Totalschaden – oder nicht? – Hagel-Drive-Ins von Versicherungen scannen Beulen von Autos

Kurz – und sehr heftig: Das Unwetter, das Ende August über den Norden der Schweiz zog, hat enorme Schäden hinterlassen. Hagelkörner, zum Teil so gross wie Tennisbälle, haben alles zerstört: Dächer, Fenster, Solaranlagen, Rollläden, Fassaden. Und sehr viele Autos.
Im Kanton Zürich waren vor allem das Unterland und die Region Winterthur betroffen. Die Gebäudeversicherung geht von Schäden in Höhe von mehreren hundert Millionen Franken aus. Und das Schadensausmass wird erst jetzt richtig klar. Die Versicherung AXA – die grösste Autoversicherung der Schweiz – hat darum in Winterthur ein Hagel-Drive-In eingerichtet. Kundinnen und Kunden können dort vorfahren und den Schaden berechnen lassen.
Hagel-Scanner zählt Beulen sehr genau
Auf dem Rieterareal in Winterthur hat die Versicherung den Hagel-Scanner extra aufgebaut. Alle Kundinnen und Kunden, die Hagelschäden angemeldet haben, sind für einen Termin aufgeboten. Der Hagel-Scanner filmt die Autos mithilfe einer 3D‑Kamera und scannt.
Die Scanner zählen die Hagelbeulen pro Bauteil. Also zum Beispiel 115 auf der Motorhaube, 205 auf dem Dach. Vor dem Hagel-Scanner haben Experten die Beulen und Dellen von Hand gezählt. Die Fehlerquote des Hagelscanners liegt bei nur etwa fünf Prozent.
René Büchler ist Fahrzeugexperte und zuständig für den Hagel-Drive-In der AXA. Als der Sturm aufkam, dachte er: «Ui, ui, ui.» Und begann sofort mit der Organisation des Hagel-Drive-Ins. Bis Ende November erwartet er 2000 bis 3000 Autos, die abgeklärt werden müssen.
Im Hagel-Drive-In sollen die Kunden in kurzer Zeit erfahren, was für ihr Auto am besten ist: Der Schaden wird berechnet. Und es gibt eine Empfehlung: das Auto reparieren lassen, oder sich die Reparaturkosten auszahlen lassen. «Sie kennen die Schadenhöhe, sie wissen, ob es Totalschaden ist, oder nicht. Wenn die Kunden hinausfahren, wissen sie also, wie es um ihren Schaden steht.»
Frau aus Wiesendangen mit Glück im Unglück
Durch den Scanner fährt eine Frau aus Wiesendangen ZH. Als der Hagelsturm wütete, sei sie in ihrer Wohnung gestanden und habe dabei zugeschaut, wie die Hagelkörner auf das Auto trommelten. Sie konnte nichts mehr machen. Es war zu gefährlich. Sie hoffte, dass es möglichst wenig Beulen gibt.
So zählt der Hagel-Scanner die Beulen auf den Autos
Anfang Bildergalerie
-
Bild 1 von 6. Der Hagel-Drive-In der AXA ist am 10. September 2026 eröffnet worden. Pro Tag werden etwa 100 Autos geprüft und untersucht. Bildquelle: SRF/Christoph Brunner.
-
Bild 2 von 6. Der Scanner ist in einer Halle auf dem Rieterareal in Winterthur aufgebaut. Er bleibt dort bis Ende November. Etwa 2000 bis 3000 Autos werden hier gescannt und auf Hagelschäden untersucht. Bildquelle: SRF/Christoph Brunner.
-
Bild 3 von 6. Ein Auto fährt in den Hagel-Scanner hinein. Mit einer 3D-Kamera werden die Beulen aufgenommen. Bildquelle: SRF/Christoph Brunner.
-
Bild 4 von 6. Auf dem Bildschirm sind die Einschläge der Hagelkörner deutlich zu sehen. Rote Punkte bedeuten tiefe Beulen, gelbe mittelgrosse Beulen. Bildquelle: SRF/Christoph Brunner.
-
Bild 5 von 6. René Büchler ist Fahrzeugexperte und Teamleiter bei Axa. Er hat den Hagel-Drive-In aufgebaut und organisiert. Bildquelle: SRF/Christoph Brunner.
-
Bild 6 von 6. Nachdem das Auto durch den Scanner geschleust wurde, werden die Schäden von einem Experten in einem Lichttunnel hinten im Raum genauer untersucht und besprochen. Bildquelle: SRF/Christoph Brunner.
Ende der Bildergalerie
Zurück zum Anfang der Bildergalerie.
Ihr Glück: In ihrer Gemeinde Wiesendangen waren die Schäden weniger schlimm als in der Nachbargemeinde. Ihr weisses Auto hat nur Beulen auf der Motorhaube und auf dem Dach.
Ich muss mir jetzt überlegen: Lasse ich es flicken, oder nehme ich das Geld? Was ist besser, wenn ich das Auto verkaufen will?
«Insgesamt ist alles gut organisiert», sagt die Frau. Es habe sie überrascht, wie schnell dieser Hagel-Scanner auf die Beine gestellt worden sei. Nur telefonieren mit der Versicherung sei offenbar schwierig gewesen, die Wartezeiten lang.
Nach der Schadensabklärung durch das Team vor Ort, heisst es, dass sich der Schaden bei ihrem zwölfjährigen Auto auf rund 3400 Franken belaufe. Ihr Bauchgefühl sagt: «Ich lasse es reparieren.» Es könne ja wieder einen Hagelsturm geben. Und dann würde die Versicherung wieder zahlen. Und sie hätte nicht den Stress, dass es neue Beulen gebe, die dann die Versicherung nicht mehr übernehmen würde, wenn sie jetzt das Geld nehme.
Das alles spreche für eine Reparatur. Und: «Falls ich mein Auto verkaufen will, bekomme ich dafür mehr, wenn es geflickt ist, als wenn es voller Beulen ist.»
Regionaljournal Zürich Schaffhausen, 10.09.2026, 12:03 Uhr ; hugk;ledn;noes
KioskNews shows a cleaned-up reading view extracted from the publisher’s page — the original always lives on their site, not ours.