Jugendschutz im Netz: Psychologenverband fordert strenge Regeln
Der Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen (BDP) fordert eine gesetzliche Verschärfung für einen wirksamen Kinder- und Jugendschutz im Netz. Anlass ist die Veröffentlichung von 56 Handlungsempfehlungen der unabhängigen Expertenkommission „Kinder- und Jugendschutz in der digitalen Welt“.
Um die psychische Gesundheit und die Rechte von Minderjährigen zu schützen, will der Verband die Verantwortung weg von den Kindern und hin zu Plattformbetreibern und der Politik verlagern. Gesetzliche Vorgaben wie sichere Voreinstellungen, regulierte KI-Angebote und eine datensparsame Altersprüfung sollen die angestrebten Ziele ermöglichen.
Der BDP plädiert für eine gesetzliche Verankerung von sicheren Voreinstellungen („Privacy by Default“) sowie eine starke Beschränkung manipulativer Gestaltungsmechanismen, die Minderjährige möglichst lange auf den Social-Media-Plattformen halten. Der „Schutz vor kommerzieller Ausbeutung“ sei zentral. Besonderen Handlungsbedarf sieht der Verband bei neueren technologischen Entwicklungen: KI-Angebote wie generative Systeme und Chatbots sollen bei den Schutzmaßnahmen besonders berücksichtigt werden.
BDP will digitale Teilhabe ermöglichen
Schon im April sprach sich der BDP für eine kontrollierte Social-Media-Nutzung von Kindern und Jugendlichen aus. Dennoch möchten die Mitglieder die digitale Teilhabe für Minderjährige risikofrei ermöglichen: Dabei liege die Verantwortung primär in den Händen der Erwachsenen und der Anbieter digitaler Dienste, erläutert Heike Bott vom Vorstand der Fachsektion Verband Psychologischer Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten (VPP im BDP).
Darüber hinaus fordert der Psychologenverband mehr Angeboten bei der Medienbildung. Für Erziehungsberechtigte und Schulen sind mehr Beratungsangebote angedacht. Zudem soll die psychologische und psychotherapeutische Versorgung verbessert werden, um Kindern und Jugendlichen in Bezug auf Medienkonsum zu helfen.
Auch andere Fachorganisationen unterstützen die 56 Empfehlungen der Expertenkommission. Die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie (DGKJP) und zwei weitere kinder- und jugendpsychiatrische Verbände betonen insbesondere Prävention, Medienkompetenz und verbindliche Vorgaben für Plattformen. Die Arbeitsgemeinschaft für Kinder- und Jugendhilfe (AGJ) plädiert dafür, die Empfehlungen nicht nur punktuell, sondern als Gesamtpaket umzusetzen.
Datenschutzkonforme Altersprüfung
In der aktuellen Stellungnahme bekräftigt der BDP seine Haltung zu Altersgrenzen für Social-Media-Angebote, betont jedoch die Datenschutzkonformität: Der Schutz der Privatsphäre von Minderjährigen dürfte nicht aufgegeben werden. Der Verbraucherzentrale Bundesverband befürwortet ebenfalls sichere Voreinstellungen und mehr Plattformverantwortung, kritisiert aber starre Altersgrenzen und eine allgemeine Altersverifikation. Aktuell laufen Diskussionen, wie eine sichere und anonyme Altersverifikation überhaupt aussehen könnte. Kritiker mahnen etwa Umgehungsmöglichkeiten für junge Menschen an.
KioskNews shows a cleaned-up reading view extracted from the publisher’s page — the original always lives on their site, not ours.