"Wir werden kein Spiel gewinnen": Rams-Absturz lässt McVay verzweifeln
In Los Angeles schien vor der Saison alles für den nächsten Titelangriff angerichtet. Sechs Wochen später häufen sich nicht nur die Niederlagen - erstmals ist auch aus der Kabine deutlicher Frust zu hören.

Sean McVay erlebt mit den hoch gehandelten Rams einen völlig unerwarteten Fehlstart. IMAGO/ZUMA Press
Die Arizona Cardinals (2-4) brauchten am Sonntagabend nicht einmal einen Touchdown, um die L.A. Rams endgültig in die Krise zu stürzen. Sechs Field Goals von Chad Ryland reichten dem zuvor erst einmal siegreichen Team zu einem überraschenden 18:16 im SoFi Stadium.
Los Angeles war als 12,5-Punkte-Favorit in die Partie gegangen, kam gegen eine der bislang schwächsten Defenses der NFL aber lediglich auf 286 Yards. Während die eigene Defense Arizona konsequent aus der Endzone hielt, blieb die hochkarätig besetzte Offense über weite Strecken harmlos.
Matthew Stafford, MVP der Vorsaison, komplettierte zwar 25 von 33 Pässen für 222 Yards und zwei Touchdowns, konnte die vierte Pleite im sechsten Spiel jedoch ebenfalls nicht verhindern. Damit rutschte das vermeintliche Superteam gleichzeitig ans Ende der NFC West.
McVay findet nichts Positives
"Wir werden kein Spiel gewinnen, wenn wir nicht herausfinden, wie wir aufhören, uns selbst zu schlagen", sagte Sean McVay anschließend. "Es gab einfach zu viele unnötige Fehler und zu viele Dinge, die nicht mit dem übereinstimmten, was wir vor allem offensiv erreichen wollten."
Die Defense habe genug getan, um die Rams im Spiel zu halten. Sobald seine Mannschaft jedoch etwas Schwung aufgenommen habe, sei der nächste Ballverlust, Raumverlust oder vermeidbare Fehler gefolgt. Als Beispiel führte McVay eine Strafe an, durch die aus einem vierten Versuch und drei Yards plötzlich ein vierter und acht wurde.
"Wir müssen zurück ans Reißbrett und herausfinden, wie wir besser werden. Zunächst müssen wir aufhören, uns selbst zu schlagen, bevor wir überhaupt darüber sprechen können, die gewünschten Ergebnisse einzufahren", erklärte der Head Coach. Anschließend wurde McVay noch deutlicher: "Das ist nicht einmal annähernd gut genug. Ich muss einen deutlich besseren Job machen. Über den heutigen Tag kann ich nichts Positives sagen."
Williams sorgt mit Kabinen-Aussage für Wirbel
Wie groß die Frustration inzwischen zu sein scheint, zeigte sich auch in der Kabine. Auf die Frage, warum die Offense ihre Energie nicht von Drive zu Drive aufrechterhalten konnte, antwortete Running Back Kyren Williams: "Kann ich dir nicht sagen, Bro. Wahrscheinlich, weil ich nicht auf dem Feld stehe."
Als Reporter nachhakten, ob er häufiger eingesetzt werden müsse, ergänzte Williams: "Das liegt nicht an mir. Ich finde nur, dass wir unabhängig davon diese Energie aufrechterhalten müssen."
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Die erste Antwort klang durchaus wie eine Spitze gegen McVays Personalentscheidungen. Ganz eindeutig war sie allerdings nicht: Williams stand bei 40 der 56 offensiven Spielzüge auf dem Feld, erhielt mit 13 Ballkontakten aber so wenige wie noch nie in dieser Saison. Sein Kollege Blake Corum kam bei nur 16 Snaps auf elf Touches.
Von einem Bruch zwischen Spieler und Trainer zu sprechen, wäre deshalb verfrüht. Als Warnsignal für die wachsende Unzufriedenheit passt die Aussage aber sehr wohl ins Gesamtbild.
Selbst der Eagles-Sieg war bereits eine Warnung
Dabei hätte dieser Kader eigentlich kaum stärker zusammengestellt werden können, zumindest auf dem Papier. Zum amtierenden MVP Stafford und einer Offense um Puka Nacua, Davante Adams und Williams kamen unter anderem Defensive Player of the Year Myles Garrett, Trent McDuffie sowie Rückkehrer Aaron Donald hinzu.
Wie außergewöhnlich der derzeitige Absturz ausfällt, zeigt außerdem ein Blick in die Historie: Die Rams waren vor dem ersten Spieltag bei den Buchmachern das Team mit der niedrigsten Super-Bowl-Quote - kein Konkurrent wurde als besser eingeschätzt. Nur vier Mannschaften der vergangenen 50 Jahre legten mit diesem Status nach sechs Partien ebenfalls eine negative Bilanz hin. Los Angeles ist mit 2-4 nun das fünfte.
Selbst das 24:20 gegen Philadelphia, der letzte Sieg der Rams, sorgte nur kurz für Ruhe. L.A. lag nach drei Vierteln mit zehn Punkten zurück und profitierte anschließend davon, dass die Eagles auf ihren letzten sechs Drives nicht mehr punkteten und keinen einzigen ihrer zwölf dritten Versuche verwandelten.
L.A. Rams: Erste 6 Spiele
Der Spielraum ist bereits aufgebraucht
Beendet ist die Saison nach sechs Wochen natürlich noch nicht. Die kommenden Aufgaben gegen die Raiders (3-3), Chargers (0-5) und Commanders (1-3-1) bieten McVay sogar eine realistische Gelegenheit, das Ruder zeitnah komplett herumzureißen. Viel Spielraum bleibt nach dem Fehlstart innerhalb der eigenen Division aber nicht mehr.
Die entscheidende Frage lautet damit erst einmal nicht länger, wann das Rams-Superteam sein volles Potenzial entfalten wird. Los Angeles muss erst einmal beweisen, dass dieser hochkarätige Kader überhaupt über vier Viertel sauberen Football spielen kann.
Autor: Maximilian von Hoyningen-Huene
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