30 Jahre Schweiz in Bosnien – Zum Jubiläum kappt der Bundesrat die Entwicklungszusammenarbeit

30 Jahre Schweiz in Bosnien Zum Jubiläum kappt der Bundesrat die Entwicklungszusammenarbeit
Die Schweiz feiert die Freundschaft mit Bosnien. Gleichzeitig beschliesst der Bundesrat das Ende aller Deza-Projekte. Das letzte Wort hat allerdings das Schweizer Parlament.
29.09.2026, 08:39
Bosnien und Herzegowina gilt als einer der politisch fragilsten Staaten auf dem Balkan. Die Versöhnung der drei grossen Bevölkerungsgruppen kommt nur langsam voran.
In diesem Umfeld feierte die Schweiz vor wenigen Tagen das 30-Jahr-Jubiläum der Schweizer Botschaft in Sarajevo. Wenige Tage zuvor beschloss der Bundesrat, bis 2029 alle Projekte der Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (Deza) einzustellen. Das stösst in der Schweiz und in Bosnien auf Unverständnis.
Entwicklungshilfe auf dem Prüfstand
Bisher leisten in Bosnien (wie in vielen anderen Ländern) sowohl die Deza wie auch das Seco (Staatssekretariat für Wirtschaft) Entwicklungszusammenarbeit. Künftig soll in einem Land nur noch eine Agentur, also Deza oder Seco aktiv sein. Laut dem Departement Cassis wird das in Bosnien das Seco sein. Das Deza soll bis 2029 Bosnien verlassen.
Hauptgründe sind laut dem Eidgenössische Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) einerseits Sparmassnahmen und eine Neuausrichtung der Schweizer Entwicklungszusammenarbeit. «Cassis’ Kahlschlag» titelte das Online-Magazin «Republik». Gekürzt werde «mit fadenscheinigen Argumenten», es sei «ein kleiner trumpscher Coup auf Schweizer Art».
Tatsächlich stösst vielen im Parlament sauer auf, dass der Bundesrat entschied, ohne das Parlament zu konsultieren. Viele stört, dass der Entscheid auf einem Gutachten basiert, der von Daniel Schmutz verfasst wurde, dem früheren Direktor der Krankenkasse Helsana, der über keine Erfahrung in der Entwicklungszusammenarbeit verfügt.
In Bosnien kommt der Abzug des Deza schlecht an. Etwa in der Maschinenfabrik GS-Tvornica in der Stadt Travnik. Hier führte die Schweiz durch die Deza in den letzten Jahren das duale Berufsbildung-Systems ein, die Berufslehre nach Schweizer Vorbild. Die bosnischen Verantwortlichen verstehen nicht, dass sich die Schweiz jetzt zurückziehen will.
Seco übernimmt weiterhin Projekte
«Das ist, wie wenn man den Ast absägt, auf dem man sitzt. Damit wirft die Schweiz alles weg, was sie hier investiert hat in der Vergangenheit», sagt Efka Heder, die das Projekt für das deutsche Beratungsunternehmen Gopa im Auftrag des Deza leitet. Und Vedad Karic, Geschäftsführer der Maschinenfabrik sagt diplomatisch: «Ich bin wirklich nicht glücklich, das zu hören. Das ist ein grosser Rückschritt für uns.»
Bosnien ist nicht mehr das Land, das es vor 30 Jahren war.
Es sei nicht das Ende der Schweizer Entwicklungszusammenarbeit in Bosnien, sagt dagegen Gabriele Derighetti, der Schweizer Botschafter in Sarajevo. «Bosnien ist nicht mehr das Land, das es vor 30 Jahren war. Wir passen uns an an die Entwicklung des Landes. Wir bleiben hier präsent mit wirtschaftlicher Kooperation.»
Weitergeführt werden die Projekte des Seco. Dieses hat etwa in der Stadt die Restaurierung der maroden Wasserversorgung mit 4.75 Millionen Euro mitfinanziert. Und derzeit baut die Stadt eine Kläranlage, an die das Seco erneut 4.75 Millionen Euro bezahlt. Bisher fliesst das Abwasser ungeklärt in den Fluss Bosna.
Auch die Arbeit der ETH Zürich in Sarajevo wird weitergeführt. ETH-Wissenschafter haben hier in den letzten zehn Jahren einen sogenannten «digitalen Zwilling» der Stadt erstellt. Ein digitales Modell mit Unmengen von Daten über Bevölkerung, Verkehr, Luftqualität und vieles andere, auf die Politik und Stadtplanung ihre Entscheide abstützen können.
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