Michigan: Demokratin unterstützt nun Republikaner
Sogenannten Swing States wie Michigan, wo keine Partei eine sichere Mehrheit hat, kommt bei den kommenden US-Zwischenwahlen eine besondere Bedeutung zu.
30.10.2026 | 1:39 min"Motorcity" steht am Highway in Retroschrift geschrieben. Kaum eine Stadt steht so für die wechselhafte Geschichte der US-Autoindustrie wie Detroit. Das einstige Schmuddelkind der US-Großstädte hat sich gemausert. Investoren sind gekommen, Startups haben sich angesiedelt, haben arbeitende Menschen mitgebracht, auch weil Detroit als bezahlbar gilt.
Insbesondere seit dem Krieg gegen Iran sind die Preise in den USA explodiert. Das sollte es für die Demokraten einfach machen. Doch in Detroit zeichnet sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen ab. Das macht den Bundesstaat im Mittleren Westen zum "Battleground", zur politischen Kampfzone.
Wahlkampf-Eklat in Michigan: Haley Stevens unterstützt Republikaner
Die Kandidaten in diesem Kampf um den Sitz im US-Senat könnten unterschiedlicher kaum sein. Mike Rogers (65) ist seit Jahrzehnten in der republikanischen Partei aktiv. Seit Jahren befürwortet er einen US-Militäreinsatz gegen Iran, zuletzt fordert er aber ein schnelles Ende des Krieges. Auch die Zollpolitik Trumps hat er lange mitgetragen, sich dann aber gegen den Handelskrieg mit dem Nachbarn Kanada ausgesprochen. All das sollten Steilvorlagen für die Demokraten sein.
Wahlverantwortliche in den USA bereiten sich vor den Midterm-Wahlen auf mögliche politische Eingriffe vor. Ein Berater aus dem Trump-Umfeld hatte versucht, Kontakt aufzunehmen.
01.11.2026 | 1:29 minDie haben mit Abdul El-Sayed (42) einen jungen Kandidaten der Parteilinken aufgestellt. El-Sayed ist Kind muslimischer Einwanderer, verfügt über einen Doktortitel in "Public Health" und hat sowohl in Detroit als auch im Bundessaat Michigan Gesundheitsbehörden geleitet. Er fordert die Krankenversicherung für alle und ein Ende des Iran-Krieges sowie der umstrittenen Zollpolitik des Präsidenten.
Republikaner investieren, um El-Sayed zu diskreditieren
Doch der hat sich auf den Kandidaten eingeschossen. Mal nennt Trump ihn Jihadisten, mal Kommunisten. Die El-Sayed Kampagne beklagt, die Republikaner investierten Millionen, um den demokratischen Kandidaten zu diskreditieren. Doch der leistet sich auch Patzer: Die große jüdische Gemeinde in Michigan ist alarmiert, seit El-Sayed immer wieder wortstark für die Palästinenser Partei ergreift. Unter anderem nachdem er den Staat Israel als „blutrünstig“ bezeichnete, kam es zu offenen Protesten von 200 Rabbinern.
Bei den anstehenden Zwischenwahlen in den USA könnten die Stimmen der Latinos entscheidend sein. Laut aktuellen Umfragen ist das Rennen zwischen den Parteien knapp.
31.10.2026 | 1:40 minInterner Streit: Konkurrentin wechselt zu Republikanern
Besonders pikant: In der Vorwahl um die Kandidatur setzte sich El-Sayed ganz knapp gegen die Parteifreundin Haley Stevens durch, die als besonders israelfreundlich gilt. Die Unterlegene geht am Wochenende öffentlich auf Distanz zu ihm, woraufhin er sie von seinem Wahlkampf auslud.
Stevens wurde am Sonntag beim Wahlkampf in einer Kirche mit dem Republikaner Mike Rogers gesichtet. In einem Social Media Video erklärt sie, sie habe die Seiten gewechselt und unterstütze jetzt den Republikaner. Der Grund: El-Sayed schüre mit seiner Kampagne Hass, vor allem gegen die jüdische Bevölkerung Michigans.
Derartige interne Konflikte kommen in den USA schlecht an und können den Kandidaten beschädigen. Mittlerweile geht die demokratische Partei auf Distanz zu Stevens. Der Minderheitsführer im Senat, Chuck Schumer, nannte ihr Verhalten einen „verachtenswerten Verrat“. Doch unklar ist, in welchem Ausmaß der Streit El-Sayed Stimmen kostet.
Testlauf für 2028: Demokratischer Machtkampf erreicht die Midterms
El-Sayed ist schlagfertig, wortgewaltig und nimmt besonders junge Wähler für sich ein, viele mit Migrationshintergrund. Er kontert Donald Trump immer wieder öffentlich, bietet ihm die Stirn. Als Trump unlängst forderte, sollte El-Sayed in den Senat einziehen, müsse dort am Eingang ein Metalldetektor installiert werden, forderte El-Sayed einen Lügendetektor für den Präsidenten. Gerade bei jungen Wählern kommt das an.
Für die Demokraten ist Michigan aber ein Testlauf mit hohem Risiko. Sollte El-Sayed die Wahl gewinnen, würde das die Parteilinke um Alexandra Ocasio-Cortez und den New Yorker Bürgermeister Zorhan Mamdani stärken und deren Einfluss auf die Kandidatenwahl für das Präsidentenamt 2028.
Doch fraglich ist, ob im Arbeiterstaat Michigan das gelingt, was im progressiven New York City Zorhan Mamdani vor einem Jahr gelang: die Wähler von einem muslimischen Parteilinken zu überzeugen, der Umverteilung propagiert. Bei der letzten Zwischenwahl haben die Demokraten in Michigan gewonnen. Wenn das dieses Mal nicht gelingt, könnte es schwer werden, die erhoffte demokratische, blaue Welle vom Wunsch in die Wirklichkeit zu bringen.
Armin Coerper leitet das ZDF Studio New York
Zeitplan am Wahltag in den USA
:Midterms 2026: Wie sie ablaufen und wann Ergebnisse kommenAm 3. November entscheiden bei den Midterms die Vereinigten Staaten über die politische Zukunft. Wann und wo kommen die ersten Prognosen und Ergebnisse? Der Wahltag im Überblick.
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