Staaten mit Schulden – Was sind Staatsanleihen und wie funktionieren sie?

Grossbritannien, Frankreich und die USA haben etwas gemeinsam. Sie haben hohe Schulden und stehen unter Druck. Das zeigt sich bei den Staatsanleihen dieser Länder – deren Kurse fallen und Renditen steigen. Doch was versteht man eigentlich darunter und was haben Strassenproteste mit Staatsanleihen zu tun? Wirtschaftsredaktor Manuel Rentsch beantwortet die wichtigsten Fragen.
Manuel Rentsch
Wirtschaftsredaktor
Manuel Rentsch ist Wirtschaftsredaktor bei Radio SRF. Zu hören ist er unter anderem in der Sendung SRF 3 Wirtschaft.
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Was ist eine Staatsanleihe?
Staatsanleihen sind vereinfacht gesagt Kredite eines Staates, es sind Schuldscheine, Wertpapiere. Auf der einen Seite steht die Regierung eines Landes, die Geld benötigt, um laufende Ausgaben zu finanzieren. Auf der anderen Seite ist der Kapitalmarkt, das sind Banken, Versicherungen, Pensionskassen, Anleger, die dem Staat Geld leihen. Die Investoren erhalten einen regelmässigen Zins und am Ende der Laufzeit zahlt der Staat den Nennwert zurück. Unter Nennwert versteht man den Betrag, den sich das Land ausgeliehen hat. Staatsanleihen werden auf dem Kapitalmarkt gehandelt. Weltweit gibt es ausstehende Staatsanleihen mit einem Volumen von mehr als 70'000 Milliarden Dollar.
Was haben Schweizer Haushalte mit Staatsanleihen zu tun?
Die meisten Menschen in der Schweiz besitzen Staatsanleihen, ohne dass ihnen dies bewusst ist. Die Pensionskassen investieren einen Teil unseres Geldes in Staatsanleihen, auch die AHV und die Anlagefonds der Säule 3a, als Ergänzung zu Aktien und Immobilien.
Wann muss der Staat die Staatsanleihen zurückbezahlen?
Es gibt Staatsanleihen, die müssen bereits nach wenigen Monaten zurückbezahlt werden. Andere wiederum haben Laufzeiten von 30 Jahren und mehr. Am wichtigsten sind die Staatsanleihen mit einer Laufzeit von 10 Jahren. Das ist eine mittlere Dauer und somit sind sie bei Investoren und bei Staaten beliebt. Es sind die am meisten gehandelten Staatsanleihen.
Wie viel Geld kann man mit Staatsanleihen verdienen?
Das ist von Land zu Land unterschiedlich. Hier ist der Begriff der Rendite wichtig. Die Rendite einer Staatsanleihe ist der tatsächliche jährliche Gewinn, den eine Anlegerin oder ein Anleger mit der Anleihe erzielt, ausgedrückt in Prozent. Die Rendite setzt sich aus zwei Elementen zusammen: zum einen der feste Zins der Anleihe und zum anderen der Kurs der auf dem Markt gehandelten Anleihe. Aus diesen zwei Komponenten wird die Rendite berechnet.
Was bedeuten steigende Renditen?
Steigende Renditen können ein Hinweis sein, dass sich die finanzielle Lage eines Staates verschlechtert oder die Inflation zunimmt. Dadurch werden Kredite teurer. Wenn die Rendite steigt, dann nimmt der Druck zu. Der Staat muss sparen und das kann zu Protesten auf der Strasse führen, zum Beispiel wenn die Renten gekürzt oder die Löhne der Staatsangestellten gesenkt werden.
Wie steht die Schweiz im internationalen Vergleich da?
Die Schweiz gehört zu den Ländern mit den weltweit tiefsten Renditen auf zehnjährige Staatsanleihen, mit einem aktuellen Wert von knapp einem halben Prozent. Die Schweiz profitiert von einem hohen Vertrauen und einer ausgezeichneten Kreditwürdigkeit. Die Gläubiger wissen: Wenn die Laufzeit der Anleihe zu Ende ist, kommt das Geld zurück.
Wie steht es um die anderen Staaten?
Von den westlichen Staaten stehen aktuell vor allem Frankreich, Grossbritannien und die USA unter Druck. In den USA ist die Verschuldung ein Problem, in Frankreich die Ungewissheit über die Wahlen im kommenden Jahr und Grossbritannien leidet unter einer Flaute. Dies alles spiegelt sich in den Renditen der Staatsanleihen wider.
Interessant ist der Vergleich mit Griechenland. Das Land profitiert derzeit auf dem Kapitalmarkt von besseren Konditionen als zum Beispiel Frankreich. Griechenland hat es geschafft, die Staatsfinanzen zu sanieren und wieder Vertrauen zu schaffen.
Während der europäischen Schuldenkrise vor knapp 15 Jahren ist das Land in ein tiefes Loch gefallen, mit landesweiten Protesten gegen die Sparmassnahmen der Regierung. Die Rendite griechischer Staatsanleihen ist damals auf fast 40 Prozent geklettert und das Land hat auf dem Kapitalmarkt kaum mehr Geld erhalten. Eine Sanierung wurde unausweichlich.
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