Jubiläum des Comics "Tim und Struppi": Beliebt wie eh und je
Stand: 26.09.2026 • 13:11 Uhr
Die Comics über den Reporter Tim und seinen Hund Struppi gab es schon vor dem Krieg. Doch vor 80 Jahren feierten sie den Durchbruch. Der Erfolg hält bis heute an. Neue Bücher durften nach dem Tod von Erfinder Hergé aber nicht erscheinen.
"100.000 heulende Höllenhunde" - das war der beliebteste Wutsatz von Kapitän Haddock. So konnte nur der cholerische Liebling aus den "Tim und Struppi"-Comics fluchen.
Deren Erfinder Georges Remi, der sich später Hergé nannte, hatte sich die Schimpftiraden bei den Brüsseler Markthändlern abgehört. Sie kommen in der ersten Zeichentrick-Adaption von 1957 vor. Elf Jahre zuvor hatte es das erste gedruckte eigenständige Heft gegeben - am 26. September 1946, vor genau 80 Jahren.
Typen aus der Wirklichkeit
Im Mittelpunkt der Geschichten stand ein junger Reporter mit einem schneeweißen Foxterrier - energisch, intelligent, flink und mutig. Daneben Kapitän Haddock und viele andere Typen, die sich Hergé aus der Wirklichkeit abschaute. Im Fernsehen sprach er zehn Jahre nach dem ersten Magazin ausführlich über sein Werk:
Es gibt die Bösen. Es gibt die Guten. Es gibt die dazwischen. Es gibt alle möglichen Charaktere, die man sich nur ausdenken kann.
Georges Remi, alias Hergé
Vom Kollaborateur zum Vorbild
Vielen galt der Autor da noch als Nazi-Helfer. Mit den deutschen Besatzern hatte er gut und profitabel zusammengearbeitet. Hergé malte an der sauberen Kulisse der Normalität. Draußen hungerten die Belgier, viele wurden deportiert. Dann war der Krieg vorbei, die Menschen wollten Ablenkung und Unterhaltung und dann kam das erste Heft: der Sonnentempel.
Hergé war plötzlich nicht mehr der Kollaborateur. Er wurde zum Vorbild einer unbelasteten Jugendkultur. "Jedes Kind möchte wie Tim sein. Kinder können sich mit Tim total identifizieren", sagte er. "Das ist, glaube ich, einer der wichtigsten Gründe für seinen Erfolg."
Niemand durfte die Serie weiterführen
Getragen wurde der Erfolg auch von seinen Zeichnerinnen und Zeichnern. Denn Hergé durfte die Arbeit nicht mehr alleine machen. Politisch makellos musste sie sein - mit einer hohen künstlerischen Qualität, die Hergé anfangs vermissen ließ. Hergé starb 1983. In seinem Testament steht, niemand darf die Serie nach ihm weiterführen. Auch nicht seine Zeichner.
In einer französischen Talkshow erklärte er wenige Jahre vor seinem Tod die Grüne: Er habe hervorragende Mitarbeiter, die Großartiges leisteten - besser als er selbst es könnte, sagte Hergé. "Aber ich glaube, dass es im Grunde trotzdem etwas ganz Persönliches ist", erklärte er. "Tim bin ich eigentlich selbst. Kapitän Haddock, das bin ich. Und deshalb denke ich, es ist besser so."
Bald fast 300 Millionen Exemplare?
Aus dem billig gedruckten Magazin mit wenigen Seiten von 1946 wurden viele Hochglanzbände. Die Weltauflage liegt bis jetzt bei 230 Millionen Exemplaren - mindestens. Laut der offiziellen "Tim und Struppi"-Plattform könnten es schon bald fast 300 Millionen Exemplare weltweit werden. Übersetzt wurden die Comics in 80 Sprachen und noch einmal in rund 30 regionale Dialekte.
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