Was Chinas Bikini-Stadt mit der EU zu tun hat
Die EU sucht im Wettbewerb mit China nach mehr Stärke für ihre Industrie. Neue Förderpläne sollen Abhängigkeiten senken, doch globale Lieferketten erschweren den Kurs.
24.09.2026 | 2:15 minDas metallische Surren von Nähmaschinen hallt durch den Flur. Eine offen stehende Glastür gibt den Blick frei auf sechs Tischreihen mit jeweils drei Näherinnen und Nähern. Gegenüber ziehen Arbeiterinnen Schnüre durch Bikini-Oberteile. Hier entsteht, was in Europa auf Online-Plattformen von Shein oder Temu bestellt wird.
Pro Badeanzug würden sie hier derzeit einen Gewinn zwischen 30 und 40 Cent machen, sagt die Chefin. Durch den Iran-Krieg sei von der Farbe bis zum Verschluss alles teurer geworden. Jetzt macht sie sich Sorgen, dass die Europäische Union (EU) neue Handelsbeschränkungen erlassen könnte. "Das betrifft uns ganz direkt. Jedes Detail in der Kostenkette bedeutet für uns, dass wir weniger verdienen", sagt die 30-Jährige.
Chinas Staatschef Xi Jinping trifft US-Präsident Trump in Washington. Im Zentrum steht der KI-Wettlauf und die Frage, ob beide Seiten gemeinsam auf die Bremse treten.
23.09.2026 | 3:06 minHandelskrieg zwischen China und EU verhindern
Denn in diesen Tagen ist Maroš Šefčovič, Handelskommissar der Europäischen Union, in Peking.
- Das Ziel: einen neuen Handelskrieg zwischen China und der EU verhindern.
- Das Problem: Wenn China sechs Container mit Waren nach Europa liefert, liefert umgekehrt Europa nur einen Container nach China. Das Handelsdefizit stieg 2025 auf 372 Milliarden Euro, also mehr als eine Milliarde Euro pro Tag.
- Der Vorwurf: Autos, Maschinen oder Chemie-Produkte wären aus China oft deutlich günstiger, weil sie staatlich subventioniert würden.
Auf Elektro-Autos Made in China erhebt die EU bereits sogenannte Ausgleichszölle, für Fahrzeuge mit Kombi-Antrieb wurden sie vorbereitet. Nach Angaben der Volksrepublik haben sich aber zumindest bei diesen Themen Peking und die EU auf eine engere Zusammenarbeit verständigt. Die Einigung über den Handel mit Hybridfahrzeugen im Einklang mit den Regeln der Welthandelsorganisation (WTO) sei das Ergebnis intensiver Verhandlungen gewesen.
China verfügt über ein Quasi-Monopol bei Seltenen Erden: Es baut 70 Prozent dieser Metalle ab und verarbeitet 90 Prozent. Deutschland deckt zwei Drittel seines Bedarfs aus China.
07.12.2025 | 3:02 minAuch der Brief und das Positionspapier, die der deutsche Bundeskanzler und der französische Präsident im Vorfeld der Reise des Handelskommissars veröffentlichten, werden die Gesprächsatmosphäre in Peking nicht verbessert haben. Darin fordern sie Maßnahmen, die - ohne China namentlich zu erwähnen - die Bereitschaft signalisieren, gegenüber China eine härtere Linie zu fahren.
China hat aufgeholt - teilweise überholt
Prof. Dr. Ding Chun ist Wirtschaftswissenschaftler und Direktor des Zentrums für Europastudien (Center for European Studies) an der Fudan-Universität in Shanghai. Seine Einschätzung:
Es ist nicht notwendig, dass beide Seiten ihr bestmögliches Ergebnis anstreben, sondern dass sie sich mit dem zweitbesten Ergebnis begnügen, um eine Situation zu vermeiden, in der beide Seiten verlieren.
Ding Chun, Direktor Zentrum für Europastudien, Fudan-Universität Shanghai
Dings Sicht auf Überkapazitäten: Der Handel heute sei ausgeglichener. Früher habe die Volksrepublik einfache Produkte geliefert, während Europa der Hauptinvestor in China gewesen sei. Doch inzwischen habe China seine Fertigungsindustrie modernisiert und weiterentwickelt.
"Wenn man auf die 80er und 90er Jahre zurückblickt, als Internet, Digitalisierung und Künstliche Intelligenz an Fahrt gewannen, hinkte Europa aus verschiedenen Gründen in puncto Wettbewerbsfähigkeit hinter China und den Vereinigten Staaten her. Dies hat zu der aktuellen Situation geführt, in der die eine Seite an Boden verliert, während die andere an Boden gewinnt", sagt Experte Ding.
Die EU will gegen die Schwemme von Billigprodukten aus China vorgehen. Bleibt eine Einigung mit China aus, will die EU neue Zölle auf chinesische Importe verhängen.
04.10.2026 | 4:16 minDeutsche Firmen befürchten Folgen für ihr China-Geschäft
Bei Solar- und Windkraftanlagen oder Batterien führt längst kein Weg mehr an China vorbei. Pekings schärfstes Schwert sind sogenannte Seltene Erden, Stoffe, die die ganze Welt für E-Autos oder Smartphones braucht. Dass Peking den Export als Reaktion auf neue EU-Maßnahmen wieder mehr beschränken könnte, fürchtet auch Oliver Oehms, geschäftsführendes Vorstandsmitglied der Deutschen Handelskammer in Nordchina.
Wenn es um Seltene Erden geht, sitzt Peking zweifellos am längeren Hebel.
Oliver Oehms, Deutsche Handelskammer in China
Auch in anderen Technologien hat China die Nase vorn: "Insbesondere bei den großen Zukunftsthemen Robotik, Automatisierung und Künstliche Intelligenz spielen chinesische Technologieanbieter mittlerweile im weltweiten Maßstab ganz vorne mit. Da müssen wir Beziehungen pflegen und aufrechterhalten, die uns auch in den kommenden Jahren ermöglichen, hier einzukaufen und Leistung zu beziehen", sagt Oehms.
In einer Umfrage der Handelskammer befürchten 80 Prozent der befragten Firmen, dass ein Handelskonflikt zwischen China und der EU negative Folgen für ihr China-Geschäft haben wird.
Künftig werden auf Produkte, die außerhalb der EU bestellt werden, Einfuhrzölle erhoben. Damit sollen vor allem chinesische Billigimporte begrenzt und europäische Händler gestärkt werden.
01.07.2026 | 1:50 minChina sei zu wichtig, um die Tür zuzuschlagen. Es ist das viel zitierte Fitnesscenter China: innovativ, kostengünstig und vor allem schnell - das wollen die Deutschen von ihren chinesischen Partnern lernen.
Wegen der langen Winter kann man in Chinas Küstenstadt Huludao nur zwei Monate pro Jahr im Meer schwimmen. Doch von hier sollen jedes Jahr 170 Millionen Badeanzüge in die ganze Welt geschickt werden. Diejenigen, die die Stoffe zuschneiden, nähen und verschicken, hoffen, dass der Handelsstreit zwischen China und der EU ihre kleine Gewinnmarge nicht weiter schrumpfen lässt.
Miriam Steimer ist als Korrespondentin und Studioleiterin des ZDF-Studios Ostasien zuständig für die Berichterstattung u.a. aus China, Japan, Korea und den Philippinen.
Vor letztem Einigungsversuch
:EU und China stehen vor neuem HandelskriegIn der kommenden Woche unternehmen China und die EU den letzten Versuch, einen neuen Handelskrieg zu verhindern. Es sieht nicht gut aus.
von Andreas Kynast
mit Video2:15
Über dieses Thema berichtete die Sendung heute in europa am 24.09.2026 ab 16 Uhr.
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