«Sex-Drive war gone»: Jetzt kontert Karina Denglisch-Häme

Darum gehts
- Ein SRF-Clip über die Zürcher Biohackerin Karina Repko (27) geht viral – wegen ihres ausgeprägten Denglisch.
- An ihrem Sprachgebrauch will sie trotz Häme nichts ändern: «Ich bin so und stehe zu mir.»
- Repko erklärt, sie spreche wegen ihres Jobs im Alltag zu 80 Prozent Englisch.
Erst vor einem Monat wurde der Zürcher Roman wegen seines Denglisch als «Finance Guy» zum Meme. Jetzt löst ein SRF-Ausschnitt über eine Zürcher Biohackerin erneut Spott und Häme über Anglizismen aus.
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«Glow. Skin glow. Basically. Und hair growth.» So beschreibt Karina Repko (27) in einer SRF-Reportage, was sie sich von Peptiden und Beauty-Spritzen erhofft. Und meint im Kurzclip weiter dass sie zunächst «worried» war und als sie zu viel genommen habe, «war mein Sex-Drive ein wenig gone». Dadurch sei ihre Motivation öfters «impacted» gewesen.
Wie beim «Finance Guy» geht der kurze Ausschnitt viral. In den Kommentaren dreht sich die Diskussion praktisch nur um ihr Denglisch: «Redet man im Schweizer Fernsehen nicht Deutsch?», fragt ein User. Andere schreiben: «Es ekelt mich an, wenn Leute so sprechen», «Die Gen-Z-Sprache macht mich wahnsinnig» oder bezeichnen Repkos Sprachmix als «Fiebertraum».
«Ich war verwundert und schockiert»
Nach dem viralen SRF-Clip spricht die betroffene Karina nun mit 20 Minuten: Freunde von der Universität St. Gallen hätten sie auf die hämischen Kommentare aufmerksam gemacht: «Ich war schockiert und kann nicht nachvollziehen, wie man sich so auf meine sprachliche Ausdrucksweise einschiessen kann.»
Repko könne zwar verstehen, dass Menschen, die privat und beruflich kaum mit Englisch zu tun hätten, ihren Sprachmix als künstlich oder befremdend empfinden könnten: «In einem viersprachigen und weltoffenen Land wie der Schweiz hat mich eine derart heftige Reaktion aber dennoch verwundert.» Als Schweizer müsse man sich deshalb ohnehin ständig an verschiedene Sprachsituationen anpassen. Diese Mehrsprachigkeit sei eine Stärke der Schweiz, die oft unterschätzt werde. «Wir Schweizer sollten uns bei diesen Herausforderungen eher gegenseitig unterstützen», sagt sie.
Auch den Shitstorm gegen den Zürcher «Finance Guy» könne sie nicht nachvollziehen. «Er tat mir leid, und ich konnte sehr mit ihm mitfühlen.»
«Wegen meines Jobs spreche ich im Alltag fast nur Englisch»
Dass sie in einem Satz Schweizerdeutsch und Englisch mischt, erklärt Repko mit ihrer Biografie. Sie wurde in der Ukraine geboren, zog mit fünf Jahren nach Deutschland und mit zwölf Jahren in die Schweiz. Sie studierte in Madrid und Sydney und gründete in den USA im vergangenen Jahr ein Start-up. «Im Alltag spreche ich deshalb zu rund 80 Prozent Englisch, ich lese beispielsweise auch nur englische Bücher und mache meine Notizen ausschliesslich auf Englisch.»
Sie spreche fünf Sprachen fliessend und zwei weitere gebrochen: «Ich denke und spreche multilingual», sagt sie. Eine einzige Muttersprache könne sie kaum mehr benennen.
«Für die Wirkung des Zusammenschnitts mache ich SRF keinen Vorwurf»
Repko betont, dass sie unmittelbar vor dem SRF-Interview ein langes englischsprachiges Meeting gehabt habe. Danach falle es ihr jeweils schwer, sprachlich wieder vollständig umzuschalten.
Der Dreh für die Reportage habe insgesamt drei Stunden gedauert. Im kurzen Social-Media-Ausschnitt entstehe deshalb der Eindruck, jeder zweite Satz sei Englisch. SRF mache sie dennoch keinen Vorwurf: «Ich bin mir sicher, dass der Ausschnitt themenbedingt so zusammengeschnitten wurde.»
«Ich bin so und stehe zu mir»
Mittlerweile könne sie die ganze Sache lockerer nehmen. Entscheidend sei für sie, wie ihr enges Umfeld mit ihrem Sprachgebrauch umgehe – und dort sei dieser kein Problem: «Sie reden ohnehin ähnlich.» Manche Gedanken könne sie auf Englisch oder in einer anderen Sprache besser ausdrücken. Auch mit ihrer Familie spreche sie oft einen Mix aus Ukrainisch, Deutsch und Englisch. Nach einem langen englischsprachigen Meeting antworte sie ihrer Mutter oder Schwester manchmal sogar versehentlich auf Englisch, erzählt Repko. «Ich bin so und stehe zu mir», sagt sie. Sie selbst versuche im Alltag, sich in andere Perspektiven zu versetzen. «Ich hoffe, die Kommentierer lernen das auch.»
Was hältst du davon, wenn du im Alltag Wörter aus mehreren Sprachen mischst?
Thomas Sennhauser (ths), arbeitet seit 2020 für 20 Minuten. Er begann als Videojournalist und wechselte nach zwei Jahren ins Ressort News wo er über gesellschaftliche Themen und Analysen zu Geschehnissen im Ausland schreibt.
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