Frust bei Eisschnellläufern : DESG agiert mit "kaum zu überbietender Frechheit"

Bald startet die Saison, doch einige deutsche Eisschnellläufer sind mit dem Kopf völlig woanders. Nämlich beim sich weiter zuspitzenden Zoff mit ihrem eigenen Verband.
Auf der Homepage der Deutschen Eisschnelllauf- und Shorttrack-Gemeinschaft prangt unübersehbar das Motto "Hier wächst die Weltklasse". Was zuletzt wuchs im deutschen Eisschnelllauf, war allerdings nahezu exklusiv der Frust der Sportlerinnen und Sportler.
Das nächste Kapitel im Dauerzwist um den Erhalt oder die Schließung des Bundesstützpunkts Erfurt, an dem einige der besten deutschen Athleten trainieren, wurde am Dienstag mit einer DESG-Mitteilung begonnen - in der Präsident Matthias Große und seine Mitstreiter über gebrochenes Vertrauen und vollendete Tatsachen informierten.
"Die DESG eskaliert einfach weiter. Wir können das nicht nachvollziehen als Athletinnen und Athleten, weil wir ja eigentlich vereinbart hatten, dass bis zum Ende der Strukturgespräche keine Eskalation folgt", sagte Eisschnellläufer Hendrik Dombek, Mitglied des Präsidiums beim Verein Athleten Deutschland. Auch Peter Rüberg ist "erschüttert", der Vizepräsident des Thüringer Eis- und Rollsportverbandes (TERV) sprachvon einer "erneuten Lüge, die mit kaum zu überbietender Frechheit in die Welt gesetzt wurde".
"Konstruktiver Dialog" bleibt offenbar aus
Was war passiert? Die DESG behauptet, dass das am 7. Juli im Rahmen eines gemeinsamen Dialogs vereinbarte Moratorium vom TERV "einseitig aufgekündigt" worden sei. Das wollte Rüberg so nicht stehen lassen: "Wenn jemand überhaupt dieses Moratorium gebrochen hat, dann die DESG selbst, weil sie bis zum heutigen Tage keine Athletinnen und Athleten vom Bundesstützpunkt Erfurt zu zentralen Maßnahmen eingeladen hat, die die Athletenvereinbarung nicht unterschrieben haben."
Kern des im Sommer beschlossenen Moratoriums sei jedoch gewesen, "den Athleten Sicherheit zu geben, Zeit zu geben. Das jetzt umzudrehen, ist an Frechheit und an Unverschämtheit kaum zu überbieten."
Die Vereinbarung war nach einem Krisentreffen in Berlin unter Vermittlung von Thüringens Sportminister Stefan Gruhner zustande gekommen. Vertreter von DESG, TERV, Deutschem Olympischem Sportbund (DOSB), Athleten Deutschland und Politik hatten sich damals auf einen "konstruktiven Dialog" verständigt. Kern der Einigung war ein Moratorium, wonach die strittigen Punkte der Athletenvereinbarungen bis zu einer Entscheidung über die künftige Stützpunktstruktur ausgesetzt werden sollten.
"Dieses Moratorium umfasst eben nur die Athletenvereinbarung und nichts anderes", betonte Rüberg: "Wir können nichts weiter tun, als zunächst mit einer Unterlassungserklärung zu reagieren. Aber das hilft den Sportlern wieder mal auch nicht weiter. Es wäre schön, wenn jetzt endlich das Bundeskanzleramt mal ein Machtwort sprechen würde. Wir warten händeringend auf eine Entscheidung."
Das Bundeskanzleramt bzw. der dort ansässige Staatsminister für Sport und Ehrenamt, Ronald Rauhe, sowie der DOSB äußerten sich auf Anfrage am Mittwoch zunächst nicht zu den neuesten Entwicklungen. Für Dombek und seine Kollegen rennt die Zeit davon, Mitte November beginnt die Weltcup-Saison. Es sei "natürlich schwer, unter diesem Druck den Sport auszuüben", so Dombek. Er hoffe "sehr", dass bei der außerordentlichen Mitgliedsversammlung am 17. Oktober "eine Abwahl dieses Präsidiums stattfindet". Es sei "einfach Willkür, was hier gelebt wird", sagte Dombek.
Hintergrund ist der seit Monaten schwelende Streit um die Zukunft des Stützpunkts Erfurt und die neue Athletenvereinbarung der DESG. Mehrere Eisschnellläuferinnen und Eisschnellläufer hatten eine Zusatzvereinbarung gefordert, die den Standort Erfurt absichern sollte. Die DESG lehnte dies ab, zuletzt setzte sie den betroffenen Athletinnen und Athleten, die bei einer Nichtunterzeichnung Nachteile für Kaderstatus und Förderung befürchten, eine neuerliche Deadline für den 8. Oktober. Zugleich stemmten sich die Erfurter Aktiven gegen Pläne, sich den anderen Leistungszentren in Inzell oder Berlin anzuschließen.
KioskNews shows a cleaned-up reading view extracted from the publisher’s page — the original always lives on their site, not ours.