus DAZN-Kommentator Jan Platte in diesem Moment heraus. Der WM-Rekordtorschütze ließ in der zweiten Hälfte noch einen coolen Panenka-Elfmetertreffer folgen, nachdem er unter der Woche bereits auf Platz fünf in der Rangliste der besten Champions-League-Torschützen aller Zeiten vorgerückt war. Aktionen, die ihm Pluspunkte für die Wahl zum Sieger des Ballon d'Or einbringen? Wie Mbappé mehrfach lautstark bekräftigt hat, sieht er sich selbst und nicht etwa Harry Kane vom FC Bayern als den Preisträger in diesem Jahr.
Spannender Clásico gegen Barcelona
Unerwähnt bleiben darf auch nicht das starke Spiel von Yan Diomande am Sonntagabend. Beide Traumtore leitete der ehemalige Leipziger ein, den 4:1-Endstand erzielte der 19-jährige Teenager selbst - und setzte damit Trainer Mourinho unter Druck. Funktioniert dieses Real etwa besser ohne Vini Jr., der wegen einer Roten Karte gesperrt fehlte? Kritiker kreiden dem Brasilianer, der 2024 noch zweiter bei der Wahl des Ballon d'Or wurde, zu viel Egoismus an, doch Mourinho sagte ihm bereits am Mittwoch in der Champions League, ausgerechnet gegen Diomandes Ex-Klub aus Sachsen, wieder einen Einsatz zu.
Doch in der spanischen Hauptstadt denkt ohnehin alles und jeder schon an den Clásico am Wochenende. Durch den Traumtor-Sieg gegen Sevilla im Santiago-Bernabéu-Stadion hat Real nun 21 Punkte aus neun Spielen auf dem Konto und liegt damit sechs Zähler hinter Tabellenführer Barcelona, bevor die beiden Rivalen am Sonntagabend aufeinandertreffen. Ein Sieg der Madrilenen gegen das perfekt gestartete Team von Hansi Flick würde das Meisterschaftsrennen wieder offen gestalten. Bei einer Pleite würden die Katalanen bereits beinahe unaufhaltsam davonziehen.
Der stets für Aufsehen sorgende Clásico erhält durch diese Spannung noch einmal mehr Wichtigkeit. Und auch die Traumtore sorgen für Vorfreude bei den Fans. Beim Gegner aus Barcelona kickt schließlich in Lamine Yamal einer, der auch gerne mal magische Momente heraufbeschwört. So etwa vor einer Woche, als er mit seinem angetäuschten Rabona die Vorlage des Jahres lieferte.
Wer zaubert zuletzt, wer sorgt für das nächste Traumtor? Die packende Antwort gibt's in knapp einer Woche. Gut möglich, dass die Hauptpersonen wieder Yamal, Güler oder Mbappé heißen werden.
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