Messerangriff auf Kinder: Täter «kaufte Rindfleisch, um zu üben»

- Ein chinesischer Student steht in Zürich wegen versuchten Mordes vor Gericht: Er stach am 1. Oktober 2024 in Oerlikon auf drei fünfjährige Buben ein.
- Die Anklageschrift zeigt, dass der Mann die Tat minutiös plante – er nutzte ChatGPT und kaufte Rindfleisch, um Messerstiche zu üben.
- Die Staatsanwaltschaft fordert 15 Jahre Freiheitsstrafe sowie eine gleich lange Landesverweisung.
Diese Tat sorgte in der ganzen Schweiz für Entsetzen: Am 1. Oktober 2024, dem chinesischen Nationalfeiertag, ging ein damals 23-jähriger chinesischer Student mit einem Messer in Zürich-Oerlikon auf Hortkinder los. Drei fünfjährige Buben wurden durch die rund 8,5 Zentimeter lange Klinge schwer verletzt.
Bei einem der Kinder wurde die Drosselvene am Schlüsselbein komplett durchtrennt, weitere Verletzungen erlitt er am Hals und an der linken Schulter. Um den Tod durch Verbluten oder Luftembolie zu verhindern, war eine Notoperation nötig. Einem zweiten Buben stach der Täter zweimal in die Brust. Diese durchtrennten den Herzbeutel und verletzten das rechte Herzohr, die rechte Brustschlagader und die rechte Brustvene.
Hortmitarbeiterin stoppte Angreifer
Die Verletzung des Herzens führte zu einer Blutansammlung im Herzbeutel sowie zu einem lebensbedrohlichen Blutverlust. Er überlebte nur knapp – sein Tod konnte ebenfalls nur durch sofortige medizinische Intervention abgewendet werden. Der dritte Bub wurde mehrmals am Ohr und an der Lunge verletzt.
Weitere Angriffe konnten nur verhindert werden, weil die Hortmitarbeiterin vehement einschritt: Gemäss Anklageschrift eilte sie zum Täter und hielt seine Arme fest, sodass er von seinem Vorhaben abliess. Als der Mann bemerkte, dass er sich nicht losreissen konnte, habe er das Messer weggeworfen und sich ergeben. Weitere Passanten, darunter Mirco Brühwiler (38), stiessen dazu und hielten den Chinesen bis zum Eintreffen der Polizei fest. 20 Minuten sprach nach der Tat mit einem von ihnen.

«Ausserordentlich kaltblütig»
Am Donnerstag steht der Mann vor Gericht. Der Staatsanwalt wirft ihm versuchten Mord vor: Der Chinese hat die Tat von langer Hand geplant und minutiös mithilfe von ChatGPT vorbereitet. Der junge Mann, der ein Jahr zuvor in die Schweiz kam und an der Universität Zürich den Master machen wollte, war unglücklich und fühlte sich hier nicht respektiert, wie es weiter heisst.
Die Staatsanwaltschaft beschreibt die Tatvorbereitung und -ausführung des Chinesen als «ausserordentlich kaltblütig». So habe dieser Anfang August 2024 den Entschluss gefasst, Menschen zu töten. Er fragte die künstliche Intelligenz ChatGPT nach den «juristischen Konsequenzen verschiedener Tatvarianten der Tötung von Zufallsopfern durch Erstechen» und entschied sich, Kinder zu erstechen.
15 Jahre Freiheitsstrafe gefordert
Weiter heisst es: In den folgenden Wochen bestellte er Kleidung für die Tat und ein Set mit vier unterschiedlich grossen Küchenmessern. Am 18. September recherchierte er, wo und wann er in der Stadt Zürich Kinder antreffen könnte, und zehn Tage später studierte er anatomische Darstellungen des menschlichen Kopfes, Halses und Oberkörpers sowie der Blutgefässe. Am 30. September kaufte der Student rohes Rindfleisch, um daran Messerstiche und -schnitte zu üben.
Am darauffolgenden Tag schritt er um die Mittagszeit zur Tat. Das Datum war kein Zufall: Der 1. Oktober ist der chinesische Nationalfeiertag. Minuten vor der Tat veröffentlichte er noch in seiner Wohnung in unmittelbarer Nähe des Kinderhorts auf Instagram verschiedene chinesisch-patriotische Inhalte sowie eine «amourös entwertende Botschaft» an oder über eine frühere Bekannte in China.
Der Staatsanwalt schreibt in der Anklageschrift, dass der Mann aus «blosser Rachsucht, Geltungsdrang und ideologischer Verblendung» gehandelt habe. Sie fordert eine unbedingte Freiheitsstrafe von 15 Jahren sowie eine ebenso lange Landesverweisung.
Stefan Hohler (hoh), arbeitet seit 2020 als Gerichtsreporter für 20 Minuten.
Daniel Krähenbühl (dk) arbeitet seit 2017 für 20 Minuten. Er leitet das Regionennetzwerk mit Fokus auf Stadtpolitik, Kriminalität, Gesellschaft und Recherche.
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