Burger, Bürger, Bundeswehr: Überall Union und breitere Türen für „Spiegel“-Redakteure

Wer hätte nicht Angst vor radikalen Elementen der Pali-Bewegung? Gut, dass es den „Spiegel“ gibt, schade nur, dass niemand mehr mit ihm sprechen wird.
Foto: MiS/imago
t az: Herr Küppersbusch, was war schlecht vergangene Woche?
Friedrich Küppersbusch: Neuer Audi-Claim: „Selbstachtung, selbstfertig, selbstlos“.
taz: Und was wird besser in dieser?
Küppersbusch: Schüler-Union, Senioren-Union, Auto-Union.
taz: Der Spiegel hat öffentlich gemacht, dass Elif Eralp Angst vor radikalen Elementen der Palästinabewegung hat. Was ist da los in der Berliner Linkspartei?
Küppersbusch: Verrückt! Ich habe auch Angst vor radikalen Elementen der Palästinabewegung. Und wer die nicht hat, hat nicht alle Kisten auf dem Laster oder ist womöglich ein radikales Element der Palästinabewegung. Eralp und ihre Berater tapern naiv in ein Spiegel-Interview, denn dass die Frage kommt, weiß man vorher: Das „Terror- und Clan-Kontakte“- Thema feiert auch der Spiegel seit Wochen. Dann stümpert Eralps Lager bei der Bearbeitung des Textes, und dann vertrottelt noch einer die Mailadressen. Wenn ich unbedingt zweifeln soll, ob Eralp zur Bürgermeisterin taugt, sind ihre privaten Sicherheitsabwägungen privat. Die Medienarbeit dagegen ist eine Katastrophe, da kann sie gleich Tennis spielen gehen.
taz: Auch der Spiegel wurde für seinen Artikel kritisiert. Er habe Eralps Sicherheitsbedenken missachtet und der Sound des Textes sei kampagnenartig gewesen. Können Sie die Kritik nachvollziehen?
Küppersbusch: Der Spiegel hat aus einem nicht autorisierten Text zitiert. Das ist de jure ein Vertragsbruch. Und praktisch ein wertvoller Hinweis an alle, die dumm genug sind, dem Spiegel künftig ein Interview zu geben. So ein Rechtsbruch kann bei „besonderem öffentlichen Interesse“ geduldet werden. Man hört auch keine ethische Debatte zur Frage, ob der „AfD-Leak“ ausgebeint werden darf, zum Beispiel. Prompt fiebert sich der Spiegel eine mindestens Staatskrise herbei, weil er Eralp der Angsthäsigkeit überführt habe. Der Chefredakteur will jetzt von ihr „auch als Berliner Bürger … nicht regiert werden“. Och menno! War das vorher sein Herzenswunsch? Wer den AfD-Schlagersänger Siegmund auf dem Titel zum Faszinosum hochfeiert, steht nicht im Linksverdacht. Weiter fantastert der Spiegel, es könnten ja „seltsame Dinge geschehen“ in Berlin unter Eralp, und wenn dann rauskäme, dass der Spiegel geschwiegen habe, wäre aber mal was los und so. Kurz: aus einem schmutzigen Job wird im Zuge der Selbstheiligung eine journalistische Heldentat. Es könnten ja seltsame Dinge geschehen, und der Spiegel mal vorbeikommen, und dann sollte man rechtzeitig die Türen verbreitern, damit nicht nur die Redakteure durchpassen, sondern auch ihre Egos.
taz: Am Samstag war „Gen Z regelt“ in vielen deutschen Städten auf der Straße. Haben Sie weise Ratschläge für Deutschlands renitente Jugend?
Küppersbusch: Na ja, eine elegante Erklärung, warum die Jugend ungern streikt, wenn sowieso gerade schulfrei ist – samstags halt –, kann man sich schon mal zurechtlegen. Gelernt ist die Lektion, der „Internationale Jugendstreiktag“, an dem „Gen Z regelt“, aber auch die jetzt distanzierte Bundesschülerkonferenz teilnehmen wollen, ist auf Freitag, den 20. 11. angesetzt. Wenn’s dann immer noch heißt, „die Teilnehmerzahlen blieben hinter den Erwartungen der Organisatoren zurück“ („Tagesschau“), schickt die Junge Union wieder die Bundeswehr.
taz: Nach der Wahl in Israel kann niemand so einfach regieren, weil selbst Teile der Anti-Netanjahu-Opposition nicht mit den arabischen Parteien zusammenarbeiten wollen. Wie kommt das Land aus der Blockade raus?
Küppersbusch: Vielleicht, indem die überraschend starken „arabischen“ Parteien eine „Change“-Regierung unter Eisenkot dulden. Fürs Protokoll: „arabische“ Partei ist schon schön Propagandasprech, die Parteien sind natürlich israelisch und sollen nur anders geframed werden. Eine Wahl, bei der nur entschieden wurde, wer als nächster Gaza bombardiert, Kriegsverbrechen begeht und völkerrechtswidrige Kriege führt, wäre auch keine gewesen.
taz: Die deutschen McDonald’s-Filialen haben den McRib aus dem Sortiment genommen. Wo bekommen wir jetzt unseren Schweinefleischburger her?
Küppersbusch: Das „spare rib“ -Brötchen war die essbare Trump-Frisur: Nix daran war echt. Statt „Rippchen“ gab es Schweine-Formfleisch, statt Grillgeschmack „Raucharomen“. Die hat die EU nun verboten und damit den McRib getötet. Öhm. Fragt mich da gerade die taz, wo sie Schweinefleischburger herbekommt? Haha, und ich bin voll drauf reingefallen!
taz: Und was macht der RWE?
Küppersbusch: Findet eine gütliche Einigung mit der „Hafenkneipe“ am „Stadion Hafenstraße“. Ultras hatten aufgebracht, dass der Club für ein RWE-Logo an der Kneipe „einen niedrigen vierstelligen Betrag“ gefordert hatte. Ehrlich: erst aufsteigen, dann so bescheuert werden wie die da oben. Nicht andersrum. Fragen: Leon Holly
Friedrich Küppersbusch ist Journalist, Produzent und winterlich zumute
Jahrgang: gut. Deutscher Journalist, Autor und Fernsehproduzent. Seit 2003 schreibt Friedrich Küppersbusch die wöchentliche Interview-Kolumne der taz „Wie geht es uns, Herr Küppersbusch?".
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