Der „Spiegel“ und Elif Eralp: Wer ist Ibrahim Ibrahim?

Ein agressiver Demagoge und fanatischer Israelhasser – aber ist der mutmaßliche Hamas-Unterstützer Ibrahim Ibrahim gefährlich? Ein Annäherungsversuch.
Foto: Lisi Niesner/reuters
Das Gefährliche an Boulevard ist nicht, wenn die Nachrichten falsch sind, sondern wenn sie ein Fünkchen Wahrheit enthalten. Denn genau dieses Fünkchen kann dazu führen, dass die gesamte Darstellung für wahr gehalten wird. So ist das auch bei der Causa Ibrahim Ibrahim, die die Republik seit Donnerstagfrüh in Atem hält.
Der Hamas-Sympathisant war Thema eines Spiegel-Interviews mit Elif Eralp, der Berliner Spitzenkandidatin der Linkspartei. Das Magazin veröffentlichte eine interne Notiz, in der Eralp schreibt, sie und ihr Mann hätten „Angst vor diesen Leuten“.
Verantwortlich für die Sicherheit der Bevölkerung in Berlin ist aktuell die schwarz-rote Regierung. Doch weder Innensenatorin Iris Spranger (SPD) noch die Polizei haben der taz Auskunft darüber gegeben, wie gefährlich Ibrahim aus ihrer Sicht ist.
Wer ist Ibrahim Ibrahim?
Der circa 70 Jahre alte Deutsche palästinensischer Herkunft weist in einem Statement von Mitte Oktober für die Tageszeitung Junge Welt den Vorwurf, Terrorismus zu unterstützen, entschieden zurück. Auf eine Anfrage der taz antwortet er nicht.
Laut Medienberichten soll er Vorsitzender des Demokratischen Komitees Palästina sein. Immer wieder wird er für israelfeindliche Positionen und die Unterstützung der PFLP kritisiert, die Volksfront zur „Befreiung Palästinas“. Mitglieder der PFLP beteiligten sich unter anderem am Massaker des 7. Oktober 2023 in Israel. Den Drahtzieher und Hamas-Chef Jahia Sinwar nannte Ibrahim Ibrahim einen „Märtyrerhelden“, dem er seine „Hochachtung“ zolle.
Auf Facebook postete er gewaltverherrlichende Bilder, wie das von einem Mann mit Kufija, Maschinengewehr und PFLP-Logo, auf dem steht: „All guns against the enemy, glory to the freedom fighters.“ Im April 2025 feierte er bei einer Demo erneut die Terroristen, die er „Märtyrer“ nennt und die ihr Leben gegeben hätten, damit „ganz Palästina ‚vom Fluss bis zum Meer‘ befreit“ werde. Für viele stellen derartige Aussagen israelbezogenen Antisemitismus dar, andere sehen darin eine legitime Forderung nach einer Einstaatenlösung.
In aller Munde war Ibrahim dann nach der Wahlparty der Berliner Linken am 20. September. Dort war er mit einem „See you in Palestine“-T-Shirt aufgetaucht. Der Bundestagsabgeordnete Ferat Koçak und die frisch ins Abgeordnetenhaus gewählte Vanessa „Vedi“ Emde posierten mit Ibrahim.
Sollte man Angst vor ihm haben?
Sollte man Angst vor ihm haben? „Ach was“, sagt ein Neuköllner Linken-Funktionär der taz. „So wie ich Ibrahim kenne, kann ich nicht nachvollziehen, dass man Angst vor ihm hat“, sagt er. Aus Sicht des Linken werde um Ibrahim gerade ein „unnötiger Aufstand“ gemacht. „Tricky ist seine Beziehung zur Hamas, deshalb werde ich bei ihm immer vorsichtiger“, erklärt der Neuköllner, der seinen Klarnamen nicht nennen will, weil er Angst hat, dass das die Bündnisarbeit seiner Partei gefährden könnte.
Zu einer gänzlich anderen Einschätzung kommt die Landesarbeitsgemeinschaft (LAG) Shalom, die sich in der Linkspartei für den Schutz jüdischen Lebens einsetzt. „Die letzten drei Jahre haben gezeigt, dass von Akteuren wie Ibrahim Ibrahim eine reale Gefahr ausgeht“, schreibt der Sprecher*innenrat der taz. Ibrahim unterhalte „erwiesenermaßen Kontakte zur Terrororganisation PFLP, die an den Pogromen des 7. Oktober beteiligt war“, betonen diese Linken.
Wenn Elif Eralp Angst vor Ibrahim Ibrahim und seinem politischen Umfeld habe, sei das keinesfalls unbegründet. Auch Journalist*innen machten schon negative Erfahrungen mit Ibrahim. So ging er kürzlich Springer-Mann Iman Sefati an. Laut Reporter ohne Grenzen gibt es regelmäßige Angriffe aus dem Milieu.
Ibrahim mag ein fanatischer Israelhasser und gefährlicher Demagoge sein, dessen Umfeld auch vor Psychoterror nicht zurückschreckt. Doch auch wenn der Spiegel den Eindruck erwecken will: Der gefährlichste Mann Deutschlands ist Ibrahim nicht.
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