Nach Midterms-Debakel – Kritik an Trump-Regierung: Bringt sich J.D. Vance in Position?

- Nach der Niederlage der Republikaner bringt sich J.D. Vance bereits in Stellung.
- Öffentlich sucht der Vizepräsident nach den Ursachen des Wahldebakels und geht dabei ungewöhnlich hart mit der eigenen Regierung ins Gericht.
- Er geht auf Distanz zu Trump, stellt zentrale Punkte seiner Politik infrage und entfacht einen Streit über den künftigen Kurs der Partei.
Während Trump nach dem Wahldebakel seiner Republikaner auf der Baustelle des Ballsaals im Weissen Haus von geplanten Kronleuchtern und Marmorböden schwärmt und einen Stahlträger signiert, zieht sein Vize das politische Fazit aus den Midterms.
In den sozialen Medien wird Vance in einer ungewöhnlich offenen Analyse deutlich: «Der Grund, weshalb wir verloren haben, ist der Krieg.» Damit geht er auf Distanz zu seinem Präsidenten.
Vom «Never Trumper» …
Aufgewachsen ist J.D. Vance in einer verarmten Industriestadt im Rust Belt im US-Bundesstaat Ohio, die Mutter alleinerziehend und drogenabhängig. Aufgezogen hat ihn die Grossmutter.
Er besucht das Militär als Marine und studiert später an der Eliteuniversität Yale, wo er auch seine jetzige Ehefrau Usha kennenlernt, und arbeitet später im Silicon Valley.
2016, mit 32 Jahren, legt er das autobiografische Buch «Hillbilly-Elegie» vor, das zum Bestseller avanciert und erfolgreich verfilmt wird, inklusive Oscar-Nominierungen. Mit dem Buch wird Vance schlagartig national bekannt.
Ich kritisiere Trump für vieles. Ich finde einiges falsch, was er sagt.
Damals ist er noch scharfer Kritiker Donald Trumps: Er nennt sich einen «Never Trumper» und Trump «gefährlich»: «Ich kritisiere Trump für vieles. Ich finde einiges falsch, was er sagt. Aber vor allem: Menschen fühlen sich angegriffen, nicht unbedingt davon, was er sagt, sondern davon, wie. Anständige Menschen reden nicht so.»
… zu Trumps Vize
Aber nach seinem Eintritt in die Republikanische Partei im Jahr 2021 ändert Vance seine Haltung komplett, wird Verfechter der America-First-Doktrin, der Maga-Bewegung, und wird als solcher ein Jahr später für Ohio in den Senat gewählt. Mit der Präsidentschaftswahl 2024 wird Vance als Vizepräsident sogar zu Trumps engstem ideologischen Verbündeten.
Das zeigt sich exemplarisch, als der ukrainische Präsident Wolodimir Selenski im Februar 2025 im Oval Office zu Gast ist. Das Treffen damals eskaliert: «Herr Präsident – bitte sehr, es ist respektlos, vor versammelter amerikanischer Presse Streit anzufangen. Sie versuchen, Wehrpflichtige an die Front zu zwingen. Sie sollten unserem Präsidenten dankbar sein, dass er sie unterstützt», sagte Vance.
Wendepunkt Iran-Krieg?
Aber ein Jahr später startet die Regierung Trump Anfang 2026 den Iran-Krieg, was Vance grundsätzlich ablehnt. Wegen der blockierten Strasse von Hormus steigen die Benzinpreise. Die US-Regierung gerät unter Druck.
Kurzeinschätzung von SRF-USA-Korrespondent Pascal Weber
Sich als Nachfolger zu positionieren, solange er noch Vize ist, ist für jeden Vizepräsidenten ausserordentlich schwierig.
Wir erinnern uns an Mike Pence, den ersten Vizepräsidenten von Donald Trump in dessen erster Amtszeit. Mike Pence hat sich bis zuletzt nicht von Donald Trump distanziert. Er hat bis zuletzt zu ihm gehalten. Erst nach dem Kapitol-Sturm hat er sich von Donald Trump entfernt. Donald Trump hat Mike Pences Verhalten am 6. Januar 2021 als solchen Verrat empfunden, dass die politische Karriere von Mike Pence danach vorbei war.
Aber auch Kamala Harris, die Vizepräsidentin von Joe Biden, konnte sich nie aus dem Unbeliebtheitsschatten, den Joe Biden geworfen hat, lösen.
Und auch J.D. Vance wird sich schwertun – auch wenn er so etwas wie der natürliche Kronprinz ist. Auch wenn er sich schon ganz zu Beginn von diesem Iran-Krieg distanziert hat. Auch wenn er beim Midterm-Parteitag der Republikaner vor zwei Monaten in Dallas einen warmen Applaus der Maga-Basis abgeholt hat.
Der ehemalige mächtige republikanische Speaker des Repräsentantenhauses, Newt Gingrich, wird im «Wall Street Journal» zitiert mit den Worten: «Ein beträchtlicher Teil des Glanzes, auch von J.D. Vance, ist verflogen.»
Dieser Krieg als Grund für die republikanische Wahlniederlage? John Bolton, Trumps ehemals engster Berater, bezweifelt das: «Die Menschen machen sich Sorgen um die hohen Benzinpreise, ausgelöst durch diesen Krieg. Aber es geht nicht um den Krieg an sich. Das Bemerkenswerte an Vances Aussage ist, dass er versucht, sich von Donald Trump abzugrenzen.»
Wohl auch im Hinblick auf seine eigene politische Zukunft, wenn er bei den Präsidentschaftswahlen 2028 für die Republikaner die Hauptrolle spielen will.
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