Erst bröckelt die Autorität, dann die Macht
Die Wahlniederlage in Sachsen-Anhalt, katastrophale persönliche Umfragewerte und Pannen bei der Kabinettsumbildung. Steht Merz als Kanzler vor dem Aus?
13.09.2026 | 4:12 minWie und woran zeigen sich die Vorboten des Machtwechsels? Der Kanzler ringt ganz offensichtlich um die Parteimacht als Vorsitzender. Er versucht, das parteipolitische Establishment im Umfeld der kommenden Wahlen auf sich zu verpflichten.
Mit der Macht des Vorsitzenden möchte Friedrich Merz die Macht als Kanzler stabilisieren. Parteimacht ist Kanzlermacht. Gerhard Schröder und Angela Merkel mussten leidlich erfahren, wie schnell Kanzlermacht verfällt, wenn Parteimacht abgegeben wird.
Es scheint nötig zu sein, dass sich nun alle acht Ministerpräsidenten der CDU hinter Merz versammeln. In einem gemeinsamen Statement sprechen sie sich gegen Personaldebatten aus. Die Nervosität in der Partei wächst.
"Es geht um die Zukunft von Friedrich Merz", sagt der stellv. Leiter des ZDF-Hauptstadtstudios Wulf Schmiese mit Blick auf die Landtagswahlen.
16.09.2026 | 4:37 minVier Merkmale für das Ende einer Kanzlerschaft
Es sind vier signifikante Merkmale, die das Ende einer Kanzlerschaft begleiten, ohne den Zeitpunkt konkret vorher zu bestimmen, wann das Ende eintritt.
- Machterosionen: Fehlende Unterstützung - hier gilt vor allem der Autoritätsverlust innerhalb der eigenen Partei. Kleinste Personalveränderungen gelingen nicht mehr. Öffentliche Rücktrittsforderungen aus der eigenen Partei. Ergänzend kommen häufig Ermüdung am Führungsstil des Kanzlers oder gar am Kanzler selbst hinzu.
- Steuerungsverluste: Endloser Politikstau - hier ist es weniger der Widerpart zwischen Bundestag und Bundesrat, der diese Arena jahrelang prägte, sondern vielmehr die Blockaden im Politikmanagement der Koalition bei der Umsetzung der Reformvorhaben.
Seit der Wahlniederlage in Sachsen-Anhalt geht das Gerücht eines Kanzlertauschs um. Friedrich Merz stehen mehrere Optionen offen, darauf schnell zu reagieren.
15.09.2026 | 2:13 minAuch die Kommunikation spielt eine Rolle
Merz' Beliebtheitswerte sind im Keller. Im aktuellen ZDF-Politibarometer bewerten 75 Prozent der Befragten die Arbeit des Kanzlers als schlecht. Auch das ein Merkmal für das Ende einer Kanzlerschaft:
- Kommunikationsdefizite: Anhaltendes Meinungstief - hier helfen die Daten der öffentlichen Meinung und der veröffentlichten Meinung, um Tiefpunkte zu markieren.
- Realitätsverluste: Die Stufen der Vereinsamung - hier deutet viel darauf, kein realistisches Bild der politischen Lage mehr zu bekommen, sondern nur noch geschönte, verzerrte Bilder; das ist eine Verselbständigung der Macht in Wagenburgen.
Die innenpolitische Krise ist mit Merz zum Gipfeltreffen nach Finnland gereist. Das Landtagswahlergebnis beschäftigt ihn offenbar auch dort. Fragen ließ er nicht zu, so Wulf Schmiese.
14.09.2026 | 1:58 minWie ein Kanzler unter Druck reagieren kann
Wie lässt sich so ein politisches Ende aufhalten? Ein Kanzler unter Druck müsste ein politisches Projekt beschreiben. Sanieren, reformieren, verändern. Die Resonanz bei der Wählerschaft bleibt allerdings begrenzt. Es fehlt der mobilisierende Neuigkeitswert. Zudem fehlt das Vertrauen in die Lösungskompetenz der Transformationsaufgaben.
Wirkungsvoller ist eher die schubweise Selbsterneuerung der Regierungsmannschaft. Die Rochade des Personals steht dann für Aufbruch und effizienteres Politikmanagement. Es wurde bekanntlich zu Beginn der Sommerpause versucht und nach Einschätzung der Beobachter verstolpert.
Die dritte Auswegstrategie ist die Erzählung einer neuen Agenda, die nur glaubhaft wirkt, wenn der Regierung auch dazu die Problemlösungskompetenz zugestanden wird. So eine neue Agenda kann auch durch krisenhafte Zuspitzungen notwendig sein, so wie einst die "Zeitenwende-Rede" von Olaf Scholz.
CSU-Chef Markus Söder spricht sich im ZDF gegen eine Minderheitsregierung aus.
13.09.2026 | 5:37 minWie ein Kanzler zurücktreten kann
Eine Kanzlerschaft zu beenden ist indes gar nicht so einfach nach dem Grundgesetz. Die schlichteste Form der sogenannten Amtsbeendigung des Kanzlers ist der Rücktritt. Dieser ist im Grundgesetz nicht ausdrücklich geregelt, aber zulässig.
Da beim Rücktritt in der Regel der Kanzler nicht mehr geschäftsführend zu gewinnen sein wird, kann der Bundespräsident den sogenannten Vizekanzler geschäftsführend bitten, die Kanzlergeschäfte für die Zwischenzeit zu übernehmen, bis der Bundestag einen neuen Kanzler wählt. Das kann zügig erfolgen. Fristen nennt das Grundgesetz nicht für solche Ausnahmefälle.
Die Spekulationen über dieses Modell werden auch das Wahlwochenende von Mecklenburg-Vorpommern und Berlin begleiten. Unabhängig von Treueschwüren der CDU-Ministerpräsidenten in Richtung Merz.
Karl-Rudolf Korte ist Politikwissenschaftler und Experte in den ZDF-Wahlsendungen.
Über das Thema berichtete das ZDF in der Sendung "Berlin direkt" am 13.09.2026 ab 19:10 Uhr sowie bei ZDFheute Xpress am 15.09.2026 um 23:48 Uhr.
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