Schwarz, Weiss, Grau – Wo sind die bunten Autos geblieben?

Grau, Schwarz und Weiss dominieren den Schweizer Neuwagenmarkt. Vier von fünf neu zugelassenen Autos tragen heute eine dieser Farben. Der Trend zeigt sich auch bei Kleidung und anderen Alltagsgegenständen.
12.09.2026, 15:47
«Wer das Gefühl hat, dass in den 90er-Jahren deutlich mehr farbige Autos unterwegs waren, täuscht sich nicht», schreibt der «Tagesanzeiger».
1985 war Rot mit einem Anteil von knapp 23 Prozent die beliebteste Farbe bei Neuwagen. Das zeigen Zahlen des Bundesamts für Strassen (Astra). Heute liegt der Anteil nur noch bei 3.8 Prozent. Derzeit sind 9 Prozent der neu zugelassenen Fahrzeuge blau und 5.3 Prozent grün.
Grau, Schwarz und Weiss vereinen inzwischen fast 80 Prozent aller neu zugelassenen Personenwagen auf sich. Laut dem Lackhersteller Axalta handelt es sich dabei um einen weltweiten Trend.
Warum neutrale Farben dominieren
Wie lässt sich die Dominanz von Weiss, Schwarz und Grau erklären? Autohändler setzen laut Michael Baumann von Amag bevorzugt auf zeitlose Farben, die möglichst vielen Kundinnen und Kunden gefallen.
Selbst die steigenden Temperaturen scheinen der Beliebtheit schwarzer Autos bislang wenig anzuhaben. Zwar heizt sich schwarze Lackierung unter Sonneneinstrahlung stärker auf, doch laut Amag spielen Klimaanlage, Verglasung und Innenausstattung eine wichtigere Rolle.
Das Unternehmen rechnet höchstens mit einem leichten Wachstum bei dezenten Grün- und Blautönen sowie bei warmen Naturfarben.
Die Astra-Daten deuten zudem auf Unterschiede zwischen den Geschlechtern hin. Frauen wählen häufiger Violett, Orange oder Rot als Männer. Dennoch dominieren auch bei ihnen Grau, Schwarz und Weiss.
Nicht nur Autos werden grauer
Der Trend zu neutralen Farben zeigt sich auch in anderen Bereichen des Alltags. Laut dem Onlinehändler Galaxus sind derzeit mehr als 43 Prozent der verkauften Kleidungsstücke schwarz. 2019 lag dieser Anteil noch bei 33 Prozent.
Besonders beliebt ist Schwarz bei den unter 30-Jährigen: Fast 60 Prozent ihrer Kleidungskäufe entfallen auf diese Farbe. Galaxus bestellt deshalb teilweise grössere Mengen schwarzer Kleidungsstücke, um die Nachfrage sicher decken zu können.
Therese Hänni, Leiterin und Eigentümerin des Berner Ausbildungszentrums Koloristika, erklärt diesen Trend mit einem zunehmenden Minimalismus und dem Wunsch nach Nachhaltigkeit. Neutrale Farben liessen sich länger tragen und einfacher kombinieren.
Bei jungen Menschen komme ein weiterer Faktor hinzu: «Sie wollen nicht auffallen, sondern dazugehören», sagt sie.
Von Haushaltsgeräten bis Smartphones
Der «Tagesanzeiger» verweist zudem auf eine Analyse der britischen Science Museum Group. Dafür wurden mehr als 7000 Fotografien von Alltagsgegenständen aus den vergangenen zwei Jahrhunderten untersucht – von Telefonen bis zu Haushaltsgeräten.
Das Ergebnis: Dunkles Anthrazitgrau dominiert heute deutlich stärker als früher. Materialien wie Holz, die einst weitverbreitet waren, sind dagegen seltener geworden.
Eine Ausnahme bildet laut der Analyse vor allem der Sportbereich. Besonders im Wintersport oder im Radsport bleiben auffällige und farbige Designs beliebt.
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