Kriminelle Asylsuchende – Junge Nordafrikaner fordern Polizei und Behörden

Die Polizisten leuchten mit den Lampen an die Fassade. «Könnt ihr die Verfolgung der Täter aufnehmen?», funkt Kantonspolizist Mario Christen den Kollegen. Einbruch in ein Haus in Kreuzlingen, Kanton Thurgau, kurz nach 21 Uhr. Sie finden ein kaputtes Fenster. Dann der Funkspruch der Kollegen: Beim nahen Bahnhof stoppen sie einen verdächtigen Mann mit Schnittwunden an den Händen.
Es ist ein 19-jähriger Algerier mit Asylstatus. Er ist wegen rund einem Dutzend Delikte polizeilich erfasst. «Ein klassischer Intensivtäter», sagt Matthias Graf, Mediensprecher der Kantonspolizei Thurgau, zur «Rundschau». Der Mann habe die Delikte innert weniger Wochen begangen.
Schwieriger Umgang mit Tätern
«Wir haben seit drei Jahren hohe Fallzahlen», sagt Graf. «Vermögensdelikte, begangen von jungen Männern aus dem Maghreb.» 2025 waren es im Thurgau rund 1000 Delikte, mehrheitlich begangen von jungen Männern aus Marokko, Tunesien und Algerien. Dieses Jahr sind es bereits wieder knapp 900 Delikte.
Für die Polizei sind die vielen Straftaten eine Belastung. «Eine Patrouille ist für einen Fall stundenlang besetzt», sagt Graf. «Zudem ist der Umgang mit ihnen sehr mühsam, sie sind oft aggressiv, unkooperativ, man wird angespuckt.»
80 Prozent einer Straftat beschuldigt
Dieses Jahr gab es bis Ende September 15’667 Asylgesuche in der Schweiz. Der Anteil von Personen aus dem Maghreb liegt bei 17 Prozent. Fast alle Gesuche werden abgelehnt. Gemäss Zahlen des Bundes – die der «Blick» veröffentlichte – wurden 2024 80 Prozent der Nordafrikaner mit Asylstatus einer Straftat beschuldigt.
Das Problem ist seit Jahren ein Thema: Anfang 2024 kündigte Asylminister Beat Jans 24-Stunden-Verfahren an. Seit 2024 gingen die Gesuche von Personen aus Marokko und Tunesien zurück. Doch bei den Algeriern, der grössten Gruppe, sind sie konstant hoch geblieben. 2025 startete eine Taskforce gegen Intensivtäter.
2025 startet der Bund eine Taskforce gegen Intensivtäter. Im «Rundschau»-Interview zieht der Vizedirektor eine erste Bilanz. Die Zusammenarbeit zwischen Polizei, Strafverfolgungsbehörden, kantonalen Behörden und dem Staatssekretariat für Migration (SEM) habe Wirkung gezeigt. «Von den 116 Personen, die der Taskforce in den ersten zwölf Monaten gemeldet worden sind, sind über 60 entweder zurückgeführt worden oder sind jetzt in Haft und werden zurückgeführt», sagt Claudio Martelli, SEM-Vizedirektor und Chef des Asylbereichs. Man nehme den Frust bei der Polizei sehr ernst. «Bei uns gibt es auch einen gewissen Frust», sagt er. Denn: Der grösste Teil der Asylsuchenden verhalte sich korrekt. «Es ist eine kleine kriminelle Minderheit, die dem Ruf und der Sicherheit schadet. Das wollen wir ändern», so Martelli.
Zudem zeigten die 24h-Verfahren eine Wirkung. Dennoch werde es weitere Massnahmen brauchen. Zum Beispiel mit dem vorgelagerten Zuständigkeitsverfahren, das angedacht sei. So will der Bund bereits vor dem eigentlichen Asylverfahren prüfen, ob die Person einen Asylgrund geltend machen kann. «Wir erhoffen uns, dass solche Personen gar nicht mehr in die Schweiz kommen.»
Doch die Deliktzahlen bleiben hoch. Die Männer tauchen oft unter, einige beschäftigen die Justiz über Jahre. Festnahmen und kurze Gefängnisstrafen schrecken viele nicht ab.
«Sie hoffen auf ein besseres Leben hier»
Was sind das für junge Männer? «Sie hoffen auf ein besseres Leben», sagt Journalist und Maghreb-Experte Beat Stauffer. Ein Teil der Männer habe schon in der Heimat Probleme gehabt, sei teilweise schon straffällig geworden. Die «Rundschau» spricht mit jungen Männern aus dem Maghreb. Viele der Männer wirken berauscht, konsumieren Medikamente oder Drogen. Andere sind stark alkoholisiert.
«Ich war drei Jahre in Italien, danach ein Jahr in Frankreich. Jetzt bin ich seit zwei Monaten in der Schweiz», sagt ein junger Algerier. «Ich hatte daheim Probleme, mit der Justiz, mit der Politik. Ich will hier ein ruhiges Leben führen.»
Beat Stauffer sagt, viele hätten nichts zu verlieren. «Die Männer leben – etwa in Italien – oft auf der Strasse, nehmen Medikamente und Drogen, beginnen mit Stehlen. Wenn sie in die Schweiz kommen, sind sie schon schwer gezeichnet von der Reise.»
Algerier in Untersuchungshaft
Zurück zum Einbruch in Kreuzlingen. Der 19-jährige Algerier sagt, die Verletzungen an den Händen seien nicht vom Einbruch. Er wirkt berauscht. Mittlerweile sitzt er in Untersuchungshaft. Das Verfahren führt die Staatsanwaltschaft St. Gallen. Denn auch dort beging der Mann Delikte.
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