«Ohne Vorankündigung»: Polizei beendet 60-jährige Live-Tradition

- Die Stadtpolizei Zürich hat der Band Lucky Boys beim Restaurant Schützenruh am Samstag mitten im Konzert den Stecker gezogen.
- Als Begründung nennt die Polizei, dass die Zelte ausserhalb des offiziellen Knabenschiessen-Geländes liegen und der Wirt keine gültige Bewilligung vorweisen konnte.
- Wirt Beat Müller und die Band zeigen sich fassungslos: Der Festbetrieb findet seit 60 Jahren in dieser Form statt.
Grosses Unverständnis bei Beat Müller, Wirt des Restaurants Schützenruh beim Albisgüetli, und der Band Lucky Boys: Während die Band am Samstag spielte, wurde ihr von der Stadtpolizei der Stecker gezogen. Der «Blick» berichtete darüber. Das Konzert fand im Rahmen des Knabenschiessens statt, das Restaurant bietet seit 60 Jahren einen Festbetrieb hinter dem Restaurant an. Genau hier sah die Polizei nun ein Problem. Die Zelte befänden sich ausserhalb des Geländes des Zürcher Traditionsanlasses.
Die Band zeigt sich in einem Facebook-Post irritiert: «Wir respektieren selbstverständlich gesetzliche Vorschriften und behördliche Auflagen. Trotzdem stellt sich für uns die Frage, weshalb eine Veranstaltung, die seit Jahrzehnten in dieser Form zum Knabenschiessen-Wochenende gehört, plötzlich und ohne eine für uns nachvollziehbare Vorankündigung nicht mehr mit Livemusik durchgeführt werden darf.»
Das sagt der Wirt
Genauso gross ist das Unverständnis bei Wirt Beat Müller. Von den 60 Jahren habe er den Festbetrieb beim Schützenruh selbst zehn Jahre durchgeführt, Probleme habe es nie gegeben. «Wir haben alles gleich gemacht wie in den letzten Jahren auch.» Der Polizeieinsatz hat für ihn Einbussen und ein Durcheinander im Arbeitsplan zur Folge. «Es ist ein riesiger Rattenschwanz.»
Das sagt die Polizei
Die Stadtpolizei Zürich erklärt gegenüber dem «Blick», der Wirt habe die für den Festbetrieb notwendige Bewilligung nicht vorweisen können. «Im Sinne der Verhältnismässigkeit haben wir gesagt, dass der Betrieb auf dem Platz am Sonntag und Montag trotzdem weitergeführt werden darf, einfach ohne die Lautsprecher», so die Polizei.
Bub aus Turbenthal führt
Das Zürcher Knabenschiessen verfügt als ältestes Volksfest der Stadt Zürich über eine langjährige Tradition. Über 800’000 Besucherinnen und Besucher lockt das Traditionsfest jährlich aufs Albisgüetli. Am ersten Chilbitag hatten sich gemäss Angaben des Knabenschiessens insgesamt 1308 Jugendliche im Schiessen gemessen.
Fünfzehn Mädchen und Buben haben Stand Sonntagnachmittag je 34 Punkte erzielt. Aktuell führt ein 2011 geborener Bub aus Turbenthal ZH das Rennen mit 35 Punkten an. Am Montag können sich Anwärterinnen und Anwärter zwischen 8 und 10 Uhr weiterhin für den Ausstich qualifizieren.

Vergangenes Jahr nahm der damals 16-jährige Cla Meier aus Richterswil im Kanton Zürich den begehrten Titel des Schützenkönigs und das Preisgeld von 5000 Franken mit nach Hause.
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Justin Arber (jar), Jahrgang 1999, arbeitet seit 2022 als Redaktor am Newsdesk. Zeitweise übernimmt er da die Schichtleitung im Früh- und Spätdienst.
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