Velolampen im Test – Keine Lampe ist ohne Schwäche

Jede vierte Person ist mit dem Velo bei Dunkelheit ohne Licht unterwegs. So warnte die Beratungsstelle für Unfallverhütung (BFU) vor zwei Jahren. Das ist riskant, denn nachts ist das Unfallrisiko für Velofahrer 1,5-mal so hoch wie am Tag.
So haben die Velolampen abgeschnitten
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Gute Sichtbarkeit für Dritte reduziert das Unfallrisiko, und die gesetzlichen Vorschriften sind klar: Für Velofahrer sind zwei Lichter vorgeschrieben, sie müssen nachts und bei guter Witterung auf 100 Meter sichtbar sein.
«Kassensturz» und das Konsumentenmagazin Saldo haben zehn Lampensets für Velos in einem Labor testen lassen. Das teuerste Set kostet 99.90 Franken, das günstigste 9.65 Franken.
Kein Set kann vollends überzeugen
Nur die Hälfte der Sets erhält im Test ein gutes Gesamturteil. Das Fazit von Wolfgang Herter, Testleiter des Prüflabors PZT, lautet: «Keine Lampe hat richtig überzeugt. Alle hatten in gewissen Bereichen Stärken und Schwächen.» Für ein sehr gutes Urteil reichte es keinem Lampenset.
So wurde getestet
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Das Prüflabor PZT in Wilhelmshaven hat im Auftrag von «Saldo» und «Kassensturz» zehn Front- und Rücklichter fürs Velo auf folgende Punkte hin untersucht:
Beleuchtung: Wichtigstes Kriterium, bei den Endresultaten wurde es mit 80 Prozent gewichtet. Es setzt sich zusammen aus der Sichtbarkeit für Dritte und der Ausleuchtung der Fahrbahn, wobei die Ergebnisse des ersten mit 70 Prozent ein grösseres Gewicht haben.
Sichtbarkeit für Dritte: Die Experten im Labor klärten ab: Wie hell sind die Lichter? Wie gut sieht man Velofahrende von vorne, von hinten und von der Seite? Werden andere Verkehrsteilnehmer vom Frontlicht geblendet?
Ausleuchtung Fahrbahn: Die Labormitarbeiter prüften in diesem Punkt: Wie gut ist die Sicht für den Fahrer selbst? Die Tests wurden mit maximaler Lichtstärke durchgeführt. Nach welcher Zeit reduzieren die Lampen automatisch die maximale Helligkeit? Und wie breit streut das Licht?
Akku: Die Akkulaufzeiten von Vorder- und Hinterlichtwurdenfür das Gesamtergebnis mit 15 Prozent gewichtet. Gemessen wurde, wie lange die Akkus des Front- und des Rücklichts bei maximalem Licht leuchten und wie lange es dauert, bis beide Lichter wieder komplett aufgeladen sind.
Handhabung: Die Ergebnisse dieses Testkriteriums flossen mit fünf Prozent in das Endresultat ein. Die Laborexperten ermittelten in einem Praxistest: Wie einfach lassen sich die Lampen montieren, entfernen und bedienen? Wie einfach lassen sich die Modelle aufladen? Lässt sich der Lichtstrahl ohne Probleme ausrichten?
Im Praxistest prüften sie ebenfalls: Sind die Produkte gegen Spritzwasser geschützt oder dringt Wasser in die Linse oder den Akku ein? Überstehen die Scheinwerfer je sechs Stürze auf verschiedenen Seiten von einem Meter Höhe auf einen Betonboden? Die gute Nachricht: Keine Lampe war anfällig auf Wasser. Neun von zehn Produkten überstanden auch die Falltests problemlos.
Bewertet hat das Prüflabor die Kriterien Sichtbarkeit für Ditte, Ausleuchtung Fahrbahn und Akkudauer. Das beste Ergebnis mit Note 5,2 erreicht das teuerste Velolampen-Set im Test, «Apollo 500 + Sichtbar Pro» von Veloplus.
Es ist auf der Strasse am besten sichtbar für Dritte. Seine Schwäche: Der Akku des Rücklichts hält nur eine Stunde. Das drückt die Gesamtnote. Veloplus schreibt, das Rücklicht des geprüften Sets sei ein Auslaufprodukt und werde bald ersetzt.
Mit Note 5,0 folgt das Elops-Set von Decathlon. Gute Werte erreichen die Lampen bei den Kriterien Sichtbarkeit für Dritte und Akkulaufzeit. Doch zeigt sich eine Problematik, die bei vielen Sets auftrat: Der Akku des Frontlichts hat eine viel längere Laufzeit hat als derjenige für das Rücklicht.
Akkulaufzeiten drücken Noten
Gesamturteil «Gut», aber etwas tiefere Noten gibt es für die Lampensets von Stoke, Leyzyne und Landi. Alle drei schneiden bei der Sichtbarkeit mit guten Noten ab, ebenso bei der Ausleuchtung der Fahrbahn. Wie beim Testsieger ist bei Leyzyne die Akkulaufzeit das Problem und erhält dafür eine knapp genügende Note: Beim Frontlicht war nach einer Stunde und 16 Minuten Ende Feuer. Im Vergleich dazu leuchtete das Intertronic-Vorderlicht volle fünfeinhalb Stundenlang.
Trotz der besten Note für die Akkus (5,4) landet Intertronic mit zwei weiteren Sets nur im Mittelfeld: Migros Active hat weder grosse Schwächen noch Stärken. Bei Knog Blinder 400 ist im Praxistest am Rücklicht ein Teil der Halterung abgebrochen.
Zwei Sets fallen durch. Eines davon ist Phmax, das günstigste im Test, eingekauft bei Temu. Das Rücklicht ist mangelhaft und bei Nacht lediglich bis 8 Meter sichtbar. Immerhin das Frontlicht ist in Ordnung. Temu schreibt, sie hätten das Produkt aus dem Verkauf genommen und weitere Tests eingeleitet.
Beim zweiten Knog-Modell «Blinder Skull» genügt das Frontlicht nicht. Es ist in der Dunkelheit nicht auf die 100 Meter sichtbar wie gefordert. Der Importeur der australischen Marke Knog schreibt, das Licht werde bewusst breit gestreut, damit Velos auch von der Seite sichtbar seien. Ausserdem gebe die Berechnung der Reichweite die Sichtbarkeit auf der Strasse nicht unbedingt praxisnah wieder.
Stellungnahmen
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Temu: Temu teilt «Kassensturz» in einer Stellungnahme zum ungenügenden Velolicht «Phmax» mit: «Das betreffende Produkt wurde entfernt und ist bis auf Weiteres nicht mehr im Verkauf, da weitere Tests ausstehen. Wir haben vorsorglich auch den Verkauf ähnlicher Produkte ausgesetzt und eine Überprüfung der Produkte eingeleitet.»
Knog: Der Importeur der australischen Marke Knog, Fuchs-Movesa, schreibt zum abgebrochenen Teil beim Lichtset Blinder 400 & Plus Bike Light Set, sie könnten nicht nachvollziehen, weshalb die Halterung des Rücklichtes Plus gebrochen sie. Sie hätten die Halterung aber als Ersatzteil im Angebot.
Zum «ungenügenden» Blinder Skull schreibt Fuchs-Movesa:
«Bei Knog ist der Blinder Skull als Licht konzipiert, das den Velofahrer im Stadtverkehr sichtbar macht. Anstatt die Lichtleistung auf einen schmalen, fokussierten Lichtstrahl zu konzentrieren, verteilt er das Licht bewusst über einen weiten Winkel, damit Velofahrer an Kreuzungen und im Verkehr auch von der Seite sichtbar sind und nicht nur aus der Ferne von vorne. Das ist … der direkte Grund dafür, dass die gemessene Lichtstärke – und jede daraus berechnete Leuchtweite – geringer ausfällt als bei einer Lampe mit schmalerem Lichtstrahl und derselben Lumen Leistung, wie beispielsweise dem Knog-Blinder 400 & Plus Set, das für einen anderen Zweck entwickelt wurde.
Knog möchten ausserdem darauf hinweisen, dass die im Test angegebene Leuchtweite keine physikalische Messung dessen ist, wie weit das Licht auf der Strasse zu sehen ist; es handelt sich um einen Wert, der aus einer einzigen Messung in 1 Meter Entfernung von der Lampe berechnet und mathematisch nach aussen projiziert wird. Bei einer Lampe wie der Blinder Skull, die bewusst einen breiten Lichtstrahl hat, um gut gesehen zu werden, glauben wir nicht, dass diese Berechnung widerspiegelt, wie Velofahrer und andere Verkehrsteilnehmer das Licht unter realen Bedingungen tatsächlich wahrnehmen – was auch der Grund dafür ist, dass die Reichweitenangaben, die wir Velofahrern für unsere Lampen geben, als praktische, realitätsnahe Richtwerte gedacht sind und nicht als Laborwerte.»
Veloplus: Veloplus schreibt: «Das Rücklicht Sichtbar Pro ist bei uns ein Auslaufartikel und in einzelnen Läden bereits nicht mehr im Sortiment. Wir hatten bei diesem Modell je nach Charge Probleme mit der Akkulaufzeit, weshalb wir uns entschieden haben, es aus dem Sortiment zu nehmen.
Das Apollo Lichtset mit dem Sichtbar Pro Rücklicht befindet sich entsprechend ebenfalls im Auslauf. Das Sichtbar Smart Rücklicht wird die Lücke bei den Rücklichtern schliessen (Lieferbar ab Ende September).»
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