Brics-Gipfel in Indien – Im Schatten des Iran-Krieges

Chinas Staatschef Xi Jinping traf erst kurz vor Beginn des Gipfels am Mittag in Delhi ein – es ist sein erster Indien-Besuch seit sieben Jahren. Indien und China streiten sich seit Langem wegen der gemeinsamen Grenze.
Der Gipfel stand unter schwierigen Vorzeichen
Das hochrangige Treffen habe unter besonders schwierigen Vorzeichen stattgefunden, sagt Shanthie D'Souza vom unabhängigen indischen Mantraya Institute for Strategic Studies. «Der Gipfel stand im Schatten des Iran-Krieges.» Er sei belastet gewesen von internen Differenzen zwischen Mitgliedsstaaten wie dem Iran und den Vereinigten Arabischen Emiraten.
Beide Länder sind erst seit zweieinhalb Jahren Mitglieder der Brics-Gruppe. Doch im Iran-Krieg sind sie Rivalen. Der Iran-Krieg setzt alle zehn Mitgliedsländer und das assoziierte Saudi-Arabien wirtschaftlich unter Druck – vor allem wegen steigender Energiepreise und gestörter Lieferketten.
Trotzdem ist die BRICS-Gruppe gespalten. Nicht nur der Iran und die Vereinigten Arabischen Emirate sind im Clinch. Auch das Verhältnis zwischen Gipfel-Gastgeber Indien und China ist schwierig. Sie hätten unterschiedliche Vorstellungen davon, wie sich die Brics-Länder zum Westen stellen sollten, sagt Analystin Shanthie D'Souza.
«Gegengewicht zur westlichen Weltordnung»
Die Brics‑Gruppe wurde 2009 gegründet. Anfangs gehörten nur Brasilien, Russland, Indien und China dazu, später auch Südafrika. «Sie wollten ein Gegengewicht bilden zu den von den USA und dem Westen dominierten globalen Finanzinstitutionen», sagt D'Souza. Die alte Ordnung sei für Entwicklungs- und Schwellenländer nicht förderlich. Eine der bisher grössten Errungenschaften der Brics-Gruppe sei daher der Aufbau einer neuen Entwicklungsbank, die ärmeren Ländern Kredite ohne Auflagen gewährt.
Dass vor zwei Jahren die Zahl der Mitgliedsländer verdoppelt wurde, zeigt, dass die Brics-Länder ihren Einflussbereich ausweiten. Zusammen stellen sie inzwischen knapp ein Drittel der globalen Wirtschaftsleistung. Deutlich mehr Mitglieder machen es aber auch sehr viel schwieriger, einen Konsens zu finden. Beim Brics-Aussenministertreffen im Mai kam kein gemeinsames Communiqué zustande.
Diesmal gelang es. Kaum vier Stunden nach Beginn des Gipfels präsentierte Indiens Premierminister Narendra Modi überraschend eine Abschlusserklärung. Darin verurteilen die Brics-Länder jede Form von Aggression, ohne ein einzelnes Land zu benennen. Ausserdem rufen sie zu Dialog und Diplomatie auf, um Konflikte zu beenden.
Gastgeber Indien kann den Gipfel als Erfolg verkaufen
Viel allgemeiner geht es nicht. Und trotzdem ist schon ein gemeinsames Statement ein diplomatischer Erfolg: Indien hat durch die gelungene Moderation seinen Anspruch bekräftigt, Sprachrohr des globalen Südens zu sein – und kann den Gipfel als Erfolg verkaufen. Und die Brics-Länder haben demonstriert, dass sie – trotz aller Differenzen – konsensfähig sind.
Wichtig ist die Symbolik. Die harten Gespräche finden abseits vom Gipfelzirkus statt, bilateral. Noch am Abend trifft Indiens Premier Modi auf Xi Jinping, der den nächsten Brics-Gipfel ausrichten wird.
Maren Peters
Südasien-Korrespondentin
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Maren Peters ist seit September 2022 Südasien-Korrespondentin für Radio SRF und berichtet von Indien aus über Afghanistan, Pakistan, Bangladesch, Sri Lanka, Nepal, Bhutan und die Malediven. Zuvor war sie Wirtschaftsredaktorin bei Radio SRF. Dabei beschäftigte sie sich insbesondere mit internationaler Wirtschafts- und Entwicklungspolitik sowie mit Nachhaltigkeits- und Rohstofffragen.
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